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„Er war tot, und jetzt noch nicht!“

Nach zwei Kurzfilmen debütierte der britische Regisseur Christopher Smith 2004 mit seinem recht stimmigen „Creep“ im abendfüllenden Spielfilmformat und überraschte zwei Jahre später mit dem schwarzhumorigen „Severance - Ein blutiger Betriebsausflug“. 2009 schließlich folgte mit dem britisch-australisch koproduzierten Mystery-Horrorfilm „Triangle“ sein Drittwerk:

„Du hast versucht, mich zu erwürgen - weißt du noch?“

Jess (Melissa George, „Amityville Horror - Eine wahre Geschichte“) ist alleinerziehende Mutter des kleinen, autistischen Tommys (Joshua McIvor) und daher öfter gestresst. Wie gerufen kommt da die Einladung ihres Bekannten Greg (Michael Dorman, „Sleeping Beauty“), gemeinsam mit seinen Freunden Sally (Rachael Carpani, „Scorched“), Downey (Henry Nixon, „Noise“) und Victor (Liam Hemsworth, „Know1ng - Die Zukunft endet jetzt“) sowie Sallys Freundin Heather (Emma Lung, „House of Wax“) einen Törn auf seiner Yacht zu unternehmen. Doch während Tommy laut Jess in der Schule beaufsichtigt wird, geraten die Ausflügler in ein unvermittelt aufkommendes Unwetter, das die Yacht kentern lässt. In scheinbar aussichtsloser Lage kommt ihnen jedoch ein Kreuzfahrtschiff entgegen, auf das sie sich retten können – nur Heather bleibt verschwunden. An Bord des altertümlichen Gefährts treffen sie zunächst auf keine Menschenseele. Jess wundert sich indes, dass sie ihren Anhänger auf dem Schiff findet, obwohl sie schwören könnte, noch nie auf ihm gewesen zu sein. Der wahre Horror beginnt jedoch, als ein Unbekannter Mörder mit Kapuze Jagd auf die Schiffbrüchigen zu machen beginnt...

Was sich wie die Inhaltsangabe eines typischen Slashers liest, wird auch zunächst so inszeniert: Oberflächliche Charaktere, ein paar amouröse Avancen und ein unbekannter Killer, der auf fremdem Terrain Eindringlinge bzw. in die Falle getappte Opfer nach und nach dezimiert. Diese Prämisse war Smith, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, jedoch zu profan und so ritt er lieber auf den Ausläufern der Mindfuck-Filmwelle seines Jahrzehnts mit. Demnach ist natürlich nichts, wie es im ersten Moment scheint und steuert die Handlung auf eine überraschende Wendung zu, die das zuvor Gezeigte in neuem Lichte erscheinen lässt. Der Titel „Triangle“ steht dabei sowohl für den Namen der Segelyacht als auch als Reminiszenz an das sagenumwobene Bermuda-Dreieck, aus dem – würde es sich um einen „herkömmlichen“ Mystery-Slasher handeln – beispielsweise das Geisterschiff hätte stammen oder in das es die Gruppe hätte verschlagen können. Vielmehr steht es jedoch für die Konstruktion der Handlung, die grob in drei Abschnitte unterteilt wurde und letztlich von drei Seiten betrachtet wird.

Nach einem leicht mysteriösen Prolog, der in aller Eile Jess’ aktuelle unwirtliche Lebenssituation skizziert und mit einem Klingelstreich an der Haustür schließt, nimmt die beschriebene Entwicklung ihren Lauf, bis Smith sie erneut aufrollt und aus anderer Perspektive zeigt. Der Zuschauer darf sich nun fragen, worin er respektive Jess gelandet ist. Am stärksten drängt sich der Eindruck einer Zeitschleife auf, à la „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in einer Mystery-Horror-Variante, was schließlich das letzte Drittel, quasi der Epilog, bestätigt. Smith bemüht sich, alle Puzzleteile zusammensetzen und dem Zuschauer sein Aha-Erlebnis zu bieten, was jedoch in einer kitschigen Pointe kulminiert. Wirkte der erste Abschnitt stets ein bisschen billig und nur semiaufregend, steigerte sich die Erwartungshaltung, die von den blass bleibenden, austauschbaren Charakteren nur mit Müh und Not aufrecht erhalten werden konnte. Dass diese Austauschbarkeit offenbar zum Konzept der Geschichte gehört, macht es dabei nicht wirklich besser und hinterlässt den Eindruck eines in der Theorie überambitionierten Drehbuchs, das in der praktischen Umsetzung nicht nur am Digital-Look des Films krankt, sondern derart überkonstruiert wurde, dass der Weg leider das Ziel nervenzerfetzender Spannung nicht erreicht, sondern den Zuschauer mit einer halbgaren Story abspeist und damit an den typischen Problemen eines überstrapazierten Stils, eben jener Mindfuck-Schwurbelei, scheitert und entscheidende Fragen eben doch unbeantwortet lässt. Punkten kann „Triangle“ immer dann, wenn sich die klaustrophobisch-ausweglose, kalte Atmosphäre dann und wann durchs inszenatorische Dickicht Bahn bricht und Gewaltspitzen, in erster Linie einige recht ordentlich umgesetzte Schießereien, zielführend zum Einsatz kommen. Das war’s dann aber auch im Groben, so dass Smith mit „Triangle“ nicht viel mehr als dröge Unterhaltung zu bieten vermag, wenn er in überfischten Gewässern angelt.

In komprimierterer Form wäre bestimmt mehr herauszuholen gewesen, auf Spielfilmlänge jedoch bleibt „Triangle“ lediglich enttäuschender Durchschnitt, der leider nicht mit der Drei multipliziert werden kann, sich nach seinen 99 Minuten aber glücklicherweise in keiner Endlosschleife wiederholt.

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