Der Hype läuft heiß, die Fortsetzungen stehen in Reihe und die Fans machen es ihnen nach - wohl nichts wird den Erfolg der vier Twilight-Verfilmungen nach Stephenie Meyers Romanen aufhalten können.
Selbst die visuell praktisch werkgetreu an der Vorlage klebende und damit trist-grau und äußerst eckige Verfilmung des ersten Bandes machte die Zuschauer rasend, was angesichts der Verkaufszahlen der Bücher wohl kaum eine Überraschung war - die Reihe hat schlichtweg einen Nerv getroffen.
Doch all das viele eingespielte Geld konnte nicht verhindern, daß Regisseurin Catherine Hardwicke nach ihrem sperrigen Beitrag gegen den eher humorvoll begabten Handwerker Chris Weitz ausgetauscht wurde (wenn es auch offiziell Terminschwierigkeiten waren), der zuletzt "The Golden Compass" nicht eben zur Brillianz verhelfen konnte. Doch "Twilight" ist kein fx-überladenes Big Budget-Kino, sondern im Grunde eine an klassische Vorbilder angelehnte Herzschmerzstory, deren Taschentücherniveau nicht zu unterschätzen ist.
Also waren behutsame Veränderungen absehbar und Weitz ging offenbar mit einem weltmännischeren Anspruch an die Verfilmung, wollte die Seele der Vorlage einfangen und die Zugänglichkeit für die breite Masse steigern.
Das zeigt sich in vielen kleinen Szenen in der Fortsetzung "New Moon", die sich, ähnlich dem Vorgänger, relativ eng an die Geschichte des Buches hält, um allerdings eine Reihe von Detail- und Hintergrundschilderungen zu verändern oder wegzulassen, die für den Dreieckskern, der stark nach "Romeo und Julia" riecht, nicht vonnöten waren.
Hardwickes Film war tonal sehr vorlagengetreu und damit statisch, mit angezogener Handbremse inszeniert und mit großen, langgezogenen Szenen scharf beschnittenen Dialogs, die die inneren Monologe der Hauptfigur Bella nicht einfangen konnten und deswegen manchmal sehr hohl oder eher peinlich wirkten, auch wenn die Figuren recht gut getroffen waren.
Für Weitz muß der Film aber als solcher funktionieren, also wählt er einen augenzwinkernden Ansatz und betont eine Reihe von kleinen ironischen Szenen oder Witzen, um mit dem Bierernst des Themas öfters mal zu brechen. Das wird den Twilight-Fans möglicherweise quer im Hals stecken, für das breite Publikum wird das Endprodukt jedoch erheblich zugänglicher, wenn das Ergebnis auch immer noch die Künstlichkeit einer Foto-Love-Story besitzt.
Die Story an sich wurde nur begrenzt angerührt: Bella und Vampir Edward sind ein Paar, doch ein Zwischenfall rund um einen Daumenschnitt provoziert die Vampire, die wolkenverhangene Kleinstadt Forks zu verlassen, so daß Bella allein zurückbleibt. Unfähig, den Verlust Edwards zu verwinden, wird sie erst depressiv und mutiert dann zur waghalsigen Lebensmüden, weil ihre Eskapaden eine Art Warnmechanismus in Gang setzen, in deren Folge Edward Bella bei Gefahr erscheint (das ist auch einer der wenigen Unterschiede zur Vorlage, wo Bella lediglich seine Stimme hört, während er im Film geisterhaft stets präsent ist - offenbar ein Zugeständnis an die Edward-Fans, die sonst die Hälfte des Films komplett auf ihn verzichten müßten). Erst die Freundschaft zu dem etwas jüngeren Indianer Jacob gibt ihr einen gewissen Lebenswillen zurück, doch alles verkompliziert sich, als offenbar wird, daß Jacob das Werwolfgen in sich trägt und zu einer vampirjagenden Bestie mutiert - um sich zusätzlich in Bella zu verlieben.
Erst als Bella scheinbar ums Leben kommt, kehren die Vampire in die Story zurück, indem Edward bemüht ist, von den Vampiroberen, den Volturi, in Italien gemeuchelt zu werden, was Bella natürlich verhindern will.
Es ist also ein wenig mehr los im zweiten Teil, obwohl es für eine Gesamtlänge von 130 Minuten immer noch deutlich zu wenig ist.
Da man aufgrund der Fans bemüht war, nicht zuviel hinzu- oder hinwegzulügen, konkurrieren die gefühlvollen Szenen jetzt also mit noch größeren Plotansprüchen, auch wenn wieder offenbar wird, wie dürftig, klischeehaft und banal eigentlich die Geschichte ist, die Stephenie Meyer hier verfaßt hat.
