Review

„Im Namen des Herrn“ wurden in den letzten Jahrhunderten so manche Gräueltaten durch die katholische Kirche verübt und auch bei diesem spanischen Mystery-Horror kommt sie beileibe nicht gut weg.
Im Grunde ist die Prämisse sogar richtig gut, denn es geht um Propaganda aus dem Franco-Regime, zweifelhafte Heiligsprechungen und Marienerscheinungen, mit der ein Ehepaar aus der Jetztzeit konfrontiert wird.
Nur leider ist das Ganze dermaßen lahm umgesetzt, dass bereits zur Hälfte arge Ermüdungserscheinungen zutage treten.

Ärztin Francesca (Ana Torrent) scheint mit ihrem Neugeborenen ein wenig überfordert, da sie fast jede Nacht bei ihm am Bett verbringt und selbst im frisch bezogenen Anwesen kaum zur Ruhe kommt. Doch als sie und ihre Tochter Rosa vermehrt Geräusche vom Dachboden wahrnehmen und sogar Geistererscheinungen ausmachen, kontaktieren sie einen katholischen Psychologen, einen Spezialisten für übersinnliche Erscheinungen.
Dieser scheint mehr über das Geheimnis des Hauses zu wissen als er zugeben will…

An sich ist die Aufmachung gefällig. Der durchweg orchestrierte Score ist stimmungsvoll, die Farbgebung dem Grundton angemessen und zumindest von außen betrachtet, gibt das ländliche Anwesen, an einem Hang gelegen, eine Menge her.
Doch bei genauerem Hinsehen benötigt es nicht lange, bis annähernd sämtliche Versatzstücke klassischer Fluch/Spuk – Haus-Filme auftauchen: Von der Blutschrift an der Wand, über das entfernte Kinderlachen in der Nacht, dazu Geistererscheinungen wie aus Nebel und eine Menge undefinierbare Geräusche wie ein Pochen an einer Tür.

Dazu kommt der verwirrende Aufbau mit ständigen Wechseln zwischen Gegenwart und Flashback, bei denen es zunächst ein wenig schwer fällt, Zeitliches genau zuzuordnen und um letztlich festzustellen, dass eine alte Frau ein einschneidendes Erlebnis vor Jahrzehnten als einzige überlebte und nun am Haus der jungen Familie aufkreuzt.
Bei dieser handelt es sich hingegen um eine klischeehafte Ausprägung: Sie nimmt Übersinnliches wahr, er zweifelt an ihrem Verstand, bis der Psychologe auftaucht und Einblicke in geheime Aufzeichnungen gewährt, - natürlich ist es da bereits schon wieder fünf vor Mitternacht.

Somit kommt auch erst während der letzten Minuten ein wenig Tempo und gleichermaßen Spannung auf, ein kleiner Plot Twist weiß sogar noch halbwegs zu überraschen, doch bei alledem mag man sich schon denken, dass am Ende mindestens das komplette Haus brennen dürfte. Wie immer eben.
Dass die Darsteller dabei gar nicht mal so schlecht weg kommen, liegt weniger an den Figurenzeichnungen, sondern ist eher der Tatsache geschuldet, dass Profis wie Ana Torrent imstande sind, das Beste aus ihrer Rolle herauszuholen und sei sie auch noch so unscharf skizziert.

Regisseur Elio Quiroga hat mit „The Cold Hour“ bereits bewiesen, dass er durchaus imstande ist, mit einfachen Mitteln Spannung und Atmosphäre zu kreieren, doch mit diesem Streifen gelingt ihm das lediglich in Ansätzen.
Zu dröge ist die Handlung aufgezogen, zu uninspiriert erfolgen mystische Gegebenheiten und zu bemüht wirken einzelne Puzzleteile, um sie letztlich als Ganzes in Einklang zu bringen.
Trotz netter Einfälle ein lahmer Beitrag.
Knapp
4 von 10

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