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Der vor kurzem verstorbene spanische Filmemacher Jesus Franco gehörte zu jenen Skandalbrüdern, die das breite Horrorpublikum in zwei Lager spalten, denn während die zumeist lahmen Inszenierungen und die vielen Softsexszenen nichts für Freunde bunter Unterhaltung bieten, sehen andere darin die Kunst, eine oftmals surreale Atmosphäre entstehen zu lassen, was auch vorliegendem Werk nicht abzusprechen ist.

Christina reist von London ins abgelegene Schloss Montesserrat, wo sie von ihrem Onkel (Howard Vernon) und einer zwielichtigen Sippschaft begrüßt wird. Als ihre Schwiegermutter stirbt und kurz darauf das Testament ihres Vaters vollstreckt wird, mehren sich unheimliche Erscheinungen, sogar ihr verstorbener Vater erscheint der zunehmend verängstigten Frau…

In der Urversion von Jess Franco sind nur zu Beginn ein paar Zombiehände aus dem Laub ragend zu sehen, ansonsten wurden Zombies innerhalb einer Alternativversion nachträglich von Jean Rollin hinzugefügt. Somit ist der Titel ein wenig irreführend, obgleich Parallelen bei Christinas merkwürdiger Verwandtschaft auszumachen sind, denn Blutlust und diverse Rituale gehören ebenso zu deren Alltag wie ein groteskes Verhalten bei einer Trauerfeier, da der Organist mit Kippe im Mund spielt, während sich eine andere die Fußnägel lackiert und die Tote mit weit aufgerissenen Augen in den Raum starrt.

Ein wenig nackte Haut gehört bei Franko natürlich grundsätzlich zum Repertoire, so dass die überwiegend okay aussehenden Damen entweder nur halb bekleidet oder ganz nackt durch die Gegend laufen oder sich auf dem Bett räkeln. Viel Sinn ergeben derartigen Sequenzen ergo selten, demgegenüber machen tote Fledermäuse auf dem Bett und ein Debiler mit einem abgetrennten Tierkopf spielend schon minimal mehr Sinn.

Und während der Synthie-Score in einer Tour dudelt und die psychedelische Stimmung bis zum Erbrechen auf die Spitze treibt, können passagenweise einige poetische Anflüge überzeugen, welche die leicht melancholische Stimmung im Schloss untermauern. Auch einige nächtliche Ausflüge Christines sind recht stimmungsvoll eingefangen, zumal der Seerosenteich einen markanten Schauplatz bietet.

Ansonsten ist es mit spannenden oder gar blutigen Momenten nicht weit her. Eine Schnittwunde wirkt geradezu lächerlich, da rein gar kein Schnitt zu erkennen ist, das Erscheinen einer Blinden ergibt rein gar keinen Sinn und am Ende wirkt das Geschehen viel zu überhastet, wobei die Pointe reichlich enttäuschend ausfällt.

Auf Dauer reicht es eben nicht, eine halbwegs ansehnliche Frau durch die Gegend huschen zu lassen, obgleich die Bedrohung minimal ausfällt und sich etwaige Einstellungen zudem wiederholen. Die obligatorischen Nacktszenen stören zumindest nicht, darstellerisch sind die meisten Mimen ordentlich bei der Sache und auch atmosphärisch sind kleinere Highlights zu verzeichnen. Inhaltlich bietet der Streifen hingegen eine Nullnummer, die ziemlich fahrig und konzeptlos ein paar krude Ideen durcheinander wirft.
Von den vielen schwachen Franco-Filmen dennoch einer der eher besseren.
4,5 von 10

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