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"Diese Chemikalien bringen Sie nicht um, sie beeinträchtigen nur Ihre Lebensqualität!"

"Plastic Planet" beschäftigt sich mit Kunststoffen aller Arten, die uns alltäglich begleiten. Die Abhängigkeit von diesen wie auch die gesundheitlichen und ökologischen Folgen stehen bei dem Dokumentationsfilm im Mittelpunkt. Regisseur Werner Boote nutzt dabei eine moderne, Ich-Bezogene Erzählweise und handelt die Themen recht oberflächlich und einseitig ab.

Plastik ist nicht gleich Plastik. Die Kunststoffe bestehen aus verschiedenen Grund- und Zusatzstoffen. Maßgeschneidert können so die Eigenschaften des Kunststoffs an die unterschiedlichsten Anforderungen angepasst werden. Welche Stoffe dabei verwendet werden wird jedoch nicht veröffentlicht. So weiß weder die Industrie noch der Endverbraucher, welche eventuellen Gefahren von den Produkten ausgehen können.
Werner Boote offenbart nicht nur diese skurille Eigenheit der Produktion, sondern nimmt auch den Umgang und Verbleib der Kunststoffe nach ihrer Nutzung in den Fokus. So sind Bilder von Müllbergen und ganze Landschaften überhäuft mit Plastiktüten ein häufig sichtbares Mittel zur Veranschaulichung von ökologischer Zerstörung. Erst während einer fortgeschrittenen Laufzeit behandelt Boote die gesundheitlichen Folgen durch Plastik und geht gegen Ende auf Kollisionskurs mit der Plastikindustrie.

"Plastic Planet" differenziert nicht. Die zugegebenermaßen subtile Botschaft, dass die Konzerne und Hersteller von Kunststoffen Schuld an allem trägt, stellt sich keiner Gegenfrage. Nur kurz werden mögliche Alternativen angesprochen. Dass der Konsument für die Entsorgung von Plastik verantwortlich ist, steht nicht zur Debatte.
Boote versucht mit seinem Film den Pfad von Polemiker und Dokumentar-Unterhalter Michael Moore ("Sicko", "Bowling for Columbine") zu beschreiten. Dies gelingt ihm aber nicht. Zu trocken und verkrampft veranschaulicht er seine Themen, abseits von zynischen oder provokanten Kommentaren. Auch präsentiert Boote nur wenige, aussagekräftige Statistiken, die Vergleiche zulassen oder schockieren können.

Die Stärken von "Plastic Planet" liegen in seinen Einzelbildern. Beeindruckend inszeniert der Film eine Szene aus "Lawrence von Arabien" mit seinen Produktionsfolgen. Statt Sanddünen sieht man nur noch Felder voller zerfetzter Plastiktüten. Ähnlich offensiv ist die Visualisierung der Säuberung einer japanischen Insel von angeschwemmten Müll.

Im Gegenzug funktioniert die Aufklärung der alltäglichen Gefahrenstoffe durch Kunststoffe nur bedingt. Viele Interviews und Expertenmeinungen entkräften die Argumente gegen Plastik oder veranschaulichen sie nur oberflächlich. Naiv werden Schuldzuweisungen gestellt, die den falschen Personenkreis treffen. So liegt der Umgang mit Plastikmüll sicherlich nicht in den Händen der Industrie, sondern am Verbraucher.

Das sich auf Plastik, zumindest auf absehbare Zeit, nicht verzichten lässt, wird besonders durch den Kommentar, ein Problem nicht lösen zu dürfen indem man neue schafft, schnell klar. Zumindest erinnert "Plastic Planet" an einen verantwortungsbewussten Umgang mit Kunststoffen und deren artgerechte Entsorgung. Für eindringliche Statistiken und einen Ausblick bleibt der Dokumentarfilm allerdings zu kleinlaut. Und auch der der Zwang unterhalten zu wollen mißlingt durch die trockene, humorlose Präsentation.

5 / 10

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