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Hypnose und Mord in den Swinging Sixties. Konsequenter Nihilimus, ein echter Michael Reeves.

Acht Bewertungspunkte sind das Mindeste für diesen britischen Horrorthriller der Tigon British Film Production (ein Studio im Schatten von Hammer und Amicus) aus dem Jahre 1967.

Teils kammerspielartig, teils vor der Kulisse Londons der Swinging Sixties (ein Einblick in eine längst vergangene Welt) spielt dieses abgründige Drama um ein desillusioniertes, vereinsamtes altes Ehepaar (Boris Karloff und Catherine Lacey), dass sich, mittels einer Hypnoseapparatur, einen vom Dasein gelangweilten jungen Dandy gefügig und mittels Willensübertragung/ geistiger Fremdbeeinflussung zur Marionette macht. In der Praxis schaut da so aus: Das erlebnishungrige Ehepaar zwingt dem jungen Mann seinen Willen auf und nimmt dann an dessen Erlebnissen und Gefühlshaushalt emotional direkt teil. Während der alte Professor Montserrat seine Hypnoseapparatur nach dem "Testlauf" mit dem jungen Schnösel in den Dienst der Menschen stellen möchte (Karloff bat Regisseur Reeves um eine positiver erscheinende Rolle, als es das Drehbuch ursprünglich vorsah), hat sein vom Leben enttäuschtes Weib einzig egoistische und zunehmend zerstörische Pläne, die schließlich viele ins Verderben stürzen... Das Ende von "Im Banne des Dr. Montserrat" ist an Grimmigkeit und Konsequenz schwer zu überbieten - und wird hier nicht verraten.

Regisseur Michael Reeves hat sich vor allem mit seinem finsteren, nihilistischen "Witchfinder General/ Der Hexenjäger" ein Denkmal gesetzt (der unter Depressionen leidende Reeves starb sehr früh und inszenierte nur drei Filme), dessen böses Ende so ziemlich allem entgegenläuft, was man unter einem "Happy End" versteht. Und auch im "Im Banne..." wohnt eine Ernsthaftigkeit und dunkle Weltsicht inne, dass trotz der winzigen Lücken des Drehbuchs (Hypnose und Aufdrängen des eigenen Willens: so weit, so gut. Warum aber teilt das Ehepaar die Empfindungen des jungen Mannes? Dieser wird an den Hypnose-Apparat angeschlossen, aber das Ehepaar hätte an sich auch eine sichtbare Manipulation durchführen müssen) ein ernstzunehmendes Horrordrama entstanden ist. Man bedenke: Reeves war bei den Dreharbeiten gerade 25 Jahre alt.

Neben der Tatsache, dass es ein Film von Reeves ist, bestechen auch die drei Hauptdarsteller: Karloff gibt einen etwas tattrigen, aber mit Restwürde ausgestatteten Alten, der von vermeintlicher Gehässigkeit und Skrupellosigkeit im Laufe der Handlung recht überzeugend zu einem von Gewissensbissen Geplagten, aber seiner sinistren Frau gegenüber Wehrlosen umschwenkt. Als dessen Frau Estelle brilliert die Theaterschauspielerin Catherine Lacey, aus deren runzligen Gesichtszügen pro Minute so mindestens zwanzig Empfindungen sprechen; manche haben schon für weit weniger einen Oscar bekommen, allein wegen Lacey muss man diesen Film sehen. Den dandyhaften, Sinn suchenden Mike spielt überzeugend und mit Understatement Ian Ogilvy - ein Freund von Reeves, der in jedem seiner drei Filmen eine Rolle hatte. Und auch die Nebenrollen sind gut besetzt.

Der Film wurde  in der wunderbaren Reihe "Der phantastische Film" in vernünftiger Qualität und mit ausführlichem Booklet (nur in der Version mit Schuber) veröffentlicht, Freunde des alten britischen Horrorfilms müssen hier unbedingt zuschlagen, wer es nicht tut, dem ist nicht zu helfen.

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