Es gibt nicht viele Filme die es schaffen, dass mein Abendbrot mir im Hals stecken bleibt. Erst vor ein paar Wochen habe ich den legendären Wilde Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" zu Ende gelesen und es war eins der besten und faszinierendsten Werke die ich jemals zur Hand genommen habe. Oscar Wildes legendäres Werk über Schönheit, Manipulation und Zynismus (u.a.) wurde schon oft verfilmt und ich wage mal die Behauptung, dass jede Verfilmung treffsicherer war als diese brutale Katastrophe. Ich habe ja schon im Vorfeld nicht viel Gutes über diesen Film gehört, da er ziemlich vom Roman abweichen soll. Nun gut, mit solchen Tatsachen konnte ich bisher immer ganz gut leben. Wenn Sachen verändert wurden oder ausgelassen wurden, konnte ich damit relativ gut umgehen, vorausgesetzt man hält sich grob an den Handlungsstrang. Auch wenn die Twilight Filme jetzt nicht gerade an Beliebtheit gewonnen haben, so muss man dennoch sagen, dass sie rein als Romanverfilmung durchaus gelungen sind. Doch was hier bei Dorian Gray gemacht wurde übersteigt schon weit die Grenzen des schlechten Geschmacks. Der Film ist nicht nur eine totale Roman-Vergewaltigung, sondern auch einer der schlechtesten Filme die ich jemals gesehen habe. Die Geschichte dürfte jedem Literaturkenner geläufig sein, deswegen fasse ich die Geschichte nur kurz zusammen : Wir haben Dorian Gray, der sämtliche Leute mit seiner Schönheit bezaubert. Als er eines Tages sein Gemälde erblickt, wünscht er sich nichts innigeres, dass ab sofort nur noch das Bild altert und nicht er. Wir haben Lord Henry, der seine Mitmenschen stets, durch seine atemberaubende Rhetorik, in seinen Bann ziehen kann. Und wir haben Basil, der Dorian Grays Porträt gemalt hat. Ich habe wirklich selten eine Romanverfilmung gesehen, in der gerade mal 3% des gesamten Films an den Roman erinnert. Ansonsten erinnert hier rein gar nichts an dieses fantastische Buch, insbesondere nicht das Aussehen des abscheulichen Hauptdarstellers. Dorian Gray soll die ultimative Schönheit verkörpern, wie soll das funktionieren, wenn der Hauptdarsteller nicht mal schön aussieht, sondern eher wie ein älterer Bruder von Tokio Hotel Frontmann Bill Kaulitz? Was ist außerdem nur in Colin Firth gefahren, hier mit zu spielen? Der sympathische Oscarpreisträger hat wirklich einiges auf dem Kasten und er spielt hier wirklich gut. Aber er spielt nicht Lord Henry. Lord Henry ist der mit Abstand herausragendste Charakter aus dem Roman. Nie zuvor hat es eine Figur geschafft, allein durch seine Rhetorik, mich wie ein Magier in seinen Bann zu ziehen, ohne sich dabei Gedanken zu machen, ob dass, was Lord Henry da sagt überhaupt der Wahrheit entspricht. Wo war der manipulative Zyniker hier? Genau, nirgends. Diese schäbige und unverschämte Romanverfilmung ist nichts weiter als ein laues Sexfilmchen, mit einem grottenschlechten Hauptdarsteller, der die Romanvorlage mit Füßen tritt.
Da es, wie bereits erwähnt, einer der schlechtesten Filme ist, die ich jemals gesehen habe, rate ich, nein, BEFEHLE ich jedem anständigen Filmfan, sich diesem Film niemals zu besorgen. Auch wenn man den Roman nicht kennt, wird man hier nicht viel geboten bekommen. Würde Oscar Wilde all das mitbekommen würde er aus seinem Grab steigen und alle existierende Filme und deren Verantwortliche beseitigen. Ruhe in Frieden Oscar, das hast du nicht verdient!
Fazit : Der "Uwe Boll" unter den Romanverfilmungen. "Das Bildnis des Dorian Gray" ist mit weitem weitem Abstand die schlechteste Romanverfilmung die ich jemals gesehen habe. Der Film ist einfach eine Sauerei und sollte eigentlich pflichtbewusst boykottiert werden.
1/10