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2. Staffel

2. Staffel

Es wird eng für Nucky Thompson, gespielt von Steve Buscemi. Der bestens vernetzte Bezirkskämmerer, der blendend am Alkoholschmuggel verdient, hat seine Stadt Atlantic City eigentlich fest im Griff und ist auch darüber hinaus politisch wie auch in kriminellen Kreisen bestens vernetzt. Doch dann wird er wegen Wahlbetrugs verhaftet, weil seine Gegner in Atlantic City die mächtige Graue Eminenz ausschalten wollen. Hinter dem Komplott stecken nicht nur der einstige Förderer Nuckys, der Commodore, sondern auch von sein Bruder, den Nucky soeben wieder zum Sheriff gemacht hatte, und sein einstiger Schützling James Darmody, gespielt von Michael Pitt. Doch so schnell gibt sich Nucky nicht geschlagen, denn auch er hat noch mächtige Freunde und die Möglichkeit, neue Bündnisse zu schmieden.

Gelang es Nucky Thomson in der 1. Staffel noch, seinen Einfluss und seine kriminellen Machenschaften über seine Heimatstadt Atlantic City hinaus auszudehnen und mit dem mächtigen jüdischen Mobster Arnold Rothstein Frieden zu schließen, sieht er sich diesmal in der Defensive. Er muss verteidigen, was er sich durch den Alkoholschmuggel aufgebaut hat und sich der Angriffe mächtiger Gegenspieler erwehren. Der neue Grundkonflikt, der im Vergleich zur ersten Staffel anders gelagerte Aufbau, sorgt dafür, dass sich keine allzu große Routine einstellt, dass auch die zweite Staffel mit einigen Überraschungen punkten kann. Besonders brisant ist dabei natürlich auch die persönliche Ebene, auf der es Nucky mit seinem Bruder und seinem einstigen Schützling zu tun bekommt, die ihn hintergehen. So ist nicht nur die Handlung spannend, es wird durchaus auch dramatisch. Nicht so geglückt sind diesmal die Verbindungen zu Johnny Torrio und Al Capone in Chicago, zu Rothstein, Lucky Luciano und Meyer Lansky in New York, die in der Handlung punktuell aufgegriffen, dann aber auch oft wieder fallengelassen werden. Besser wird dagegen die Beziehung von Thompson und seiner Lebensgefährtin Margaret vertieft, während der Figuren-Funduns um ein paar durchaus interessante Charaktere erweitert wird. Besonders Thompsons neu geknüpfte Kontakte nach Irland sind vielversprechend, wenn sie denn in den folgenden Staffeln weiter vertieft werden sollten.

Inszenatorisch und auch darstellerisch bleibt dagegen alles beim Alten – und das ist gut so. Die HBO-Regisseure, viele mit „Game of Thrones“-Erfahrung, füllen auch hier ein opulent ausgestattetes und authentisch wirkendes historisches Setting mit Leben, katapultieren ihre Zuschauer auch durch die stimmige Musikauswahl in die wilde Prohibitionszeit, in die 1920er Jahre. Erzählerisch schwankt die Serie weiterhin zwischen episch und behäbig, leistet sich bei einer Laufzeit von über zehn Stunden aber nur wenige Längen. Die Serie wird vor allem durch Dialoge vorangetrieben, ist aber unterhaltsam, weil die Gespräche meist nicht allzu geschwätzig, sondern spannend sind und weil die Darstellerleistungen fesseln. So brilliert der charismatische Steve Buscemi weiterhin als Graue Eminenz von Atlantic City, während Michael Pitt einen unsicheren aber durchaus ebenbürtigen Gegenspieler verkörpert. Überzeugend sind weiterhin aber auch die restlichen Darsteller, insbesondere der humorlose Michael Shannon und Kelly Mcdonald, die als Lebensgefährtin Thomspons mit ihren beiden Kindern immer mehr zum emotionalen Dreh- und Angelpunkt der Serie wird.

Fazit:
In der zweiten Staffel geht es für Nucky nicht mehr darum, Macht und Reichtum zu mehren, stattdessen muss er verteidigen, was er sich durch Alkoholschmuggel aufgebaut hat und sich der Angriffe einiger mächtiger Gegenspieler erwehren. Das gestaltet die weiterhin darstellerisch und inszenatorisch auf höchstem Niveau gehaltene Staffel trotz kleinerer Längen spannend.

76 %

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