Die Schülerin Bella Swan hängt immer noch mit dem über 100 Jahre alten Vampir Edward Cullen rum, in den sie unsterblich verschossen ist (zur ganzen Vorgeschichte siehe "Twilight - Biss zum Morgengrauen"). An ihrem 18. Geburtstag kommt es im Hause der Cullens zu einem unschönen Vorfall mit Edwards Bruder Jasper, der sich auf Bella stürzt, als diese sich am Geschenkpapier schneidet, und nur mit vereinten Kräften von den Anwesenden zurückgehalten werden kann. Edward wird klar, dass er sich zu ihrer eigenen Sicherheit aus Bellas Leben heraushalten muss und verlässt zusammen mit seiner Familie Forks. In der Folgezeit bläst Bella aufgrund der Abwesenheit ihres Liebsten mächtig Trübsal, findet jedoch auch zufällig heraus, dass ihr Edward immer dann in Visionen erscheint, wenn sie sich leichtsinnig in lebensgefährliche Situationen begibt (don’t ask!). Der junge Indianer Jacob Black, der ebenfalls in das Mädchen verknallt ist, ist von der neuerlichen suizidalen Veranlagung seiner Angebeteten nicht gerade begeistert... und es stellt sich dann auch noch heraus, dass es sich bei ihm und dem Rest seines Stammes um Werwölfe handelt, die seit Urzeiten mit den Vampiren verfeindet sind. Da taucht Edwards Schwester Alice mit schlechten Nachrichten auf: Offenbar ist Edward seit einem Klippensprung Bellas dem Irrglauben aufgesessen, dass sie tot ist und hat vor lauter Gram darüber ebenfalls mit dem Leben abgeschlossen. Bella reist Edward nach Italien nach um zu verhindern, dass ihr Boyfriend bei den Volturi, den herrschenden Vampir-Obersten, vorstellig wird und diese dazu bringt, ihn von seinem Leiden zu erlösen. Was für’n Drama... Das beachtliche Einspielergebnis und die frenetischen Fan-Reaktionen allerorts haben den Machern hinter "Twilight" offenbar einen gehörigen Schub in Sachen Selbstvertrauen verpasst, oder wie sonst kann man sich beim Blick auf den Original-Titel von "New Moon - Biss zur Mittagsstunde" die Chuzpe erklären, die nötig gewesen sein muss, um die ebenso dünne wie breit ausgewalzte Vampir-Romanze aus der Feder von Stephenie Meyer mit dieser unvermeidlichen Fortsetzung nun allen Ernstes als "Saga" zu deklarieren? Zwar lässt die ziemlich ausladende Laufzeit von 125 Minuten darauf schließen, dass das zugrunde liegende Buch wohl recht vorlagengetreu adaptiert wurde, doch reicht das beileibe nicht aus, um der schwachbrüstigen, mit klischeehaften Versatzstücken ausstaffierten Geschichte guten Gewissens eine epische Dimension anzudichten. Die wahren Genre-Die Hards, die sich da wider besseres Wissen (und vielleicht auch nach Ansicht des ersten Films?) also dieses Mal etwas Substanzielleres oder gar einen "echten" Vampir-Streifen erhofft haben, dürften in Anbetracht des seichten Inhalts ergo erneut in die Röhre gucken... doch für die ist "New Moon - Biss zur Mittagsstunde" ja auch nicht gemacht, newa. Der für Catherine Hardwicke, die mit ihrem zaghaften Regie-Stil "Twilight" mindestens ebensoviel Schaden zugefügt hat, wie es das nicht mal mittelprächtige Skript von Serien-Autorin Melissa Rosenberg mit seinen vielen kruden und kaum vertuschten Details getan hatte, eingewechselte "American Pie"-Regisseur Chris Weitz ist folglich auch eher darum bemüht gewesen, passgenau an den Ton und den Stil des Vorgängers anzuknüpfen und um Himmels Willen bloß nicht die vornehmlich weibliche Fan-Base des ersten Kino-Streifens oder der Bücher zu vergrätzen. Angesichts der bedienten Zielgruppe