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Endlich mal wieder ein Joe Dante...
Der Mann, der sich das Spiel mit den Kinoversatzstücken und dem kindlichen Spieltrieb aufs Revers tätowiert hat, war stets ein Regisseur voller überbordender Einfälle, aber nicht mit dem nötigen Einspielpotential um eine ungehindert bunte Hollywoodkarriere hinzulegen und der Kredit von "Gremlins", "Das Tier" oder "Die Reise ins Ich" war spätestens mit dem relativen Mißerfolg von "Small Soldiers" 1998 endgültig aufgebraucht.
Dante kurbelte nur noch ein paar Kuriosa herunter, legte mit dem Realfilm-Animations-Montage "Looney Tunes" eine weitere Bauchlandung hin (2003) und zehrte dann mit zwei "Masters of Horror"-Episoden von seinem verblühten Ruhm.
Doch nach gut einem Jahrzehnt sind die Gimmicks wieder groß in Mode, 3D ist zurück und auch an Dante erinnert man sich wieder, wo man doch seine alten Filme wie "Piranha" wieder neu auflegt.

Jetzt durfte Dante für "The Hole" wieder mal ran, nach einem Drehbuch von "Motel"-Autor Mark L. Smith, das genau die Elemente aufweist, die Dante auszeichnen. Kinder, Heranwachsende, eine Portion gruseliger oder übernatürlicher Ereignisse; Figuren, die über sich hinauswachsen und einen Reifeprozeß durchleben müssen. Dazu popkulturelle Verweise, Comicanspielungen und ein paar zusätzliche Filmzitate, sei es nun aus Dantes eigener Tasche oder aus Fremdvorlagen entliehen.

Natürlich ist der Film nur eine Auftragsarbeit als Regisseur, aber das Sujet war gut gewählt, Dante darf sich stilsicher mit jugendlichen Darstellern mal wieder austoben - ansonsten hat der Film jedoch außer dem dezent, aber ordentlich eingesetzten 3D-Gimmick jetzt kaum überragend Neues zu bieten.
Im Zentrum des Films steht ein bodenloses Loch, das zwei zugezogene Brüder (ordentlich geteilt: ein Kind, ein Teenager) im Keller ihres neuen Hauses in einer obskuren Kleinstadt vorfinden. Sie öffnen die Schlösser und untersuchen die seltsam düstere Tiefe mittels Kamera (inzwischen ergänzt durch ein hübsches Nachbarsmädel), doch damit haben sie den Zugang für etwas Unheimliches geöffnet.

Unheimlich, allerdings wenig originell - denn was das "Loch" bewirkt, ist, die Ängste eines jeden Menschen zu visualisieren und so darf sich jeder der drei in der Folge mit spukhaften Erscheinungen und unheimlichen Ereignissen auseinander setzen: das Licht verlöscht, eine Harlekinpuppe erwacht zu monströsem Leben, ein geisterhaftes Mädchen taucht auf und verschwindet. Smith konjugiert hier die beliebtesten Kindheitsängste nach ABC-Prinzip einfach noch einmal durch, belebt sie neu und läßt sie die Figuren nacheinander abarbeiten, wobei die Harlekin-Episode ein wenig streng nach "Gremlins" und nach "Poltergeist" schnuppert, während das Geistermädchen (das sein Schicksal auch noch im obligatorischen verlassenen Vergnügungspark nebenan erlitt) an die japanischen Horrorfilme der letzten Jahre erinnert.
Die letzte Bedrohung führt dann wieder auf persönliches und uramerikanisches Terrain zurück: die Bedrohung durch den monströsen, im Gefängnis sitzenden Vater, dessen Gewaltausbrüche zu Urängsten wurden.
Natürlich müssen die Figuren für diese Bedrohung rein in die unendliche Tiefe, was Dante und Co. Gelegenheit gibt, die räumlich-perspektivische Verzerrung in einem absurd-verdrehten dali-esken Comictraumland ausgiebig auf die Leinwand zu zaubern.

Nur kommt das einerseits zu spät und ist andererseits so abgedroschen wie unspektakulär, wie überhaupt die Bedrohung kaum jemals umfänglich wird, sobald die Katze rund um die unheimlichen Vorkommnisse erstmal aus dem Sack ist.
So ist die weniger trickintensive erste Hälfte wesentlich atmosphärischer und spannender und hat einige sehr gut ausgearbeitete Gruselmomente zu bieten, die im übrigen von der psychologischen Einschätzung FSK 16 sein mögen, aber in der Summe auch jüngere Kinder kaum noch begeistern dürften, während "echte" 16jährige über das Gesamtgeschehen fast schon müde lächeln würden.

So trifft Dante mit "The Hole" trotz amüsantester Bemühungen leider nie irgendeine echte Zielgruppe, die eingesetzten Mittel und die Story passen nicht wirklich zueinander und nur der Blick durch die Brille versöhnt eventuell ein nicht ganz so schreckerfahrenes Publikum etwas. Schade, denn der Film ist flott erzählt und macht definitiv Spaß, präsentiert mit Bruce Dern einen netten Gaststar (neben dem obligatorischen Cameo von Dick Miller) und hat den von Dante stets anvisierten Charme einer altertümlichen Matinee-Vorstellung, die jedoch heute total aus der Mode gekommen ist.
Dennoch kann man sich mit dem Film einen netten Abend machen, sofern man das Kind in sich entdeckt oder die eigene Puppenangst kultiviert - aus der kreativen Durststrecke ist der Altmeister jedoch noch lange nicht raus, hat aber den Beweis abgeliefert, daß er sein Handwerk in voller Bandbreite noch beherrscht.
Denn wenn die Jugendlichen zusammenstecken und durch das typisch amerikanische Vorstadthaus hetzen, voller Spielzeug und anderer popkultureller Verweise, dann atmet die Produktion einen Hauch der 80er Jahre, denn Spielberg inzwischen als Ersatz in anderen Fabriken herstellen läßt. Dante näht seine Schuhe noch von Hand. (6/10)

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