Kaum wurde der Sci Fi Channel zum vereinfachten Syfy umbenannt, scheint man in einige Produktionen etwas mehr Budget hineinzubuttern, obgleich man für Katastrophenfilme ihrer Art nach wie vor ein derbes Faible für hanebüchenen Trash mitbringen muss.
Beispiel: Nach einigen Erdbeben ist in Wyoming ein Lavastrom aktiv. Passanten (ganz üble Laiendarsteller) latschen auf der Straße fast wie Zombies durch die Gegend, merken aber anscheinend nicht, dass es um sie herum bereits brennt und die Straße endlos heiß sein muss.
Als bei einer die Gummisohle ihrer Turnschuhe Fäden zieht, erschreckt sie sich und geht, zeitgleich mit anderen auf der Straße, in Flammen auf, oder wie es per CGI eher aussieht, schmilzt ein.
Wer an solchen Sequenzen Freude hat und zudem hohen Wert auf viel Bewegung legt, könnte an diesem Streifen gerade deshalb viel Freude haben, denn es geht bereits mit dem Intro, der Sprengung eines Dammes, krachend zur Sache. Boomer, der diese Sprengung geleitet hat, wird zwar aufgrund der darauf folgenden Erdrisse zunächst in seinem Fahrzeug verschüttet, kurz darauf jedoch von der Seismologin Amy Lane (Brittany Murphy in ihrer letzten TV-Produktion) gerettet, woraufhin das ungleiche Heldenpaar feststeht.
In einem Nebenhandlungsstrang kämpfen indes Mann und Tochter der Heldin ums Überleben während einiger Erdbeben, die final natürlich gestoppt werden müssen, notfalls mithilfe des Militärs, wie sich das für moderne Katastrophenfilme gehört.
Allerdings sind die auch wieder Schuld an der Misere, denn erneut wird die Erprobung einer geheimen Kriegswaffe zum Schicksal Tausender Amerikaner, da die tektonische Waffe, die Erdbeben in Feindregionen auslösen soll, mit verheerenden Nebenwirkungen daherkommt.
Die Erdbeben ziehen sich quer durch Amerika, man wundert sich allerdings, dass diese fast wie das Erscheinungsbild von Tsunamis anmuten, denn ständig ist jemand auf der Flucht vor rasch voranschreitenden Erdrissen, wie etwa der Trucker mit voll beladenem Benzintank, der einen Hindernisparcours durch umstürzende Strommasten zu absolvieren versucht.
Ergo ist immer ordentlich Dampf in der Bude, da schaut man eher locker über zahlreiche Logiklöcher und Kontinuitätsfehler hinweg, wie die hanebüchene Erklärung für die Verschiebung gleich mehrerer Erdfalten oder der unglaubwürdigen Position einer schlichten Seismologin, die im Katastrophenfall auch mal einen Militärhubschrauber für den Heimflug bereit gestellt bekommt.
Denn ausgleichend kommt es zu zahlreichen Explosionen, die in Form computergenerierter Bilder zwar nicht durchweg auf der Höhe der Zeit sind, dafür können sich die meisten Szenen mit Erdrissen oder auch der Ausbruch einer riesigen Lawine fast durchweg sehen lassen.
Murphy nimmt man zwar die Figur einer etablierten Wissenschaftlerin nicht wirklich ab, dafür erinnert ihr Begleiter Eriq La Salle als Boomer mit seiner schlichten, aber effektiven Figurenzeichnung nicht nur äußerlich an Heldenrollen von Danny Glover, wodurch er die meisten Sympathiepunkte für sich einheimsen kann. Und da sich die beiden fast ständig in Bewegung befinden und nur kurze Zeit für Zwischenmenschliches einbringen, fällt die finale Idee, den Gran Canyon per Sprengung einfach umzuleiten, auch gar nicht so negativ ins Gewicht, denn bis dato hat man entweder die zahlreichen grotesken Fakten ohnehin schon beiseite gewischt oder den Streifen nach zehn Minuten abgeschaltet.
Somit ist eine Vorliebe für schlicht inszenierte Katastrophenfilme Grundvorrausetzung, um an diesem Werk Gefallen zu finden. Dabei kommt ihm primär das konstant hohe Erzähltempo zugute, aber auch die sorgfältig eingestreuten Actionszenen, welche vom Flug mit dem Hubschrauber über eine Ausweichhatz mehrerer Detonationssätze bis hin zu diversen Wettläufen gegen die Zeit reichen.
Mit geringem Anspruch kann daraus ein hoher Unterhaltungswert erwachsen, der trotz erzählerischer Mängel nicht zu unterschätzen ist und einem unter Umständen eher zugute kommt, als ein Blockbuster mit Mega-Budget, aber enttäuschend wenigen Schauwerten.
Knapp
7 von 10