Review

Bewusstseinsstörungen und Erinnerungslücken sind ja meistens auf Drogenkonsum oder übermäßiges Saufen zurückzuführen, doch in seltenen Fällen kann auch Parasomnie, insbesondere Somnambulie dahinter stecken.
Im fortgeschrittenen Stadium schlafwandeln Menschen und unternehmen dabei ganz alltägliche Dinge wie Naschen, Wäsche einräumen oder Dinge einsortieren, doch wenn es zu einer Bluttat kommt, von der am nächsten Morgen lediglich die Spuren vage Hinweise liefern?

Marcus (Philip Winchester) leidet seit seiner Kindheit am Schlafwandeln, mittlerweile treten Erinnerungslücken wieder stärker in den Vordergrund, was darin gipfelt, als er eines Morgens im blutverschmierten Bett aufwacht und ein mögliches Tatwerkzeug in Form eines Messers auf dem Teppich vorfindet.
Wenig später wird die Leiche von Ann, der Frau seines besten Freundes Justin tot aufgefunden, mit der er - schlafwandelnd - kurz zuvor Sex hatte.
Hat Marcus sie im Schlaf ermordet oder nutzt jemand seine Krankheit für die eigenen Zwecke aus?

Parasomnie ist ein spannendes Thema, sofern man nicht selbst darunter leidet und sich am darauf folgenden Morgen Vorwürfe für die eine oder andere Tat machen oder gefallen lassen muss.
Für den Außenstehenden gestaltet sich die Angelegenheit insofern interessant, als dass man zu keiner Zeit mehr weiß als Marcus selbst, der ständig auf Spurensuche ist, um fehlende Details aus der einen oder anderen Nacht zu erforschen.
Zwar wird nicht ersichtlich, warum er nicht vorzeitig ein Schlaflabor aufsucht, doch immerhin lässt er sich von der Nachbarin Becky ans Bett ketten, nachdem die nahe liegende Aktion mit der laufenden Kamera nicht funktionierte.

Marcus, der sein Leben umstellen und sich von den vielen wechselnden Frauenbekanntschaften mithilfe einer Gruppentherapie entsagen will, ist stets im Zweifel, ob er auf emotionaler Basis einen Mord an seiner Freundin begehen könnte und damit gleichermaßen den besten Freund Justin doppelt hintergeht.
Einiges deutet ferner auf ein Kindheitstrauma hin, da der früh verstorbene Vater ständig in Träumen erscheint und dessen Grab ein wiederkehrender Anziehungspunkt ist, - doch worin besteht der Zusammenhang mit den aktuell verstärkten Schlafstörungen und ist es während des Schlafes tatsächlich möglich im Pool einzutauchen, um etwas am Grund zu verstecken?

Die Geschichte verläuft in Bahnen eines vertraut wirkenden Sujets, eines Krimis zum Mitraten und Puzzeln.
Eine Dreiecksgeschichte bietet immer Anlass für Eifersucht und Rache, doch bei einer kleinen Liaison könnte auch eine aufgebrachte Ex ihre Finger im Spiel haben, womöglich per Mittelsfigur ein perfides Spiel anzetteln.
Marcus ist als Hauptfigur glaubhaft gezeichnet und bringt das Wechselbad an Emotionen von Ohnmacht über Trauer bis zur Wut über sich selbst ordentlich auf den Punkt, während die Nebenfiguren immer ein wenig undurchsichtig erscheinen, - annähernd allen traut man eine hinterhältige Vorgehensweise zu, bei manchen scheint es fast offensichtlich, andere suchen vielleicht bewusst die Nähe des Schlafwandelnden.

Ab und an lockert ein wenig Situationskomik das ernst gehaltene Gesamtkonzept auf und auch Nachbarin Becky bringt mit ihrer überschwänglichen Art ein wenig Leben in die ansonsten eher ruhig, aber atmosphärisch dicht gehaltene Bude.
Obgleich es ereignisreich, im letzten Drittel von mehreren Wendungen begleitet zugeht, untermauert das routinierte Handwerk mit sauberen Flashbacks und einigen Traumsequenzen eine latente Bodenständigkeit, nicht über das Ziel hinausschießen und abstruse Twists einbinden zu wollen.
Das wirkt insgesamt zwar ab und an ein wenig altbacken und uninspiriert, leistet sich auf der anderen Seite hingegen keine gröberen Schnitzer.

Das mit Durchschnittsmimen besetzte Stück Krimi glänzt zwar nicht gerade vor Überraschungen oder gar A-ha-Effekten, weiß jedoch aufgrund seiner interessanten Prämisse latent zu unterhalten.
Dabei sorgt primär die Tatsache des Schlafwandelns für spannende Momente, die Aufklärungsarbeit in Sachen Mord und Motiv bietet hingegen nur Routine in phasenweise schicker Aufmachung.
In seiner Art ein wenig an Hitchcock erinnernd, vermag „In My Sleep“ somit bis zum Schluss an sich zu binden und bietet grundsolides Futter für Genrefreunde.
Knapp
7 von 10

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