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"Jan Dara" ist ein Film, der oberflächlich betrachtet in vielerlei Hinsicht sehenswert ist und für jeden Geschmack etwas zu bieten hat, aber als filmisches Gesamtwerk praktisch keine Richtung einschlägt und dadurch die zuvor entfaltete Wirkung schnell wieder verblassen lässt.

Inhaltlich wird die Lebensgeschichte des Jan Dara erzählt. Seine Mutter stirbt bei seiner Geburt und er wächst bei dem Mann auf, den er "Vater" nennt bzw. zu nennen hat. Während seiner gesamten Kindheit wird er von seinem "Vater" verstoßen. Stattdessen ist der Vater damit beschäftigt, (im wahrsten Sinne des Wortes) ein Harem um sich zu scharen und seine zahlreichen Affären auszuleben. Jans einziger emotionaler Rückhalt ist seine Tante, die für ihn die Funktion einer Ersatzmutter eingenommen hat. Doch das Verhältnis zu seinem Vater und zu seiner später geborenen Schwester sorgt zunehmend für Schwierigkeiten, die auch für den erwachsenen Jan nicht zu lösen sind.

Schon nach gut 10min wird dem Zuschauer klar, dass die auf den ersten Blick sehr tragische Story nur Mittel zum Zweck ist. Im Vordergrund stehen vielmehr die zahlreich vorhandenen Sex-Szenen, die jedoch nie pornographisch oder pervers wirken, sondern sehr stilvoll und feinfühlig mit perfekter Belichtung inszeniert sind. Nahezu jeder Charakter ist im Laufe des Filmes mindestens ein Mal in einer Sex-Szene zu sehen. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob es eine natürliche Sex-Szene ist, oder ob die Frau bereits mit dem Vater intim war und nun mit dem Sohn; sogar vor Inzest wird der Zuschauer nicht verschont. Die sehr ansehnliche Inszenierung der erotischen Szenen leidet also wiederum daran, dass manche dieser Szenen moralisch inakzeptablen Beziehungen entsprangen und aus diesem Grunde z.T. als sehr geschmacklos empfunden werden.

Das gesamte Bild ist gekennzeichnet durch einen künstlichen dunklen Rotton, dessen Funktion und Bedeutung allerdings auch nach dem Film nicht wirklich zu Tage tritt. Stilmittel hin oder her, bei dieser signifikanten Rotverdunkelung muss man sich leider wirklich fragen, was Regisseur Nonzee Nimibutr eigentlich im Sinn hatte als er das Projekt "Jan Dara" in Angriff nahm. Falls das rot die Tragik im Leben des Protagonisten verdeutlichen soll, so muss man dem Film leider anlasten dass jene Tragik für den Zuschauer überhaupt nicht ersichtlich ist.

Der Hauptgrund für viele männliche Zuschauer, sich den Film überhaupt, war mit Sicherheit die Partizipation von Christy Chung. Erstmals ließ sie vor der Kamera die Hüllen fallen, wobei man sich auch hier wieder fragen muss wieso sie ausgerechnet bei diesem Film dazu bereit war. Vielleicht hing das damit zusammen, dass sie ungefähr zur selben Zeit von der FHM zur "Sexiest Asian Woman" gekürt wurde. Wie dem auch sei, die männlichen Zuschauer werden nicht enttäuscht.

Von Christy Chungs Nacktszenen mal abgesehen hat der Film eigentlich wenig zu bieten. Die (erotischen) Bilder sind z.T. sehr ansehnlich, die pseudo-tragische Story verfehlt ihre Wirkung total und ein ebenso pseudo-dramatischer Score wirkt entsprechend fehl am Platze. Während des Filmes mag der Zuschauer noch betroffen sein vom traurigen Schicksal des Jan Dara, doch sobald der Film zu ende ist, wird auch dem letzten Zuschauer klar dass der Film sich mit Jan Daras Leben gar nicht ernsthaft auseinander setzt. In Wirklichkeit wird die Story einzig und allein als Plattform für die zahlreichen Sex-Szenen missbraucht. 2/10 + 2 Extrapunkte für Christy Chung!!! = 4/10

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