Inhalt
Ja, Ihr lest hier richtig. Der deutsche Arzt Dr. Heiter träumt von dem "menschlichen Hundertfüssler" (Human Centipede) und sucht gezielt Opfer um sie hintereinander kniend jeweils an Mund und After zusammenzunähen um EIN neues Wesen zu schaffen. Dabei ist er erst einmal mit 3 Menschen "am Stück" zufrieden. Er findet seine Opfer und tut das unvorstellbare. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt.
Bewertung
Wo der Normalseher natürlich schon längst aufhört zu lesen und sich angewidert abwendet ist für uns Freunde des ungewöhnlichen Films dies auf jeden Fall einen Blick wert. Und es hat sich sehr gelohnt. Die erste Frage ist natürlich ob einem hier ein billiges B- oder C-Movie mit billigsten Effekten präsentiert wird. Das ist aber in sehr positiver Weise tatsächlich nicht der Fall.
Es handelt sich um einen Film der oberen Klasse in bezug auf die Schauspieler, Ausstattung und Kameraführung. Sicherlich agieren die 2 weiblichen Hauptdarstellerinnen anfangs etwas trashig und man weiss nicht worauf das hinausläuft. Das ändert sich aber sehr schnell wenn diese mit Dr. Heiter zusammen agieren.
Dieser wird gespielt von Dieter Laser den man als deutsches Charaktergesicht aus vielen deutschen Serien und Krimis wie "Tatort", "Polizeiruf 110" oder "Rosa Roth" aber auch Schlöndorff Werken wie "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" seit vielen Jahren garantiert vom Sehen her kennt bzw. sicherlich sofort erkennt. Die Rolle wäre sicherlich auch sehr gut für geniale Schauspieler wie Udo Kier geeignet, tatsächlich erinnert mich Dieter Laser in seiner emotionalen aber dennoch kalten, krude- abgehobenen ver- und entrückten Darstellung an ihn.
Nach einem Fehlversuch findet Dr. Heiter dann das passende Dreiergespann. Die diversen Hundegräber in seinem Garten ("Hund Nr. 3") zeigen das er schon vorab Tierversuche gemacht hatte. Bei aller Ernsthaftigkeit sind das aber auch Highlights in bezug auf einen kleinen ironischen Unterton.
Für den deutschsprachigen Ziuschauer ergibt sich noch ein anderer Reiz des Films wenn man ihn wie ich im engl. Original geniest. Zwei der Darsteller, Dr. Heiter bzw. eine weitere Randfigur sprechen viel bzw. nur Deutsch und so können wir den Originalton und seine Drastizität in der Ausdrucksweise geniesen die in den engl. Untertiteln kaum oder nur teilweise übersetzt wurde.
Gorehounds kommen auch auf Ihre Kosten, allerdings mehr die etwas feinsinnigeren unter ihnen - wenn es die gibt - da hier nicht Gedärme und sonstige Körperteile durch die Gegend fliegen. Aber der Ekel- und Horrorfaktor ist gross durch den Realismus der Operationen und die tatsächliche Darstellung der jeweils an Mund und After zusammengenähten Protagonisten.
Tatsächlich macht sich ab einem bestimmten Punkt im Film ein schleichendes, unterschwelliges unangenehmes Gefühl des Ekels breit. Nicht schockartig aufgrund einer Szene, aber wellenartig und nachhaltig nimmt einem das doch extrem krude Geschehen in seinen Bann. Das betrachte ich als sehr grosse Leistung des Films dies bei mir als hartgesottenen Extreme- Movie Fan noch zu schaffen.
Manche habe den Film mit David Cronenbergs Filmen verglichen. Ich kenne und liebe sein Werk sehr aber ich kann hier kaum Parallelen sehen. Sicherlich kann man das unter die Rubrik "Body-Horror" fassen aber das wäre zu oberflächlich für beide Seiten. Ich möchte es nochmal betonen an dieser Stelle. Es ist kein trashiger Film mit miesen Effekten um Aufmerksamkeit und Schrecken zu generieren. Es ist eigentlich gefilmt wie ein deutscher Tatort, seriös, technisch sauber, überwiegend ansprechende Schauspieler, nur der Inhalt ist natürlich "over the top" und "strange".
Deswegen kann ich dem Werk sicherlich mit viel Genre-Bonus eine verdiente 7/10 Punkten geben. Für Horrorfans mit offener Einstellung sicherlich mehr als einen Blick wert. Der Untertitel "First Sequence" lässt auf weitere Teile hoffe, das Ende - ohne es zu verraten - lässt allerdings dies ohne weiteres zu........ ;-)