Also viel Edward zu Beginn, dann viel Jacob und am Ende wieder Edward, um dann mit allem auf einmal abzuschließen, das ergibt ein leicht holpriges Filmerlebnis, vor allem weil Taylor Lautner als Jacob trotz größtem Bemühen nicht immer überzeugend in der Romantikstory unterkommt. Viel zu gedehnt und überzogen wirkt der Mittelteil der Story, zu zäh und künstlich bemüht der Konflikt, in dem sich Junge und Mädchen befinden, obwohl der Ausgang stets klar ist.
So arbeitet man sich durch drei sich völlig unterscheidende Drittel in Sachen Ton, Tempo und Storyart, damit auch ja jeder Fan halbwegs zufrieden ist.
Diese Zwiespältigkeit kann man kaum Regisseur Weitz anlasten, denn Oscarmaterial liegt hier einfach nicht vor, weder als Buch noch als Skript, also packt man rein, was geht und hofft auf allgemeine Zufriedenheit. Daß es natürlich einen Regisseur auszeichnet, wenn er die Flachheit durch seinen Inszenierungsstil ausgleichen kann, ist zwar wahr, trifft aber auf Weitz nun auch wieder nicht zu.
Akzeptabel jedoch die Weiterführung der Figuren, die keine Brüche zuläßt und mit den Werwölfe die Figurenpalette noch interessant erweitert, von den Volturi ganz abgesehen, auch wenn so manche TV-Serie in der Mythologie da mehr Substanz zu haben scheint.
Erfreulich, daß man auf die naßgraue Farbpalette hier in der alten Form weitestgehend verzichtet, Weitz entdeckt für die Twilightsaga endich einen besseren Farbstil und läuft nicht ein zweites Mal Gefahr, an visueller Anämie zu sterben.
Die eher billigen Geschwindigkeitstricks sind inzwischen auch Geschichte und man wendet sich unaufdringlichen Stunts und PC-Tricks zu, die eher überzeugen. Nur die computeranimierten Werwölfe sind wie in "The Golden Compass" eher übertrieben und unwirksam in Szene gesetzt, müssen aber nicht die ganze Story tragen.
Ganz so ernst will Weitz seinen Film aber wohl nicht genommen wissen, denn so oft wie er die Indianer ihre nackten Oberkörper präsentieren läßt, um im strömenden Regen die Sixpacks durch den Wald zu tragen, wirkt es schon fast augenzwinkernd homoerotisch und unterläuft damit die bisweilen peinlich-platten Beziehungs- und Schicksalsdialoge - nicht gut für die Die-Hard-Fans, aber wie gesagt, erfreulich abwechslungsreicher für Nicht-Buch-Fans.
Darstellerisch hängt der Film damit hauptsächlich an Kirsten Stewart, die durch die zeitweise Abwesenheit von Robert Pattinson durchaus einiges an Profil zurückgewinnen kann, was ihr im Debut gestohlen wurde. Lautner ist bemüht, es mangelt ihm aber an wirklichem Charisma, während ein eher amüsiert wirkender Pattinson in seinen Szenen den Film stiehlt.
Neben dieser Dreiecksgeschichte (die endlich in den Geschehnissen in Italien auch so etwas wie einen erkennbaren Höhepunkt besitzt, was der erste Film leider zugunsten einer banalen Storywendung ausließ), kommt alles andere etwas kürzer: der Papa, die Mitschüler, die übrigen Vampire der Familie Cullen und auch die Angreifer aus dem letzten Film, Victoria und Laurent, die sich hier noch kurz präsentieren, bevor zumindest Victoria den nächsten Film bestimmen wird.
"New Moon" ist ein agilerer Film geworden, bemüht um Farbe und Intensität, jedoch nicht in der Lage, die Mängel der literarischen Vorlage, dieses schmachtfetzigen Stückwerks (unbeachtet der erzielten Wirkung) aus Herzschmerzkolportage ganz auszugleichen, bietet jedoch mehr dramatische Aufs und Abs und bindet so den Zuschauer enger an seine leichte Überlänge mit Durchhängern im Mittelteil. Das Finale bietet dann noch einen hübschen Cliffhanger in Richtung dritten Film und entläßt den Zuschauer mit dem sicheren Gefühl, weitersehen zu müssen.
Tatsache ist jedoch: auch hier versäumt man bei Abwesenheit überhaupt nichts; sofern man jedoch ein Fan der Bücher ist und nicht sklavisch an den Buchstaben klebt, funktoniert dieser Film einen erfreulichen Tick besser. Vor allem bei Frauen. Eventuell auch in der schwulen Szene. Und beim Rest ist der Geduldsfaden um einiges entspannt worden. (4/10)