Irgendwo im Ruhrpott, in Deutschland.
Zwei junge und hübsche Amerikanerinnen haben einen jungen Kellner kennengelernt und wollen der Einladung zu einer Party folgen. Auf den Weg dorthin verfahren sie sich hoffnungslos und erleiden eine Autopanne. Sie versuchen eine Tankstelle oder irgendwas zu finden und zu ihrem Glück treffen sie auf ein Haus. Dort angekommen klopfen sie an die Tür des anerkannten und international erfolgreichen Chirurg Dr. Heiter. Dort erfahren die Studentinnen was "deutsche Gastfreundschaft" bedeutet und vor allem... warum Dr. Heiter eigentlich Dr. der Chirurgie ist.
Das also ist der Film der 2009 als bester Film beim Screamfest L.A. ausgezeichnet wurde. Bei uns in Deutschland wird der Film im August 2010 im Rahmen des FFF Deutschlandpremiere unter den Namen Der menschliche Hundertfüßler Premiere feiern. Der Film hat eine Kontroverse ausgelöst, denn der Film ist ansich bei weitem kein Splatter oder gar ein konventioneller Horrorfilm. Er bewegt sich irgendwo am Rande der arthaus Schiene mit ekligen Eploiteinlagen. Die Idee ist so absurd und "widerlich", dass das Echo unweigerlich geteilt war. Das war bei mir auch nicht anders.
Zu meiner Überraschung war der Film aber zu einem richtig lustig, da der Flm in englischer Sprache rotierte und die deutschen Gespräche richtig gut wirkten. So ist die Szene im Wald, als die jungen Damen sich verfahren haben der Auftakt gewesen.
Es kommt ein dicker, ekliger fetter Kerl mit Kölner Kennzeichen an Fenster heran und labert die 2 auf Kölsch voll. Was er jedoch von sich gab... Paraodie und Humor pur für den Deutschen Zuschauer, für den ausländischen Zuschauer war die Wortwahl nicht amüsant.
Spätestens im Haus, als Dr. Heiter die Frage: "You have a lovely house, Dr. Do you live here with your wife?" mit einem: "No. I don't like human beings" quittiert, kann man nur erahnen was für ein sadistischer Irrer Dieter Laser hier darstellt. Da ich gerade den Namen Laser erwähne, mir ist der Schauspieler nicht bekannt, aber ein Blick in seine Filmographie verrät, dass er einiges kann. Zumindest Suck my Dick oder Führer Ex ist einigen ein Begriff. Jedoch hat Laser die Figur von Dr. Heiter so überzeugend gespielt, dass ausländische Zuschauer denken müssen alle deutschen Ärzte sind uneheliche Kinder von Dr. Mengele. Hut ab, was vielleicht nach Trash klang, wird völlig widerlegt. Die Schauspieler, allen voran Dieter Laser bringen Topleistungen. Einzig seine Englischkenntnisse bringen den Film eine unfreiwillige humorische Note, aber wenn er auf Deutsch ausrastet zuckt man durchaus zusammen. Fand die Darstellung, so unglaublich es klingen mag für so einen Film, kongenial. Allein sein Auftreten ist krankhaft autoritär.
Doch kommen wir zum Kern des Film. Der menschliche Hunderfüßler. Dr. Heiters Lebtraum ist eben die Erschaffung so einer Kreatur. So nimmt er 3 passende Menschen und näht sie zusammen. Das sieht dann so krude aus, dass man unweigerlich lachen muss. Doch es sieht einfach nur eklig aus. Die Erniedrigung der 3 tragischen Figuren ist unter jeden Niveau, er hält sie wie ein Hund, wie eine Kreatur. Er konditioniert sie, mehr oder weniger erfolgreich. Quält sie mit ruhigen und explosionsartigen Launen. Es hat kein Hostel oder Saw Niveau, wie eingehend erwähnt ist es eher arthausmäßig und es gibt kaum Gewalt, aber der Film drückt einem die Faust ins Gesicht. Sei es der Japaner oder die Mädels verhalten sich alle logisch und realitätsnah in mitten dieser kranken surrealen Szenerie. Surreal ist das beste Wort was dazu passt. Für die Opfer ein Albtraum, für Heiter die Krönung der Schöpfung und für die ermittelnden Komissare unglaublich.
Es klingt jetzt vielleicht danach, das der Film richtig toll ist. Er hat seie Schwächen, macht aber alles richtig, denn die Idee ansich entschärft die Schockmomente und der Zuschauer kann sich, was wir auch permanent gemacht haben, lustig machen. Es bleibt aber ein harter Streifen übrig, der auf erschütternder Weise aufzeigt wie man erniedrigen kann, ohne Gliedmaßen abzuschneiden und und und. Für Freunde des Horrorgenres die mal mit Freunden was in der Tat innovatives sehen wollen kan ich den Film mit 10 von 10 Punkten empfehlen, für alle anderen kann ich die x-te Wiederholung von Emergency Room ans Herz legen. Da sind Ärzte so, wie wir sie gern sehen :D
Objektiv betrachtet haben wir hier einen seltsamen Party-Horrorfilm in kühler arthaus Optik, der sich Gott sei Dank nicht zu ernst nimmt und es schafft nicht ins Lächerliche abzudriften. Und das trotz den Zusatz: 100% medically accurate ;)
8 Punkte