ist es dann auch nicht wirklich verwunderlich, dass jeder noch so zarte Anflug echter Spannung von alles erdrückendem Gelaber und einer wahren Flut von Plattitüden zunichte gemacht wird. All die Mädels im Publikum, die schon den ersten Teil zum Hit haben avancieren lassen und immer noch zu jung sind, um es besser zu wissen, dürfen sich deshalb auch wieder auf oberflächliche Faksimile-Romantik, schlechte Dialoge und eine weitestgehend farbdessaturierte Optik, die prima zu der fahlen Blässe des männlichen Hauptdarstellers Robert Pattinson passt, freuen und alle angebrachten Kritik-Punkte an Form und Inhalt getrost ignorieren. Und ganz ehrlich, warum auch nicht? Jedem Tierchen sein Pläsierchen und was dem einen der "Herr der Ringe"-Marathon oder die "Saw"-Franchise am Stück ist, ist dem anderen eben die steril-jugendfreie Vampir-Porno-"Saga" ohne Fummeln und Reinhalten. Ziemlich schwer wiegt da allerdings doch der Umstand, dass sich Bellas Kumpel Jacob in "New Moon - Biss zur Mittagsstunde" (der Titel lässt es erahnen) glatt als Werwolf entpuppt und somit nach dem Vampir-Mythos nun unbedingt auch noch ein weiteres archetypisches Film-Ungeheuer geschändet werden musste. Die etablierten Regeln des Genres (Vollmond, anyone?) gelten hier natürlich genauso wenig, wie sie es für die Serien-eigenen Blutsauger tun, auch wenn Edward Cullen in der Traum-Sequenz zu Beginn jetzt auf einmal doch KEIN Spiegelbild hat... wie das? Da sich dieser aber bereits nach etwa zwanzig Minuten größtenteils aus der Handlung verabschiedet und erst kurz vor Schluss wieder auftaucht, könnten sich die Mädels, die nur deshalb ins Kino gegangen sind, um ihrem Teenie-Idol ein wenig hinterher zu schmachten, eventuell um die gelöhnte Kohle betrogen fühlen. Alle anderen nehmen hingegen wohlwollend zur Kenntnis, dass zumindest die Chemie zwischen Kristen Stewart und Taylor Lautner, die in Pattinsons Abwesenheit viele Szenen miteinander bestreiten müssen, eher stimmt als es bei Bella und Edward der Fall ist... wie blamabel für den Film, wenn die Liebes-Geschichte, auf der hier nun wirklich alles lastet und die eigentlich sowohl die emotionale als auch dramaturgische Stütze der Story sein müsste, einfach durch und durch unglaubwürdig ist. In dem Zusammenhang kann man ruhig auch mal betonen, wie schade es ist, dass wirklich gute Schauspieler wie Anna Kendrick, Billy Burke, Dakota Fanning und Graham Greene in eher belanglosen Nebenrollen mit wenigen Szenen verschwendet werden. Gerade die Kendrick ist doch wesentlich charismatischer als Kristen Stewart, die würde man sich eigentlich in der Bella-Rolle und somit als Star der Chose wünschen. Sei’s drum, die Zuschauer-Erwartungen haben Chris Weitz und Co auf die eine oder andere Art so oder so erfüllt, weswegen "New Moon - Biss zur Mittagsstunde", der die Nerven mit viel forciertem Herzschmerz und gewollter (aber eben nicht gekonnter) Tragik ganz schön strapaziert, für Nicht-Fans wiederum ein harter Brocken geworden ist. Bei objektiver Betrachtung kann man mit diesem recht offensichtlichen Füllsel-Film, in dem nicht viel von Belang passiert und der darum auch den Plot, ‘tschuldigung, die "Saga" nicht großartig vorantreibt, allerdings kaum wirklich zufrieden sein. So hat man zum Schluss auch eher das Gefühl, dass hier nur der Weg für den anstehenden dritten Teil "Eclipse - Biss zum Abendrot" geebnet werden sollte, in dem es dann etwas actionreicher zur Sache geht...
3/10