Review

ANVIL – wer erinnert sich nicht an sie!? Diese legendäre Speed-Metal-Combo aus den 80ern, die uns monumentale Alben wie „Metal on Metal“, „Hard n’ Heavy“ oder „Strength of Steel“ bescherte.
Keiner? – Hm, seltsam…

Um etwas weiter auszuholen: Heavy Metal – das war in den frühen 80ern vielerorts das, was bis vor kurzem noch Gangster-Rap war und jetzt Electro-Pop zu sein scheint. Eben die Musik ihrer Zeit, das Sprachrohr der Jugend, Musik, die nicht im Radio läuft, auf die aber jeder irgendwie abfährt. Ich selbst habe Anfang der 90er noch die Nachbeben jener „Untergrund-Bewegung“ am eigenen Leib erfahren, als ich mir als Dreikäsehoch mit gleich gesinnten Idioten im Partykeller eines Freundes zu Sepulturas „Refuse/Resist“ oder Slayers „Dittohead“ regelrechte Pogo-Prügeleien geliefert habe. Das war schon `ne geile Zeit.
Natürlich gab es zu der Hochzeit des Heavy Metal auch Bands, die nie einen Hit landeten und nie einen nennenswerten Bekanntheitsgrad erreichten und das, obwohl sie mit ganzem Herz bei der Sache waren.
Anvil dreht nun stellvertretend für all diese Bands die Amps noch mal bis zum Anschlag auf.

Die Geschichte von „Anvil“ (zu deutsch: Amboss) beginnt in den späten 70ern. Steve "Lips" Kudlow und Robb Reiner wachsen in derselben kanadischen Kleinstadt auf. Der eine spielt Gitarre, der andere spielt Schlagzeug – schon steht der Musikkarriere nichts mehr im Weg.
Die ersten Alben werden produziert und verkaufen sich einigermaßen gut. Aus heutiger Sicht werden „Anvil“ sogar als die Vorreiter des Speedmetal gehandelt. Doch dann, Anfang-Mitte der 80er, machen andere Bands das Geschäft, der Hairspray-Metal ist geboren und dürre Jungs mit Dauerwellen machen jetzt die Mäuse. Es folgt die Zeit von Bon Jovi, Mötley Crüe, Skid Row, Poison, den Scorpions und wie sie alle heißen. Von „Anvil“, die zwar immer noch fleißig produzieren, hört man kaum mehr etwas.

Und jetzt setzt unsere Dokumentation ein. „Lips“ und Robb wohnen immer noch in ihrem kanadischen Heimatnest, beide sind mittlerweile in ihren 50ern, sind immer noch Nachbarn und beide schlagen sich als Tagelöhner und Lagerarbeiter durch. Ihre Liebe zur Musik ist nicht erloschen, doch die Moneten um ein Album zu finanzieren fehlen.
Doch dann locken Veranstalter die Band über den großen Teich, Auftritte auf Festivals und in kleineren Clubs werden arrangiert und schon hat die Band eine Tour am Start, die durch ganz Europa führt.
Der Film lässt uns nun die Höhen und Tiefen dieser „Comeback-Tour“ miterleben. Leere Clubs, korrupte Veranstalter, unfähige Tour-Manager… die Liste der Enttäuschungen, die auf unsere metallenen Ambossburschen wie ein Schauer niederprasselt, scheint nicht enden zu wollen und es tut einem in der Seele weh, die Jungs scheitern zu sehen. Aber was heißt hier „scheitern“? Am Ende wird doch noch alles gut: die Band knallt mit ihrem Produzenten von damals ein neues Album („This is Thirteen“) auf den Markt und in Tokio bekommen die alten Herren eine Laudatio, die ihrer Anstrengungen und Mühen gerecht wird.

Zu Beginn muss ich zugeben war ich mir nicht ganz sicher, ob es sich bei „Anvil“ nicht um eine groß aufgezogene Verarsche im Stile von „Spinal Tap“ handelt. Lars Ulrich, Lemmy und Slash, die kurze Lobeshymnen vom Stapel lassen, wie toll und wegweisend „Anvil“ früher doch waren, verwirrten mich nur noch mehr. Doch ein kurzer Blick ins Netz versicherte mir: diese Band gibt es wirklich, so überzogen doof die Lyrics, so übertrieben unglücklich die Miseren und so unglaublich tuntig die Outfits von damals auch rüber kommen.
Nein, die Geschichte von „Anvil“ ist eine Geschichte, die das Leben geschrieben hat. Nicht nur eine Geschichte über Freundschaft, auch eine über die Härte und Unbarmherzigkeit des Music-Business, über blinden Fanatismus und Durchhaltevermögen wider guten Zuredens, über den Tausch eines bürgerlichen Lebens gegen einen Traum.

                                   Metal on metal
                                   It's what I crave
                                   The louder the better
                                   I'll turn in my grave

                                   Metal on metal
                                   Ears start to bleed
                                   Cranking it up
                                   Fulfilling my need

                                   Keep on rockin
                                   Keep on rockin
                                   To this metal tonight
                                   Keep on pounding
                                   Keep on pounding 
                                   Join the heavy metal fight
 

                                                                                       (Lyrics von "Metal On Metal")

Fazit:
Menschen werden älter, Träume bleiben ewig jung.
Ein Film über die Liebe zur Musik, über Attitude (!!!) und darüber, dass es keine Schande ist als Loser zu gelten, solange man seinem Traum folgt. Great!
Nicht nur für Metalheads und Headbanger ein wahrer Augenschmaus!

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