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Julianne Moore spielt eine Ärztin, die ihren Mann, gespielt von Liam Neeson, verdächtigt, sie zu betrügen. Sie bezahlt ein Call-Girl, gespielt von Amanda Seyfried, damit diese testet, ob ihr Mann treu ist oder nicht. Dabei verliert sie sich jedoch zunehmend in der Fantasie, wie ihr Mann mit der jungen Prostituierten schläft, während diese zunehmend ein falsches Spiel mit ihr spielt.

Basierend auf dem französischen Film "Nathalie" inszenierte Atom Egoyan, der über Jahre als Autoren- und Independent-Filmer einige Preise und Nominierungen, unter Anderem für den Oscar, anhäufen konnte, dieses Amerika-Remake. Seine Mischung aus freiem Autorenfilm und handelsüblichem Psycho-Thriller weiß aber durchaus zu überzeugen und verkommt nicht zum überflüssigen Remake.

Was "Chloe" neben seiner, durchaus wendungsreichen und mitunter vielschichtigen Story auszeichnet, sind vor allem die narrativen Fertigkeiten seines Regisseurs. Langsam und ruhig erzählt Egoyan seinen Film, ohne mögliche Wendungen allzu früh anzudeuten, lässt sich dabei ausreichend Zeit, um seine Charaktere zu konstruieren, ein paar erotisch/sinnliche Momente zu kreieren und -was das Wichtigste ist-, er lässt seinen Darstellern ausreichend Raum, um ihr Potential zu zeigen, um sich in die Charaktere einzufinden. Mit ruhiger Musik hinterlegt und einigen melancholischen Bildern gelingt ihm zudem eine emotionale, getragene Atmosphäre.

Letztlich handelt es sich bei Atom Egoyans Psycho-Drama um einen unaufgeregt erzählten Autorenfilm, bei dem vor allem die sich vernachlässigt fühlende Ärztin im Vordergrund steht. Sie unterstellt ihrem Mann, der von seinen jungen Studentinnen geachtet, vielleicht sogar regelrecht angehimmelt wird, dass er sie betrügt, fühlt sich nicht mehr respektiert, nicht mehr geliebt, während sie der Gedanke daran, dass ihr Mann sich mit der von ihr bezahlten Prostituierten vergnügt, erregt, weswegen sie schließlich die Nähe des Call-Girls sucht, zumal sich auch der eigene Sohn zunehmend von ihr entfremdet. Die beiden anderen Charaktere, die undurchsichtige Prostituierte, der scheinbar fremd gehende Ehemann, werden bewusst in ein suspektes Licht geführt, wodurch das Drama seine Spannung aufrechterhält. Zum Ende hin fügt sich das Ganze dann doch noch gewissen Thriller-Stereotypen und opfert einen Teil der inneren Logik der finalen Wendung, die jedoch durchaus zu überraschen vermag. So reicht es nicht ganz zu einem wirklich guten Film, aber doch zu einem überdurchschnittlichen.

Da ihre Figur im Zentrum des Films steht und ausreichend Raum für eine gelungene Darstellung gegeben ist, kommt der schauspielerische Kraftakt von Julianne Moore perfekt zur Geltung. Moore, die bereits in "Boogie Nights", "Magnolia" und "The Hours" Gala-Vorstellungen zeigte, ist in der Rolle der frustrierten, vernachlässigten Ehefrau überragend besetzt und trägt den Film über weite Strecken. Sie zeigt sich geknickt, bemitleidenswert und vereinsamt, ohne ihre Art dabei zu überziehen. Daneben überzeugt auch Liam Neeson auf ganzer Linie, spielt den suspekten Ehemann, der sich immer locker, sympathisch und treu gibt, recht undurchsichtig, genauso, wie Amanda Seyfried, die um ihre Figur eine regelrecht geheimnisvolle Aura kreiert und auch ihren Körper in Szene zu setzen weiß.

Fazit:
"Chloe" ist letztlich vor allem deshalb ein sehenswerter Film, weil ihn die Darsteller, allen voran Julianne Moore, über weite Stecken zu tragen vermögen, weil die Story gut konstruiert ist und die Mischung aus Thriller und Autorenfilm mit dem unaufgeregten Erzählstil atmosphärisch, aber auch recht spannend geworden ist. Kleinere Längen und die Stereotypen, die sich zum Ende hin einschleichen trüben den guten Eindruck dabei ein wenig.

74% 

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