Review
von Alex Kiensch
Der mysteriöse Kalender der Maya-Zivilisation, der seit vielen Jahrzehnten für vielseitige Interpretationen und Diskussionen sorgte, gelangte dank eines zunehmenden Hypes in den Massenmedien gegen Ende seiner Laufzeit zu immer größerem Ruhm. Um den angeblichen Weltuntergang im Dezember 2012 wurde ein riesiger medialer Rummel veranstaltet - da durfte ein zünftiger Actionkracher natürlich nicht fehlen, um die Kinokassen klingeln zu lassen. Und wer wäre wohl für einen standesgemäßen Weltuntergang besser geeignet als der schwäbische Action-Regisseur Roland Emmerich?
Wer Emmerichs Karriere verfolgt hat, dürfte festgestellt haben, dass es ihm mit jedem Film schwerer fallen musste, sein vorheriges Werk zu toppen. Nachdem schon "Independence Day" neue Maßstäbe im Zerstörungs-Genre aufstellte, mussten seine weiteren Szenarien stets eine Nummer größer und spektakulärer ausfallen. Mit "2012" hat er schließlich den Zenit der gigantischen Zerstörungsorgie erreicht.
Bemerkenswert ist dabei aber auch, dass er sich nicht nur auf die bombastische Action verlässt. Mit einem sehenswerten Hollywood-Cast, der von John Cusack in der Hauptrolle eines gescheiterten Schriftstellers, der um seine Familie und das nackte Überleben kämpft, bis Danny Glover als US-Präsident reicht, eröffnet der Film schon in den ersten 20 Minuten eine erstaunliche Reihe an parallelen Handlungssträngen, die bis zur Hälfte durchaus elegant miteinander in Verbindung treten. Ebenfalls fällt hier positiv auf, dass Emmerich - mit Ausnahme einiger Szenen gegen Ende - größtenteils auf den mittlerweile unerträglichen Pathos eines Michael Bay verzichtet. Stattdessen gibt es immer wieder ironische Gags und ein positives Menschenbild: Im Angesicht größter Gefahr halten die meisten Menschen hier zusammen und helfen einander. Das mag man schnell als naiv verurteilen, aber wieso sollte man sich nicht mal auf eine solch humanistische Ansicht einlassen: Je besser wir schließlich von unseren Mitmenschen denken, desto besser werden wir sie am Ende selbst behandeln.
Derlei philosophische Gedankenspiele finden in "2012" freilich recht wenig Platz. Denn neben den menschlichen Dramen, die zwar stets etwas klischeelastig wirken, dank der guten Darsteller aber durchaus ins Herz treffen, werden die gut zweieinhalb Stunden Laufzeit durch Actionorgien gefüllt, wie man sie so im Kino noch nicht gesehen hatte. Mit fantastischen Spezialeffekten lässt Emmerich ganze Millionenstädte im Erdboden versinken und gigantische Vulkane eruptieren. Diese atemberaubenden Sequenzen sind mit wahnsinnigem Aufwand gefilmt und lassen dem Zuschauer quasi das Herz stehen bleiben. Dank des großartigen Einsatzes von Computertricks benötigt der Film nicht einmal die hoch gelobte 3D-Technik, um visuell nachhaltig zu überzeugen.
Dass die Erklärungen der Erdkrusten-Verschiebungs-Theorie und vor allem die Darstellung von deren Auswirkungen für echte Geo-Wissenschaftler oftmals haarsträubend sein dürften, muss eigentlich nicht extra erwähnt werden. Natürlich finden sich hier allerhand unglaubwürdige Details, in den Actionszenen ebenso wie bei den zwischenmenschlichen Handlungen. Und auch die Figuren sind sympathisch, aber eben recht klischeehaft und die eine oder andere Auflösung damit sehr vorhersehbar. Das alles kann den echten Genre-Fan aber angesichts solch gigantischer Actionorgien nicht stören. Und wen es kalt lässt, wenn Flugzeuge mit knapper Not zwischen zwei zusammenstürzenden Wolkenkratzern hindurch fliegen oder eine Limousine quer durch ein zerstörtes Bürogebäude rast, der hat in diesem Film sowieso nichts verloren.