„Warum stellen Sie so viele Fragen?“
In belgisch-französisch-italienisch-liechtensteinischer (!) Koproduktion entstand im Jahre 1971 der Erotik-Grusler „Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies“ unter der Regie des spanischen Viel- und Billigfilmers Jess Franco („Die Säge des Todes“, „Faceless“). Der deutsche Titel ist irreführend, denn in der ursprünglichen Franco-Fassung kamen keine Zombies vor. Für den Videothekenmarkt wurden später von Jean Rollin einige Zombieszenen nachgedreht und in den Film integriert – zum Unmut Francos.
Die hübsche junge Christina (Christina von Blanc, „Hochzeitsnacht-Report“) reist zur Testamentseröffnung Ihres verstorbenen Vaters (Paul Muller, „Lady Frankenstein“) zum Schloss Montserrat. Sie schlägt die Warnungen der Dorfbewohner aus und lässt sich ins Innere des Gemäuers führen, wo sie vom ihr unbekannten Rest der Familie begrüßt wird. Es bietet sich ihr eine bizarre Szenerie von über Leben und Tod sinnierenden Verwandten. Traum und Wirklichkeit verfließen immer mehr miteinander, wenn sie Visionen lesbischer Spiele, blutiger Gewalt und ihres toten Vaters mit einem Strick um seinen Hals hat – letzteres ist eine eindeutige Warnung, doch längst befindet sich Christina in den Krallen der geheimnisvollen Hausbewohner..
Du liebe Güte, was habe ich mir nur hier wieder angetan? Da traue ich mich bisher noch nicht einmal an die in manchen Kreisen Kultstatus besitzenden Erotik-Grusel-Filme Jean Rollins heran, schiebe aber vollkommen unbedarft einen Film Francos in den Player, mit dem er dem Franzosen anscheinend nacheifern wollte. Doch der Reihe nach: Während Christinas Autofahrt ins Dörfchen hält sie aus dem Off einen Monolog über die Bizarrheit der Umgebung, während die Bilder schlicht schnöde europäische Laubwälder offenbaren. Schon früh beginnt Franco, einzelne Szenen auskosten zu wollen, indem er sie unnötig in die Länge zieht. Auch versieht er seine Szenen gern mit schaurigen Geräusch- und Gesangskulissen, die in der filmischen Realität für die Charaktere gar nicht stattfinden. Christina entpuppt sich als supernaives Dummenblondchen, das sich noch darüber freut, dass sich ihre abseitige Familie wie Soziopathen benimmt und findet alles furchtbar witzig. Ihr Onkel (Howard Vernon, „Die geschändete Rose“) spielt andauernd bedeutungsschwanger Piano und verzapft hochgestochenes Zeug.
Trotz allem bleibt Christina auch nach der Testamentsverkündung vor Ort. Was soll’s, so richtig nachvollziehbar ist die Handlung ohnehin nie gewesen. Dafür räkeln sich nun ansehnliche weibliche Nackedeis zu Klavierklängen auf dem Fußboden und vergnügen sich Lesbierinnen bei vampiristischen Spielchen. Der große Dildo (!), der plötzlich inmitten Christinas Zimmer steht, wird allerdings von ihr beherzt weggeschlagen... Mittlerweile redet auch ihr Vater in ihren Visionen geschwollen daher, Christina irrt im Zeitlupentempo durch den Wald... und irgendwann installiert Franco dann das erlösende Ende, das ich schlichtweg nicht verstanden habe. Bis es allerdings soweit ist, muss man Francos permanente, schon geradezu aufdringliche Zooms auf die nicht immer sonderlich hübschen Visagen und Augenpartien seiner Pro- und Antagonisten ertragen sowie einen Billig-Synthie-Soundtrack, der wie einem ’70er-Jahre-Porno entlehnt klingt. Ein paar hübsche, voyeuristische Erotikaufnahmen sind das einzige, das diese groteske Vampirfarce zu bieten hat. Franco verlässt meines Erachtens zu keinem Zeitpunkt bewusst den „narrativen Pfad“, wie manch überinterpretierfreudige Obskuritäten-Jünger behaupten mögen, sondern hat ihn nie gefunden! Ohne seine Erotik ist „Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies“ quasi gar nichts, und diese rechtfertigt auch nicht unbedingt das Ansehen dieses langweiligen Schnarchers – es sei denn, man frönt dem Franco-Fetisch und befindet sich als Jungfrau in dessen Zombie-Krallen...