kurz angerissen*
*erstmals veröffentlicht: 09.09.2012
Aufgrund der Ausgangsidee eine extrem grenzwertige Angelegenheit. Selbst für einen Großteil des foltererprobten Publikums dürfte dieser Film ein absolutes No-Go sein – dabei liegt die Idee, Menschen durch eine Operation Anus-an-Mund miteinander zu verbinden und so einen „menschlichen Tausendfüßler“ zu erschaffen, sehr nah an übertriebener Satire, wird aber von Regisseur Tom Six interessanterweise mit größtmöglichem Ernst und vor allem Minimalismus in die Tat umgesetzt. „The Human Centipede“ ist ein Kammerspiel, das in einem penibel gesäuberten Haus stattfindet, wobei schnell durchschaut ist, dass die Keimfreiheit der Inszenierung eine Antithese zu der widerwärtigen Grundidee sein möchte. Insofern bewegt sich Six deutlich sichtbar in Genrekonventionen, zumal er den Anfang in direkter Anlehnung an die „Hostel“-Reihe inszeniert – die Opfer sind u.a. zwei Amerikanerinnen auf einem Road Trip durch Europa und die einzigen beiden Deutschen, die man abgesehen von der Polizei und einem weiteren Opfer zu sehen bekommt, sind ein widerlicher, fetter alter Sack und eben der dämonische Arzt.
Bei jenem hat Six einen Volltreffer gelandet – Dieter Laser ist optisch eine schreckenerregende Kreuzung aus Lance Henriksen und Christopher Walken und legt ebensoviel Ausdrucksvermögen an den Tag. Seine diabolische Performance drückt dem Film eindeutig den Stempel auf und macht ihn gewissermaßen sogar sehenswert, was man vom lückenhaften Drehbuch und dem teils irrationalen Verhalten der Charaktere (Verhörszene) nicht gerade behaupten kann. Auch die Motivation des Arztes bleibt – vermutlich bewusst – rätselhaft; eine sexuelle Lesart versucht der Film möglichst zu umgehen (auch wenn sie omnipräsent im Raum schwebt), stattdessen widmet er sich dem Nihilismus des Handelns um des Handelns willen.
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