Review

Wowland Emmerkitsch


Vielleicht habe ich zu früh mal „Poseidon Adventure“ oder „Deep Impact“ geguckt, vielleicht habe ich mich in Verbindung mit meiner Dino-Obsession als kleiner Stöppes auch zu sehr mit mächtigen Asteroiden von apokalyptischen Ausmaßen, Monsterwellen und Katastrophen beschäftigt. Wer weiß. Fest steht mittlerweile jedoch, dass ich viele Kastastrophenfilme mehr mag, als es deren Qualität eigentlich verdient hätte, selbst magere Vertreter wie „The Core“ oder „Storm Hunters“ bei mir eine softe Stelle treffen können und ich etliche „Klassiker“ wie „Volcano“ zu Guilty Pleasures zähle. Mindestens. Wenige Subgenre liegen mir mehr. Komisch, aber wahr. Und nichts, wofür man sich schämen müsste. Meine ich. Und das war mir auch 2009 schon klar, als ich mich auf Grund mangelndem Interesse im Freundeskreis ganz alleine in mein damaliges Stammkino in Leverkusen begab, erstmal ein Knöllchen am damals noch „neuen“, tiefroten Corsa gehängt bekam und mich in die Wellen von Roland Emmerichs „2012“ stürzte - in dem die Erde und Menschheit, wie wir sie kennen, auf Grund von massiven Sonneneruptionen wortwörtlich dem Untergang geweiht ist... 

„2012“ ist für mich einer der größten Blockbuster, den das bisherige Jahrhundert hervorgebracht hat. Größten, nicht besten. Klar ist das Drehbuch, sind die Figuren, ist die Action oft dumm, übertrieben, unrealistisch und flach. Aber verdammt nochmal, macht diese  ultimative Zerstörungsorgie Spaß... Emmerich voll in seinem Element, ganz klassisch den alten Hollywood-Desaster-Movies verschrieben, mit etlichen Nebenfiguren und Seitenplots. Das kann nerven, aber es gehört bei dem Genre fast schon dazu. Ebenso wie das sture Drücken auf Tränendrüsen, wobei man eher schmunzeln oder gar laut lachen als weinen muss. Wenn „JFK“ dem Weißen Haus noch einen finalen Besuch abstattet, wenn Monstertsunamis über den Himalaya schwappen, wenn Erdkrusten aufplatzen und Millionenstädte hochheben, wenn Megavulkane um die Wette spucken, wer Woody Harrelson als erstes wegfetzen darf - dann denkt man nicht mehr über Logik, Sinnhaftigkeit oder Charaktertiefen nach. „2012“ zelebriert den Krawall und die Macht der Natur. Plump, stumpf, straight. Und immens unterhaltsam. Allen Unkenrufe und Fehlern zum Trotz. Man muss allerdings einiges für Emmerich und das Genre übrig haben, um hier ein bis zwei Augen zuzudrücken, bei den ganzen Klischees, Superdads und comichaften Übertreibungen. Ein Film wie „2012“ kam zehn bis 15 Jahre zu früh - denn er scheint ideal und wie gemacht für den noch immer erstaunlich aufblühenden chinesischen Markt! 

Fazit: der Endpunkt in Sachen Katastrophenfilm? Emmerichs charakteristischer Höhepunkt? Ein Guilty Pleasure von mir? Einer der ersten Kinobesuche ganz alleine? „2012“ ist alles andere als fehlerfrei, z.B. werden Kitsch und Oberflächlichkeit riesengroß geschrieben - und dennoch ist das in seinem Subgenre ehrlich gesagt kaum zu überbieten. Zumindest was reine Größe, Lautstärke und Zerstörung angeht. Und ich werde jedes Mal krachend unterhalten. 

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