Es ist schon eine recht schwierige Sache, einen Film fortzusetzen, der sich in Sachen Exzentrizität derart von der ihn umgebenden Kinomasse abhebt, wie es Stanley Kubricks Meisterwerk "2001 - Odyssee im Weltraum" tut. Dementsprechend dauerte es auch knapp 15 Jahre, bis der zweite Teil in die Kinos kam.
Neun Jahre nach dem Verschwinden des ersten Raumschiffs, das den Ursprung des mysteriösen Monolithen erkunden sollte, der auf dem Mond gefunden worden war, wird eine zweite Mannschaft zum Jupiter geschickt, um endlich herauszufinden, was damals geschehen ist. Trotz der schwierigen politischen Situation zwischen den beiden damaligen Supermächten wird eine russisch-amerikanische Besatzung zusammengewürfelt, um den Geheimnissen des Jupiters auf die Spur zu kommen. Was sie finden, übertrifft sämtliche Erwartungen und kann die Geschichte der Menschheit für immer verändern.
Dem Film gelingt es zu keinem Zeitpunkt, der philosophischen Komplexität und Genialität oder der meisterhaften Kunstfertigkeit der Bildkompositionen seines Vorgängers gerecht zu werden. Allerdings legt er es auch gar nicht darauf an. "2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen" ist ein durchgehend eigenständiger Film, der zwar am Anfang knapp zusammenfasst, was im ersten Teil geschehen ist, um die Story verständlich zu machen, und der auch auf die berühmte Richard Strauß-Musik zurückgreift, der ansonsten jedoch vollständig andere Ziele verfolgt. Diese Individualität rettet ihn vor einem beinahe unweigerlichen Scheitern im Vergleich zum Original.Stand damals eine erkenntnistheoretische Reflexion über das Wesen des Menschen im Vordergrund, richtet sich der zweite Teil an ein deutlich breiteres Publikum. Auch hier dient die Science-Fiction-Geschichte als Metapher, allerdings auf moralisch-politische Problemstellungen der damaligen Zeit. Der Kalte Krieg setzt sich bis in die so unglaublich weit entfernten Raumstationen fort und behindert die Wissenschaft in ihrem Versuch, wichtige neue Erkenntnisse zu sammeln. Leider werden einige ärgerliche Russenklischees breitgetreten und überhaupt werden die meisten russischen Wissenschaftler als ablehnend einer friedlichen Lösung gegenüber dargestellt, während die Amerikaner beständig um Zusammenarbeit bemüht sind, aber spätestens am Schluss relativiert sich auch das wieder, wenn die fremde außerirdische Quelle in Bezug auf den astronomischen Wissensdrang der Menschheit die Nachricht sendet: "Benutzt sie gemeinsam und in Frieden."
Neben dieser pazifistischen Story besticht der Film durch gut aufgebaute Spannungssequenzen, einige surreale Elemente, wenn ein Wesen wiederkommt, das sich mit den Worten vorstellt: "Ich war David Bowman", und faszinierende Bilder vom Jupiter und seinen Monden. Besonders die Schlussszene ist beeindruckend, wenn ein riesiges schwarzes Loch auf der Jupiter-Oberfläche entsteht, dessen Bedeutung allerdings ein wenig im Dunkeln bleibt. Wenn man sich den viele Details offen lassenden Schluss ansieht, kommt man nicht ganz um die etwas enttäuschte Vermutung herum, dass es sich die Drehbuchautoren hier doch ein wenig zu leicht gemacht haben.Insgesamt aber gefällt der Film durch den Verzicht auf gängige Science-Fiction-Action-Klischees und eine interessante Story, die immerhin so etwas wie philosophische Ansätze bietet. Allerdings sollte man wirklich keine Parallelen zum ersten Teil ziehen - das wäre schlicht und ergreifend nicht fair.