Es kommt selten vor, aber diesmal trifft der deutsche Titel - trotz des verwendeten Anglizismus - den Nagel bzw. den Charakter des Films auf den Kopf. Anstatt des eher beliebigen "Couple retreat" gibt es hier "all inclusive" - wie beim Koma-Saufen, beim XXL-Menü oder "Schnitzel-Wettessen". Wenig gehaltreich, aber massentauglich.
Vor gut zehn Jahren sah das bei Jon Favreau und Vince Vaughn noch anders aus, als sie 1996 zusammen "Swingers" drehten, auch nach einem Drehbuch von Favreau. In der Geschichte von fünf jungen Männern, die in Hollywood Karriere machen wollten, gab es auch Frauen und Fun, aber genauso Erfolglosigkeit und Einsamkeit. Ohne die Tristesse dieses Lebens zu verheimlichen, gelang trotzdem ein lebensbejahendes, optimistisches Werk. Davon ist "All inclusive" meilenweit entfernt, denn hier werden Probleme nach dem Reissbrettprinzip entwickelt, zudem noch aus einer sehr männlich unreflektierten Sicht.
1. Die Männer :
Die vier Protagonisten sollen verschiedene Typen repräsentieren, sind letztlich aber nur eines - bürgerliche Männer ab 40, denen man den Wohlstand ansieht. Dass Vince Vaughn groß und etwas kräftig, Favreau untersetzt, Jason Bateman schmal und blass und Faizon Love dick und schwarz ist, sind nur äußerliche Unterschiede, die nicht darüber hinwegtäuschen können, dass sie alle eine ähnlich konservative Einstellung zum Leben und den Frauen haben.
Alle anderen Männer, die in diesem Film vorkommen, sind entweder schwul, schmierig und durchtrainiert, pseudo-Intellektuell oder verrückte Franzosen (Jean Reno). Man(n) könnte das noch wohlwollend für ein komisches Panoptikum halten, wenn sich die vier Protagonisten nicht so verflucht ernst nähmen, woraus sich auch die zweite Typisierung ergibt :
2. Die Frauen :
Hier wird gar nicht erst versucht, so etwas wie Individualität oder Unterschiedlichkeit vorzutäuschen, denn alle Frauen in diesem Film sind sehr schlank, attraktiv und bis auf zwei Ausnahmen noch unter 30. Charakterliche Unterschiede sind ebenfalls nicht zu erkennen, denn selbstverständlich wollen sie gute Mütter sein, ihren Mann unterstützen und das Heim schmücken. Das sie eine tadellose Figur im Bikini machen, hindert die vier Herren der Schöpfung nicht im geringsten daran, ihre weniger knackigen Körper ins rechte Licht zu rücken. Fast skurril wirkt das, als sie irgendwann auf der "Single"-Insel landen, wo eine direkt aus einer Modelagentur gecastete Statistenschar den Hintergrund abgibt. Mit Verve stürzt sich Favreau auf die jungen Gespielinnen, die scheinbar nichts sehnlicheres erwarten konnten, als einen mittelalten, ehemaligen Footballspieler zu beflirten.
3. Die Paare :
Hier hat man sich in der Zusammensetzung von Männlein und Weiblein ein wenig mehr Mühe gegeben und tatsächlich vier Typen der Paarbindung ausgegraben :
3.1. das glückliche Paar, das dank Kindern und Beruf zu wenig Zeit für sich hat,
3.2. das glückliche Paar, das dank unerfüllten Kinderwunschs unglücklich zu werden scheint,
3.3. das unglückliche Paar, das wegen der Tochter äußerlich Glück vorgaukelt,
3.4. das geschiedene Paar, dass sich trotz drei Jahre Ehetherapie nicht mehr zusammenraufen konnte, weshalb er sich zum Trost eine 20jährige Gespielin zugelegt hat
Diese vier Paare befinden sich gemeinsam auf einer paradiesischen Insel, wo ihnen mit psychologischer Beratung und allerlei esoterischem Firlefanz die Paarprobleme ausgetrieben werden sollen. Wirklich gewollt hat das nur das Paar 3.2., das so hofft, noch Voraussetzungen für die Erfüllung ihres Kinderwunschs zu schaffen, anstatt sich uneffektiverweise zu trennen. Die Anderen sind mitgekommen, weil es nur Gruppentarife gibt, die selbstverständlich rabattiert sind, womit wir wieder bei "all inclusive" sind.
Dave (Vince Vaughn), als männliches Mitglied von Paar 3.1. will hauptsächlich fressen, saufen und schlafen, und ist genervt von der Psycho-Beratung, die seinem glücklichen Familienleben Probleme einreden will. Joey (Jon Favreau) und Lucy (Kristin Davis), Paar 3.3., haben sich schon lange nichts mehr zu sagen, weshalb sie jede Gelegenheit nutzen, um Sex mit anderen Partnern zu bekommen. Vor allem Favreau mit seiner Dauerlatte und einer eindeutigen Aufforderung an die (europäische) Masseurin, schießt damit weit über ein realistisches Verhalten hinaus, als hätte er nur noch Samenstau im Hirn. Paar 3.4. existiert im Film lange nicht, da sich Shane (Faizon Love) noch mit der 20jährigen Trudy (Kali Hawk) plagt, die altersgerecht nur Fun will, während er als 40jähriger gesetzter Mann da nicht mehr mitkommt. Die Verlogenheit dieser Konstellation zeigt sich daran, dass die Darstellerin der Trudy nur wenig jünger ist als die Ehefrauen der Paar 3.1. und 3.2. . Während bei der Einen noch davon gesprochen wird, ihr lieber ein "Hallo Kitty"-Buch zu schenken, sind die anderen schon seriöse Ehefrauen - qualifiziert quasi durch Ehegelübde und Kinderwunsch.
Einen kurzen Moment tut der Film so, als ob er die Probleme seiner Protagonisten ernst nimmt. Überforderung im Alltag, Erwartungshaltung der Partner oder Sprachlosigkeit im Miteinander werden von diversen Psychologen angesprochen. Und auch wenn echte Probleme, wie totale Entfremdung, gegenseitige Unattraktivität oder richtiger Streit nicht vorkommen, hätte man damit einem Komödienstoff zumindest etwas Tiefe geben können. Doch letztlich wird hier alles nur zur Lachnummer und die Probleme lösen sich wie von selbst.
So oberflächlich und vorhersehbar hier alles - mit dem gewohnten Witz gegenüber Randfiguren - entwickelt wird, könnte man den Film noch als "All inclusive"-Mahl konsumieren - nicht besonders befriedigend, aber ausreichend für die abendliche Ablenkung. Doch hier wird nicht einfach eine lustige Geschichte über Liebesprobleme erzählt, sondern unterschwellig ein reaktionäres Weltbild transportiert, dass jedem Anderssein misstraut, intellektuelle Gedanken als Geschwätz diffamiert und nur in der klassischen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau das Heil sieht. Ihnen wird ein kurzes Abweichen vom rechten Weg erlaubt, aber letztlich widersagen sie der Versuchung - da hilft nur noch Koma-Saufen (1/10).