Verfilmung des zweiten Kluftinger - Krimis von Kobr und Klüpfel, eine bis heute auf sechs Bände angewachsenen Bücherreise in das Allgäuer Land und seine Verbrechen, mit Kirmes, Sagen und Volkstracht im Einband. Genießen die literarischen Erzeugnisse schon ihre Anhängerschar und entsprechend langjährig finanziellen Gewinn, so war eine Umsetzung für Funk und Fernsehen nur die Frage von Ort und Zeit, was beides gleichzeitig mit der "Heimat - Tatort" Reihe im Bayerischen Fernsehen in Erfüllung und auch in adäquater Integrationskraft für Leser und Nichtleser kam. Dabei ist das Rezept dieses medialen Heimatvereines wie auch bei anderen Provinzpossen (in Serienform) mit mal mehr und mal weniger Krimi im Sinn und im Geschick nicht neu, nur in letzter Zeit erneut und verstärkt als Gefühl der Ablenkung und Entspannung, als eher seichte Form der beliebten Unterhaltung gefragt. Herrschaftszeiten:
In einem Waldstück bei Kempten wird die mit einer toten Krähe drapierte Leiche eines Mannes gefunden. Nur wenige Tage darauf ein zweiter Mord, diesmal an einer Frauenärztin, in einem nahegelegenen Fluss. Während der Ermittlungen stößt Kommissar Kluftinger [ Herbert Knaup ] zusammen mit seiner SOKO "Erntedank", bestehend aus Richard Maier [ Johannes Allmayer ] und Roland Hefele [ Jockel Tschiersch ], auf rätselhafte Hinweise aus der mystischen Sagenwelt.
Dabei befindet sich die (von eigentlichen Dingen recht abschweifende) Vorlage und auch die Verfilmung in durchaus guter Gesellschaft der übrigen Kollegen, in der das nunmehr geflügelte Wort vom "Sterben, wo andere Urlaub machen" aus dem ebenso dazugehörigen Föhnlage. Ein Alpenkrimi (2011) auch die Richtung für die Attraktion und die Endsumme des Gedeihens ergibt. Dort wie hier als auch in der hiesigen Fortsetzung Milchgeld. Ein Kluftingerkrimi (2012) hat mit Rainer Kaufmann jeweils derselbe und auch ehemals durchaus namhafte, für das Kino tätige, nun eher verlässliche Mann für die Sonntagabendunterhaltung in den Dritten der Öffentlich-Rechtlichen Regie geführt. Was durchaus in der Übertragung von Papier zu den bewegten Bildern schief gehen und mithin als Affront für die treuen Leser angesehen werden kann, wurde hier – trotz sicherlich manch vorhandener Unmutsäußerungen bezüglich der Vorlage, deren natürlich nicht in sklavischer Treue entsprochen wurde – allerdings geschickt und bisweilen ideale Ergänzung zu dem Schriftstück als auch für Neueinsteiger informativ gelöst.
Im Konkreten hält man sich an die registrierte Formel; ist man wie zumeist theoretisch lokalpatriotisch auf eine strenge Gegend wie hier das Allgäu, manchmal sogar eine noch engeren spezifizierte Stadt und dann möglichst keine Metropole, sondern die klein - urige Ausgabe eines größeren Dorfes getrimmt, mit einem liebenswerten und sympathisch normalen Polizisten als ermittelnden Kommissar und Identifikationsfigur vom Klein Hänschen da draußen zugleich. Hinzu viel Sehnsucht nach der ruhigen Regelmäßigkeit und dem Alltagsleben im beschaulichen und überschaubaren Distrikt, in dem Jeder Jeden kennt, und vielleicht ab und zu mal auch die Abweichung hin zum niemals zu schauerlich ausstaffierten Delikt passiert. Die Handlung, deren Krimianteil sicherlich vorhanden, aber eher im Nebenher und bestimmt nicht als großes Frage- und Ausrufezeichen betrachtet wird, ist gescheit auf die wichtigsten Punkte und so fast noch nachvollziehbarer, da mit wenig Umschweife, wenig Verdächtigen und einer schnellen Abfuhr von umständlichen Gedanken ratifiziert. Das Private des Normalmenschen mit Fehlern erfährt ebenso den Beschneid, ohne dadurch Prozente in der Anschaulichkeit oder Originaltreue zu verlieren.
Mit Herbert Knaup in der Haupt- und fast Titelrolle und fast auch geplanter Neuzugang des tatsächlichen Tatort untadelig, wenn sicherlich leicht agiler besetzt, gestaltet sich die Mordaufklärung im lockeren, mittlerweile schon etwas inflationär ausge- und überbenutzten Heiter bis tödlich - Stil. Zwischen Komödie im Dialekt, im Altertümlichen und etwas aus der Zeit, auf jeden Fall der Moderne hinterher hinkenden Gepräge und weitgehend harmloser Täterrätselei. Zwischen hier exakt passender Gemütlichkeit im Schutzwall des Weißwurstäquators und Deutschklüngelei im kleinen Stil, mit recht piefiger Büroatmosphäre der Aktensammlung, der Rang- aber nicht Hackordnung und der familiären Scherzchen im gemischtgeschlechtlichen Team. Man kennt sich, meist seit frühester Kindheit, man neckt sich, auch die dazu Gestoßenen, und behält die freundlich - kollegiale Distanz. Die Häuser scheinen allesamt Überreste von Bauernhöfen, die Landschaft nur aus Grün und demnach Wald oder Hügeln und für Spaziergang überaus einladend zu sein. Ein Ausflug in die Verinnerlichung nach Ruhe und die Versenkung von Ferienurlaub simultan, die mehr als der gleichso unkomplizierte Whodunit - Plot den eigentlichen Reiz der Geschichte am Ausmachen ist.