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Der Suppentopf in der Gerüchteküche blubberte dereinst, dass Maurizio Merli bei der Premiere zu "Die Viper" wutschäumend das Kino verließ, nachdem er feststellte, dass Konkurrent Tomas Milian als buckliger Antagonist besser beim Publikum ankam als er als der gute Cop. Als Fan tut mir das irgendwie Leid. Andererseits bin ich aber auch Fan Tomas Milians und kann ihn postmortem zu der Rolle durchaus beglückwünschen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fans bin ich nämlich eine Jungfrau in Sachen Superbulle und über diese Rolle an den kubanischen Wahlitaliener gekommen, Schockverliebtheit inklusive.

Dass ich "Die Kröte", das Quasi-Spinoff zur Viper sehen musste stand fest, als ich von dessen Existenz erfuhr und die DVD von Filmart war meinem ersten fruchtigen Job sei Dank dann auch mein erster ehrlich verdienter Film, im Schweiße deines Angesichtes, Brot und soweiter. Kurz zuvor hatten mich sowohl "Das Schlitzohr und der Bulle" als auch "Die Gangster Akademie" etwas ernuchtert, während "Der Berserker" mich mit einer Ladung Schrot und Steinsalz vom Stuhl pustete und zum Sterben zuruckließ. Der Rachefeldzug des Krummrucken-Corleones kommt da nicht so ganz dran, zeigt uns aber sehr wohl, wo der Frosch die Locken hat. Und ja, der Spruch ist biologisch korrekt: alle Kröten sind Frösche. Umgekehrt ist dem nicht der Fall. Wo war ich stehen geblieben?

Bestimmt bei den Gebrüder Marrazzi, oder? Nicht? Egal, dann jetzt halt. Um die beiden Knastvögel in spe dreht sich nämlich der Film: Vincenzo, der ältere, psychisch labilere und in Sachen kriminelle Energie deutlich grausamere der beiden Brüder taucht in der Autowerkstatt, in der Sergio, der jüngere und großmäuligere der beiden, sein Sklavendasein als Mechaniker unter einem klassizistischen Pascha fristet, aus der Versenkung wieder auf. Bei einer Tour gen Straßenstrich offenbart der psychotusche Gangster, dass er mit einigen alten Freunden einen Bankraub plant. 

Der Habgier seiner Komplizen sei Dank endet der Überfall für Vincenzo angeschossen in der Kanalisation, wo er sich vor der Polizei versteckt und Rache schwört. Mit Hilfe der Prostituierten Maria und natürlich Brüderchen Sergio knöpft Vincenzo sich einen der Verschwörer nach dem anderen vor und ersinnt nebenbei gemeinsam einige Listen, um die Aufmerksamkeit der Polizei von sich zu lenken. 

Für einen Rachestreifen ist "Die Kröte" recht bleiarm. Und das ist auch gut so: die perfiden Pläne, die Umberto Lenzis Drehbuch dem Fiesling ins Ohr flüstert schlagen jede Schießerei um Längen und bringen eine neue Variable in die mittlerweile bewährte Milian / Lenz-Formel. Besonders Darsteller Luciano Catenacci alias Perrone wird als Drahtzieher des Komplotts übel mitgespielt. Apropos: neben dem guten Mann spielen mit Sal Borgese und Guido Leontini zwei weitere heimliche Stars des Italokinos mit: Borgese wird der ein oder andere Spencer / Hill - Fan aus diversen Filmen wiedererkennen oder dem ein oder anderen als Fabio Tesis Kollege in "Racket" bekannt sein, während Catenacci Milian bereits in "Der Berserker" zur Sau gemacht hat. Woher ich Herrn Leontini kenne fällt mir gerade nur leider nicht ein, aber das Gesicht ist bekannt.

Während im Vorgänger zumindest noch so getan wurde, als sei Milan der Böse ist hier außer Frage, mit wem Lenzi hier sympathisiert: der Kerl, der wenige Jahre zuvor mit "Mondo Cannibale" die filmgewordene Rassismuskeule des Grauens auf das Publikum niedergeschwungen hat zeigt sich hier überraschend liberal oder zumindest mit einer angenehmen Scheißegal - Haltung gegenüber gesellschaftlichen Außenseitern. Die Oberschicht wiederrum wird hier als Wurzel allen Übels entlarvt, deren dekadentes Leben den Durchschnittsbürger zu Kriminellen Höchstleistungen anspornt, um auch ein Stückchen vom klunkerbelegten Kuchen zu bekommen. Herr Marrazzi findet da mit seiner neuen Bande übrigens einen ganz eigenen Weg, um für etwas mehr Empathie auf Seiten der Reichen zu sorgen. Der Punk in mir reckt immer noch gröhlend die Faust hoch.

Milian als doppeltes Lottchen macht eine so gottverdammt gute Figur, dass ich en Film vor gut 13 Jahren fast jedes Wochenende im Player hatte und sei es nur, um meine Lieblingsszenen Revue passieren zu lassen. Im übrigen muss ich auch hier massiv den Synchronbonus walten lassen, die von der hohen Spruch dichte einmal abgesehen mit Randolph Kronenberg, dem späteren Sprecher Eddie Murphys, als Leihorgan für Tomas Milian aufwartet: a Match made in Heaven! Aber ob synchronisiert oder OmU: "Die Kröte" ist und bleibt nicht nur eine Perle seines Genres, sondern auch aus Lenzis Filmographie, 

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