Peter Hyams (Das Relikt, Outland) hat sich an den Stoff von Stanley Kubricks Genremeisterwerk herangewagt und eine Fortsetzung präsentiert, die sich primär darauf konzentriert, eine Interpretation oder eine Erklärung zu überliefern, die die Mysterien eines der größten Filmklassiker aller Zeiten erklärt.
Zur Story: Die Situation auf der Erde hat sich zugespitzt. Amerika steht kurz vor einem Krieg mit Russland. Der amerikanische Wissenschaftler Floyd (Roy Scheider) bekommt von der russischen Regierung den Vorschlag zum Jupiter zu fliegen und die Mysterien, die sich um das verschollene Raumschiff Discovery drehen aufzuklären. Er willigt ein und zusammen ein paar anderen Wissenschaftlern fliegen sie zum Jupiter. Dort angekommen finden sie das Schiff und den Monolithen, aber der totgeglaubte Pilot David Bowman (Keir Dullea) scheint nicht so tot zu sein, wie alle glaubten und schon bald versuchen sie so schnell wie möglich zu verschwinden.
Also meiner Meinung nach lässt sich Peter Hyams Interpretationsfortsetzung 2010 von Stanley Kubricks Science Fictionklassiker 2001 als Erklärungsvariante im Alien - Universums - Stil beschreiben. Denn was an diesem Film von Anfang an auffällt ist, dass er sich mehr an Alien von Ridley Scott orientiert zu haben scheint, als am Original. Das fällt z. B. an den Kostümen auf, denn die Raumanzüge mit den runden Helmen, die hier getragen werden, erinnern eher an die aus Alien als die trichterförmigen aus 2001. Ebenso die Arbeiterkleidung der Protagonisten im Raumschiff erinnern mehr an die aus den Alienfilmen als die von 2001. Überhaupt ist hier ein großer Widerspruch entstanden, denn in den Szenen, die auf der Erde spielen, tragen die Leute normale Alltagskleidung, obwohl im Original eine eher fortgeschrittene (und 'abgespacetere') Kleidungsart der Protagonisten den Film durchlief und dabei spielt dieser Film neun Jahre später. Die Kleidung im Original sieht angepasster aus, als die in dieser Fortsetzung. Was hier auch eher dem Film Alien ähnelt ist das Raumschiff, in dem die Protagonisten reisen. Die Einfachheit der Raumschiffe mit ihrem normalen weißen Look im Original, ist den eher dunklen Gothiclook der Alienfilmraumschiffe gewichen. Die Kälteschlafkabinen ebenso. Im Original waren es menschenkörperförmige Truhen, in die nur Menschen hineinpassten, hier sind es kühlschrankähnliche Gefäße, wo die Wissenschaftler drin schlafen. Dass der Film auch sonst bis auf die Kleinigkeiten, wie das Atmen in den Raumanzügen und das Verwenden von klassischer Musik nichts an das Original erinnert. Was vor allem auch auffällt, ist dass es hier keinen Bordcomputer ist, der das Raumschiff steuert, in dem die Protagonisten reisen, sondern die Protagonisten selbst. Obwohl hier gesagt wird, dass man verrückt wird,wenn man nicht tiefgefroren reist (schon wieder ein kleiner Widerspruch). Man fühlt sich einfach nicht ins 2001 - Universum versetzt, sondern eher ins Alienuniversum, trotz anderer Story. Storymäßig betrachtet stellt sich Hyams Interpretation als äußerst interessant heraus und ist auf Grund dessen schon einen Blick wert. All diese Interpretationsansätze lassen sich sowohl anzweifeln, als auch nachvollziehen, da Hyams einiges an Vorgaben vom Original geändert oder hinzugefügt hat.
Natürlich ist der Film längst nicht so ruhig gemacht wie 2001, sondern es passiert viel mehr, sodass sogar soetwas wie Spannung zwischendurch entsteht. Klassische Musik wird auch eher selten eingesetzt, stattdessen gibt es selbst komponierte Filmmusik von David Shire zu hören. 2010 ist außerdem kein Episodenfilm wie sein Vorgänger. Er vergrößert das Universum, indem er aus obigen Gründen ja leider nicht zu sein scheint, nicht besonders. Was die Schauspieler betrifft, gibts eigentlich auch nichts groß zu kritisieren. Roy Scheider scheint seine Rolle der Hauptfigur Floyd sehr gut zu gefallen, man merkt ihm seinen Spaß an seiner Rolle an. Keir Dullea, bei dem man im Original mitgefiebert hat, spielt das was er spielt auch gut, obwohl man sich mehr gefreut hätte ihn öfters zu sehen. Der Rest der Schauspieler ist eher unbekannt, spielt aber auch gut.
Welcher Faktor beim Original ja so entscheidend war, dass er so berühmt ist, waren ja die Computereffekte, die damals grundbrechend waren. bei 2010 sind die Effekte nicht grundbrechend entstanden wie im Original. Außerdem war das Original ja ein Bilderrausch der Extraklasse wo der Zuschauer mit Farben bis zum Gehtnichtmehr bombardiert wurde. Hier wird soetwas nicht präsentiert, da hier wie oben schon berichtet eine Interpretation der Story versucht wurde.
Fazit: Inszenatorisch weist der Film Fehler bei den Kostümen und bei der Logik auf, dafür hat er auf der anderen Seite einen hohen Spannungsgrad, gute Schauspieler und verhältnismäßig solide Filmmusik. Einen Blick ist er auf jeden Fall wert, mit dem Original verglichen zieht er aber eindeutig den Kürzeren. 6/10 Punkte für eine interessante Interpretation.