Seltsam, wie das Einhalten von Genrespielregeln doch sehr wechselhafte Resultate produziert.
Denn welcher Mensch bei Trost, würde außer in einem Horrorfilm unheimlichen Geräuschen auf seinem Dachboden mitten in der Nacht statt bei Tage auf den Grund gehen? Mutterseelenallein? Noch dazu mit Taschenlampe, anstatt einfach mal das Licht anzumachen?
Derartige Verhaltensweisen sind unlängst zu Klischees geworden, funktionieren aber innerhalb einer Inszenierung bisweilen noch immer vortrefflich als Katalysator für Spannung und Beklemmung, wenn der Rest ebenfalls stimmt. Fehlt es dagegen der Story an Ideen oder ist die Umsetzung grundsätzlich uninspiriert, dann steigern diese Klischees oft lediglich die Langeweile und damit den Nervfaktor einer Produktion.
"No-Do" wirkt in seiner Gesamtheit überaus stimmig, was ein Grund sein mag, warum eben jene eingangs erwähnten Verhaltensweisen seiner Protagonistin Francesca (Ana Torrent) den Gesamteindruck nicht herunterziehen, sondern die unheimliche Wirkung der wahrlich schauerlichen Story vortrefflich befördern. Diese setzt sich, wie bereits manch ein Vertreter des spanischen Horrorfilms, mit der Institution der Kirche und den Untaten ihrer Vertreter zur Zeit des Franco-Regimes auseinander. Ohne Blutorgien oder Splatter transportiert der kluge Handlungsaufbau das echte Grauen, von den ersten rätselhaften Hinweisen bis hin zur entsetzlichen Auflösung.
Die Erzählweise ist entschleunigt, was sich nicht nachteilig auswirkt, sondern das dräuende Unheil noch bedrohlicher erscheinen lässt. Die Ästhetik ist umwerfend. Das Setting der Villa auf dem Land (im Film ein ehemaliges Sanatorium) liefert die ideale natürliche Umgebung für Quirogas (CG-)Spielereien mit Ektoplasma und morbiden Details, welche sich in "No-Do" wesentlich stimmiger zusammenfügen als noch in "The Cold Hour". Was die Atmosphäre noch dichter macht, ist die konsequente Verwendung (pseudo-?)dokumentarischen Filmmaterials, welches niemals aufgepfropft wirkt, sondern durch die Story selbst inhaltlich legitimiert wird.
Mysteriös, intelligent und visuell äußerst ansprechend ist "No-Do" ein herausragendes Beispiel dafür, dass es immer noch möglich ist, gute Horrorfilme zu drehen. Gleichzeitig entlarvt und deklassiert Quiroga mit seinem Film so manchen als Mittelmaß getarnten Genreabklatsch. Eine echte Perle eben.