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In Emmerichs Filmen hatten Außerirdische, Monster und Naturkatastrophen für Beinahe-Weltuntergänge gesorgt, da war die Frage, ob „2012“ nach dem ähnlich angelegten „The Day after Tomorrow“ noch eine Steigerung bieten konnte.
In diesem Falle ist eine Form von globaler Erwärmung, die den im Maya-Kalender für 2012 angekündigten Welt-Exitus herbeiführen soll. Der Geologe Adrian Helmsley (Chiwetel Ejiofor) gehört zu den ersten, die 2009 davon Wind bekommen, berichtet dem Präsidentenberater Carl Anheuser (Oliver Platt) davon und von da an sieht man die nächsten drei Jahre im Schnelldurchlauf: Man rettet Kunstwerke, verkauft Superreichen das Überleben und killt Mitwisser, die an die Öffentlichkeit wollen – keine Hätschelorgien Marke „Deep Impact“.
Auftritt Jackson Curtis (John Cusack), erfolgloser Romanautor und erfolgloser Familienvater, der die Kiddies von der geschiedenen Ex-Frau Kate (Amanda Peet) einsackt, um in Yellowstone campen zu gehen. Doch da ist einiges faul, Seen kochen weg und das Militär sperrt Bereiche ab, da wird Jackson klar, dass hier schlimmeres ansteht. Damit hätte man die bei Emmerich immer sehr beliebte menschliche, kleinbürgerliche Seite der Katastrophe, neben Jackson werden noch liebenswerte Zwischendurch-Opfer in Form eines alternden Musiker-Duos eingeführt und dann kann es losgehen.

Erdbeben, Flutwellen und Vulkanausbrüche fangen an die Erde zu zerlegen, die Auserwählten machen sich zu Rettungsarchen auf – und Jackson nebst Familie, da auch er Wind von der Sache bekommen hat. Gar nicht so einfach, wenn um einen herum die Welt kollabiert…
Ist „2012“ eine Steigerung zum vorigen Emmerich-Weltuntergang? Ja und nein. Sicher geht „2012“ so weit wie kaum ein Katastrophenfilm zuvor (außen vor natürlich irgendwelche Sci-Fi-Spektakel deren Beginn der Weltuntergang ist), denn die Welt geht hier wirklich fast komplett unter – aber eben nur fast, neben den Archen sorgt auch eine glückliche Fügung der Natur für Rettung. Und das ist dann im Endeffekt gar nicht so weit entfernt von „The Day after Tomorrow“, der aber in jeder Hinsicht besser funktionierte.
Gerade im Effektbereich sind die 5 Jahre Zeitunterschied kaum zu merken, tatsächlich schneidet „2012“ sogar etwas schlechter ab, da die eine oder andere Szene (gerade beim Wegflug aus Kalifornien) doch sehr videospielmäßig aussieht. Doch insgesamt (wie so häufig bei Emmerich) liegt hier die größte Stärke des Films, denn an Action und Zerstörung kann man sich mal wieder prächtig weiden, gerade auf der großen Leinwand.

Dramaturgisch liegt hier allerdings einiges im Argen, gerade das letzte Drittel ist ebenso zäh wie uninteressant, wenn in und um die Archen noch gemenschelt und gemauschelt wird, eine letzte Beinahe-Katastrophe zu bewältigen ist, der Film dem Zuschauer die Geschenke allerdings schon längst gebracht hat, denn bis dahin hat man schon alles Spektakuläre an Hauseinstürzen, Vulkanausbrüchen und Flutwellen gesehen. Zudem regiert ein wenig die Einfallslosigkeit: Gleich dreimal innerhalb kürzester Zeit erlebt man Jackson und seine Leute beim Abheben von einer gerade zerbröselnden Landebahn, zweimal ist der Weg dahin mit einem spektakulären Autosprung gesäumt – das hat man schon abwechslungsreicher gesehen.
Erfreulich hingegen, dass Emmerich nach der bierernsten Pathosbombe „10.000 BC“ wieder selbstironischere Töne anschlägt: Die Auftritte des kauzigen Verschwörungstheoretikers Charlie Frost (Woody Harrelson) sind Gold wert, kurz vor Ende zeigt Emmerich uns noch, wie urkomisch das Bild eines fragend guckenden Huhns zur rechten Zeit sein kann usw.

Im Gegensatz zu der fiesen Sozialpädagogenphantasie „Deep Impact“, in der ja quasi alle edel und nobel waren, wird hier ein wenig gegen das Gutmenschentum angegangen, vor allem durch die Figur des Anheuser. Ein kaltschnauziger Typ, gegen Ende im Möchtegern-Diktator-Modus, aber stellenweise auch ehrliche Weise rational. Die Rettung der Superreichen: Wie sonst das Unternehmen finanzieren? Nachrichtensperre: Wie sonst eine Panik verhindern? usw. Daneben sind allerdings der Präsi Thomas Wilson (Danny Glover), seine Tochter Laura (Thandie Newton) und Adrian die Gutmenschen für die Generation Obama, die immer edel handeln. Kinder und kleine Hunde kommen Onscreen nicht um (obwohl Offscreen sicherlich Millionen von Kindern und kleinen Hunden draufgehen) und zum Schluss sind alle super-happy, selbst Jacksons Familie ist wiederhergestellt. Anheuser überlebt auch, darf aber in den letzten fünf Minuten nicht mehr auftreten, wohl auf die Gefahr hin zu sehr am Heile-Welt-Image zu kratzen.
Der talentierte Chiwetel Ejiofor ist nach „Redbelt“ bereits zum zweiten Mal völlig unterfordert in einer eindimensional-langweiligen Gutmenschenrolle, Danny Glover und Thandie Newton geht es ähnlich. Oliver Platt overactet gelegentlich, zieht sich aber achtbar aus der Affäre und Woody Harrelson ist definitiv eines der Highlights des Films. Bleibt noch John Cusack, der seine gewohnte Rolle als liebenswerter Schluffi spielt, damit aber einen schönen Kontrast zu den Supersoldatenhelden anderen Katastrophenfilme abgibt.

Dank einer gehörigen Portion Ironie und des nötigen Budenzaubers macht „2012“ durchaus Laune, doch erzählerisch hakt der Motor und die interessanten moralischen Fragen gehen in der Kitsch-Erzählung vom guten Menschen unter. Da war „The Day after Tomorrow“ wesentlich stimmiger, ausgereifter und erwachsener.

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