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Im Jahr 2001 ist die Discovery-Mission gescheitert, der Funkkontakt zum Piloten Dave Bowman ist abgebrochen. Seine letzten Worte waren "Mein Gott, es ist voller Sterne..."
Neun Jahre später schickt man den Experten Heywood Floyd (Roy Scheider) zusammen mit einer amerikanisch-russischen Besatzung ins All, um das Geheimnis zu lüften. Kein leichtes Unterfangen, denn aufgrund eines bevorstehenden Krieges der Supermächte ist die Stimmung an Bord angespannt und je näher das Raumschiff dem Jupitermond IO kommt, desto klarer wird, dass sie irgendetwas vom Planeten abhalten will.

Es ist mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen gewesen, eine Fortsetzung zu Kubricks Überfilm "2001 - Odyssee im Weltraum" zu drehen. Das Genius zu übertreffen war eh unmöglich, dennoch gelang hier ein toller Nachfolger, der leider von Fans des 68er Kultfilms oft gescholten wird. Zu Unrecht!

Ein Glück, dass man nicht versucht wird, alle Rätsel, die uns Kubrick mit auf den Weg gegeben hat, zu lösen. Auch der Nachfolger ist nur ein Interpretationsansatz und lässt den Zuschauer stellenweise immer noch im Dunkeln tappen. Der große Unterschied zu "2001" besteht darin, dass man die Effekte nicht mehr gar so arg zelebriert. Ein weiser Entschluss, denn im Jahre 1984 hätte man das Publikum damit recht viel schwerer beeindrucken können als 1968. Das soll aber nicht heißen, dass "2010" visuell misslungen wäre, denn vor allem bei Erstbetretung der Discovery und im Finale bekommt man schöne Bilder serviert.

Die Story wurde im Gegensatz zum Vorgänger kräftig aufgepeppt. Zwar braucht es zwecks Interpretation nicht mehr ganz so viel Aufmerksamkeit, aber die Geschichte ist spannender zu verfolgen. Das liegt erstens daran, dass man sowieso unbedingt wissen möchte, was in Teil 1 wirklich geschah und zweitens gibt es viel mehr Dialog. Der einzige Punkt, den ich beim Vorgänger kritisieren muss, nämlich Kubricks ständiges Verharren in seinen Bildern, wurde bei "2010" ausgemerzt. Ein interessantes Szenario vom Krieg der Supermächte wird ebenfalls geboten, was leider heute etwas angestaubt wirkt, denn die Zeiten des Kalten Krieges sind längst vorbei.

Wer den Film im Dunkeln anschaut bekommt übrigens noch recht nette Gänsehautszenen geboten. Die mystische Aura des Vorgängers wurde praktisch übernommen, dazu lassen einen Szenen wie die alte Frau im Krankenhausbett oder ein Dave Bowman auf dem Bildschirm die Nackenhaare zu Berge stehen. Das berühmte "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss sorgt für die passende Atmosphäre, erklingt aber nur im (tollen) Vorspann und am Schluss, den man offener hätte enden lassen können. Ich hätte es mir gewünscht, denn die Friedensmoral mit erhobenem Zeigefinger wirkt doch recht unpassend.

Wem "2001" gefallen hat, der wird sich den Nachfolger alleine aus Neugierde anschauen. Man sollte nicht enttäuscht sein, ich war es jedenfalls nicht. Man muss immer im Hinterkopf haben, dass Kubicks Film ein absolutes Ausnahmewerk darstellt und trotz einiger Makel in der visionären Kraft unerreichbar bleiben wird. "2010" brachte die Filmwelt zwar nicht voran, ist aber ein sehr guter Beitrag zum Sci-Fi-Genre, an dem es fast nichts zu bemängeln gibt.

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