Review

Als der junge, hübsche Dorian Gray (Ben Barnes) in London erscheint, weckt er sofort das Interesse zweier Männer. Des Malers Basil (Ben Chaplin) und das von Lord Henry Wotton (Colin Firth).
Basil will Dorian malen, Wotton aus dem jungen unschuldigen Mann einen Art neuen Menschen schaffen, der sein Leben ohne Furcht vor moralischen Zwängen lebt. 

Während Dorian dem Maler noch Modell steht, beginnt sich aus dem anfangs unsicheren jungen Mann, angestachelt durch Wotton`s Reden, ein selbstverliebter Charakter herauszukristallisieren.
Ein vorläufiger Höhepunkt ist erreicht, als Gray Wotton`s These, Schönheit und Jugend seien bedeutender als gute Charaktereigenschaften, vereinnahmt und aus blossem Übermut und Dummheit seine Seele für diese Attribute dem Bösen verschreibt. 

Dorian geniesst fortan sein Leben in vollen Zügen. Frauen, Sex, Alkohol und Drogen bestimmen sein Leben. Getreu dem Motto "Erlaubt ist was Spaß macht!". Auch das er dabei förmlich über Leichen geht scheint ihn nicht zu kümmern. 

Als Gray feststellt, dass all die körperlichen Exzesse und sein immer niederträchtiger werdender Charakter sich nicht in seinem Erscheinungsbild niederschlagen, sondern sich ausschliesslich auf dem von Basil gemalten Bild manifestieren, brechen auch noch die letzten Dämme. 

Nach Jahrzehnten, ausgefüllt mit allen Arten von Ausschweifungen, wird der ewig junge Dorian aber auch der vornehmen Londoner Gesellschaft und seinem Mentor Lord Wotton unheimlich... 

Als im Jahre 1891 Oscar Wilde`s Roman "The Picture Of Dorian Gray" veröffentlich wurde, ging ein Aufschrei durch das prüde England. Das durch Dorian Gray verkörperte Lotterleben stand im krassen Gegensatz zu den damaligen gesellschaftlichen Werten und Ansichten, stellte diese in Frage und auf den Kopf. Skandal heisst hier das Stichwort!

Inzwischen weiß man, dass derlei "Skandale" ab und an notwendig sind um verkrustete Strukturen in Frage zu stellen, Änderungen herbeizuführen usw.
Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist der literarisch-historische Stellenwert des Romans absolut nachvollziehbar. Sogar die unzähligen bisherigen Verfilmungen des Stoffs machten Sinn als Warnung davor, was heutzutage schon Realität geworden ist. 

Wir leben bereits in einer Welt, in der Schönheit als eines der erstrebenwertesten Ziele überhaupt verkauft wird und verunsicherte 14-jährige ihren Eltern die Hölle heiß machen um an das Geld für die erste Schönheits-OP zu gelangen. Hauptsache die Fassade stimmt, der Rest ist fast schon bedeutungslos...
Genauso oberflächlich wie in dieser Hinsicht verhält sich die breite Masse der Menschen  auch in vielen anderen Dingen. Egal, was es ist, der Spaß-Faktor steht im Vordergrund! 

Man sieht also, die Kernpunkte von "Dorian Gray" sind aktueller den je.

Was also gewinnt Regisseur Oliver Parker dem Stoff ab, dass heutige Zuschauer ein Bewusstsein für den sie umgebenden künstlichen Unsinn entwickeln lässt? 

Die Antwort ist einfach - fast nichts!  

Diese Verfilmung grast zwar die eigentliche Handlung ab, ohne jedoch wirkliche Tiefe zu entwickeln. Weder Drehuch, Darstellern und Regie gelingt es hier Wilde`s Vorlage auch nur ansatzweise adäquat umzusetzen. 

Das Script von Toby Finlay versucht sich mehr darin, die etwas angestaubte Grundstory dem heutigen Kinopublikum anzubiedern, als markantes, zum nachdenken anrührendes ernsthaft herauszuarbeiten.  

Die Regie packt das Ganze in dröge Bilder, die mich an einigen Stellen an das alte Ultravox-Video zu "Vienna" erinnern und hoffte wohl, dass irgendwelche Verwirrten schon den Weg ins Kino finden werden. 

Praktisch ständig hatte ich das Gefühl, dass hier versucht wurde, den ollen Dorian-Gray-Stoff etwas aufgeppt, einem heutigen Kinopublikum anzutragen. Da dies am besten funktioniert, in dem man interessante Themen bestenfalls oberflächlich touchiert und stattdessen mit kurzwertigen Schaueffekten versucht den/die Zuschauer bei der Stange zu halten, erklärt sich dadurch auch die praktisch flächendeckende Oberflächlichkeit in Bezug auf das eigentliche Thema, sowie die Tatsache, dass gewisse Horror-Elemente in Form von Stöhnen und Ächzen aus dem Off und ein paar kleine "Schock-Momente" in Bezug auf Gray`s Bildnis aufgefahren werden. 

Insgesamt wirken die Story und deren Umsetzung uninspiriert, total uninteressant und letzlich sogar echt langweilig. 

Die Misere setzt sich allerdings in Form der Darsteller und deren Leistungen fort.  

Da wäre zuerst mal der Hauptdarsteller Ben Barnes (Muss man den eigentlich kennen?). Er kann zwar in einigen Szenen in etwa den (niedrigen) Anforderungen gerecht werden, insgesamt dürfte er aber wohl mehr als Zugeständnis an die zahlende, weibliche Zuschauerschaft gedacht sein. 

Die beiden etwas älteren Kollegen, Firth und Chaplin kommen da schon bedeutend besser weg. Beiden merkt man ein gewisses schauspielerisches Talent deutlich an, wobei das Drehbuch mangels Tiefe der Charakterzeichnungen, wirklich erstklassige Leistungen natürlich absolut ausklammert. 

Man kann diese Verfilmung wirklich von allen möglichen Seiten aus betrachten, überzeugen kann sie in keinster Weise.
Sogar die Chance, in der heutigen Zeit Gray`s Exzesse krasser darzustellen wurde glatt verschenkt. Was hier z. B. in Sachen sexuelle Ausschweifungen gezeigt wird ist schnarch-core und dient bestenfalls dem Zweck ein paar 12-jährige Ben-Barnes-Fans um ihr Taschengeld zu bringen, als auch bloß die letzte hinterwäldlerische Pappnase in irgendeiner Form zu schocken oder gar intellektuell aufzurütteln. 

Da mir hier die (gerüchtehalber) gekürzte UK-Version des Streifens zur Begutachtung vorlag, kann ich ausnahmsweise mal sagen, dass ich an jeder einzelnen Sekunde froh war um die der Film gekürzt wurde. 

Fazit: Auch wenn der Film oberflächlich passabel unterhaltsam ist, tun sich bei genauerer Betrachtung qualitative und inhaltliche Mängel ohne Ende auf. Immerhin haben es die hier Beteiligten aber geschafft einen echten (und auch zeitlosen) Klassiker dem Niveau  einer x-beliebigen Joghurt-Reklame anzupassen. Respekt!! Sowas kann auch nicht jeder!

Details
Ähnliche Filme