Charlie Shepard (Joseph McKelheer) ist eine Art Prediger, der auf typisch amerikanische Art und Weise, also mit Theatralik und Klimbim, versucht den Menschen Gottes Wort zu überbringen und ihnen so ihr sauer verdientes Geld abzuknöpfen.
Zusammen mit Frau und Kind ist er in einem gottverlassenen Nest in Alaska gelandet wo er in lächerlichen Veranstaltungen versucht Wunderheilungen durchzuführen. Eines Nachts werden seine Frau und sein kleiner Sohn ermordet und Charlies Leben verändert sich.
Sechs Monate später ist von dem schmierigen „Prediger“ nicht mehr allzu viel übrig. Charlie haust in einem Wohnwagen außerhalb der Stadt und hadert mit Gott und der Welt. Eines Tages taucht die junge Sarah (Courtney Halverson) auf und bittet ihn, sich um ihren Vater zu kümmern, da dieser den Tod seiner Frau nicht verarbeiten kann.
Charlie willigt ein und reist mit Sarah in deren Heimatstadt. Dort angekommen trifft er auf Sarahs Bruder Luke (Cory Knauf) und muss feststellen, dass er in eine Falle gelockt wurde....
„Godspeed“ wurde damit beworben, einer der besten Indie-Filme des Jahres 2010 zu sein. Nach betrachten dieses Films von Regisseur Robert Saitzyk ist eindeutig klar, dass der Film unter finanziell nicht gerade üppigen Voraussetzungen gedreht wurde und auch auf Grund seiner ganzen Machart eindeutig dem Independent-Filmer-Lager zugeordnet werden kann. Inwieweit der Rest des Werbespruchs zutrifft muß jeder für sich selbst entscheiden.
Schaut man sich das dt. DVD-Cover an, dann werden hier bereits von vorneherein falsche Erwartungen geschürt, denn das Artwork suggeriert man habe es hier mit einem blutigen Action-Streifen zu tun, was leider so gar nicht stimmen will. „Godspeed“ ist vielmehr ein Drama mit Thriller-Elementen und einigen wenigen Action-Szenen geworden, dass auch nur in zwei kurzen Szenen gegen Ende wirklich den Blutzoll hält, den das Cover verspricht.
Die bloße Tatsache dass hier ein Drama vorliegt ist zwar noch kein Grund den Streifen grundsätzlich als schlecht zu bezeichnen, aber bereits nach wenigen Minuten Spielzeit bemerkt man die ersten Defizite. Die Story rumpelt sich ohne Gefühl für Timing und Übergänge langsam durch Charlies missglückten Wunderheiler-Auftritt, Auseinandersetzungen mit seiner Frau, die Nacht bei seiner Geliebten um dann in den wirr inszenierten Mord an seiner Familie zu münden. Man hat dabei nahezu sofort das Gefühl, dass hier bestenfalls interessierte Laien hinter und teilweise auch vor der Kamera am Werk sind.
Nach einem längeren Durchhänger wird der Streifen erst wieder halbwegs interessant, als Charlie schließlich auf Sarahs Heimat-Farm mit dem durchgeknallten Luke konfrontiert wird. Inszenatorisch wird es von hier an besser und auch die Story kommt endlich in die Gänge. Nicht, dass man allzu viel erwarten sollte oder kann, die Handlung bietet weder neues noch überraschendes, dennoch fallen die anfänglichen unnötigen Nebenstränge der Handlung weg und es entwickelt sich zwar eine dürftige klischeebehaftete Story, aber immerhin ist diese als solche zu erkennen, deutlich zielgerichteter und auch spannender als alles was in ungefähr der ersten Hälfte der Spielzeit aufgefahren wird.
Manch Zuschauer mag vielleicht auch der ersten Hälfte des Films etwas abgewinnen können aber gerade die beiden so unterschiedlichen Filmhälften wollen nicht so ganz zusammenpassen. Es entsteht dabei ein wenig homogener Eindruck, der durch die Erwartungshaltung einen Action-Streifen zu sehen noch deutlich unterstützt wird.
Nicht nur die unterschiedlichen Filmhälften, die durch das Drehbuch nicht vernünftig zusammengeführt werden können, auch die Dialoge, speziell diejenigen von Sarah, als sie Charlie gegenüber sowas wie Liebe andeuten will, tragen dazu bei, dass „Godspeed“ insgesamt wenig unterhaltsam und flüssig abläuft.
Trotzdem ist hier aber nicht alles schlecht. „Godspeed“ kann mit einer guten Kameraarbeit aufwarten, die immer wieder der Stimmung entsprechend, kühle distanzierte Bilder einfängt. Ebenfalls positiv ist die Musikuntermalung, die bestens zu den tragischen Ereignissen und der Landschaft passt in der diese angesiedelt ist.
Auch schauspielerisch wird hier im Bereich der Hauptdarsteller auf solidem Niveau agiert, einzig Cory Knauf ist als Pampa-Messias der Dorfjugend etwas over-the-top aber durchaus intensiv unterwegs. Bedenkt man, dass man es hier größtenteils mit Schauspiel-Neulingen oder auch Amateuren zu tun hat, dann kann man mit dem gesehenen zufrieden sein.
Fazit: „Godspeed“ ist kein großes Kino und nicht einmal wirklich überzeugendes Indie-Kino geworden, dennoch hat der Streifen seine Momente. Das Mainstream-Publikum dürfte daran aber wenig Freude haben.