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An Bord eines Fluges von Thailand nach Deutschland stirbt ein Fluggast an einem mysteriösen Virus, woraufhin weitere Passagiere erkranken und zum Teil versterben. Die Behörden lassen die Maschine auf einem alten Militärflughafen landen und stellen sie umgehend unter Quarantäne. Während das Virus im Minutentakt mutiert und die Chancen, innerhalb der nächsten Tage ein Gegenmittel zu finden, sinken, zieht man nach und nach ernsthaft in Erwägung, die Maschine mitsamt der Insassen in die Luft zu sprengen, um eine Pandemie zu verhindern.

Mit "Crashpoint" startete die Prosieben-Reihe "Thrill-Time" verhältnismäßig viel versprechend, woraufhin eher mittelmäßige bis unterdurchschnittliche Werke folgten, darunter alte Wiederholungen wie "Tornado - Zorn des Himmels" oder "Der Abgrund - Eine Stadt stürzt ein", aber auch Premieren wie "Killerjagd" oder "Tod aus der Tiefe". Mit "Faktor 8" näherte man sich nun einem beliebten Thema für Thriller und Horrorfilme, einer möglichen Pandemie, liefert aber trotz der abgenutzten Grundidee den bisher besten Film der Reihe ab und darüber hinaus eine der besten deutschen TV-Produktionen der letzten Jahre, die mir als Genre-Fan besonders gut gefallen hat.

Nach einer provisorischen Exposition, in der die weitestgehend klischeehaften Charaktere kurz vorgestellt werden, startet "Faktor 8" umgehend mit dem ersten Todesfall durch und steigert die Spannung von da an praktisch permanent. Dies ist vor allem auf die gespannte Atmosphäre zurückzuführen, die Regisseur Rainer Matsutani im Grunde durchgehend aufrechterhalten kann. Die klaustrophobische Atmosphäre des Flugzeugs, das sowohl in der Luft, als auch anschließend am Boden nicht verlassen werden kann und für die Fluggäste von Anfang an Infektionsquelle und Todesfalle darstellt, wird perfekt eingefangen und so zünden die Konflikte, die sich innerhalb des arg begrenzten Raumes abspielen, voll und ganz. Auch die hilflose Situation der Passagiere, über deren Überleben nun von Außerhalb entschieden wird, kommt voll zur Geltung und treibt den Spannungsbogen noch weiter auf die Spitze.

Ein zweites großes Plus des Films sind die Darsteller, die ihre stereotypen Charaktere derart überzeugend verkörpern, dass das Schicksal der Figuren dennoch zu fesseln vermag. Besonders gut ist dabei Muriel Baumeister, die seit Jahren in den verschiedensten deutschen TV-Produktionen zu sehen ist, in der Rolle einer Psychologin, die sich zusammen mit ihrer Tochter (ebenfalls hervorragend von Emilia Schüle verkörpert) an Bord der Maschine befindet und die Sympathien ganz klar für ihre Figur gewinnen kann. Daneben sind auch die restlichen Passagiere der Maschine durchaus gut gespielt und auch Stephan Luca, der einen Mitarbeiter der Airline spielt, der Frau und Tochter an Bord des Flugzeugs hat, weiß zu überzeugen. Besonders einprägsam ist die Leistung von Routinier Andre Hennicke, der die Rolle des militanten Soldaten enorm stark meistert, wie man es beispielsweise auch von Ed Harris hätte erwarten können.

Das atmosphärische und darstellerische Potential nutzt Rainer Matsutani, der zuletzt unter anderem "Das Papst-Attentat" und mehrere "Tatort"-Episoden verfilmte, um einen wirklich spannenden Thriller aufzuziehen, der dramaturgisch vollkommen glatt abläuft und trotz seiner Kalkulierbarkeit praktisch permanent an Fahrt aufnimmt. Dabei ist auch die aufpeitschende musikalische Unterlegung des Geschehens, die den Plot noch stärker vorantreibt und den Adrenalin-Spiegel noch weiter steigert, sehr lobenswert und für eine deutsche TV-Produktion wirklich meisterlich gut. Was dann folgt, ist ein erschreckendes und durchaus überraschendes Ende, das so sicherlich kein Zuschauer erwartet hatte. Klischees, die beim Plot massenhaft verwendet werden und der mangelnde Realismus, der besonders beim praktisch im Minutentakt mutierenden Virus stark auffällt, fallen so praktisch kaum ins Gewicht.

Fazit:
"Faktor 8" ist sicherlich eine der besten deutschen TV-Produktionen des Jahres und erzeugt vor allem wegen der guten Darsteller, dem gelungenen dramaturgischen Aufbau, der die Spannung permanent vorantreibt und der dichten Atmosphäre atemlose Hochspannung, die auch durch einige Stereotypen in der Story und eine gewisse Kalkulierbarkeit kaum weicht. Hat mir als Genre-Freund sehr gut gefallen, ist aber auch ansonsten eine klare Empfehlung wert.

80%

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