"Ich dachte wir transportieren Baumaterial."
Im Jahre 2267 ist das Ökosystem der Erde zusammengebrochen und der Planet somit unbewohnbar. Die Menschheit bevölkert riesige Raumstationen, die allerdings hoffnungslos überfüllt sind. Die einzige Alternative ist der Planet Rhea, die Reise dorthin allerdings teuer.
Um sich die Reise nach Rhea zu finanzieren begibt sich die Ärztin Laura Portmann (Anna-Katharina Schwabroh) auf den Raumfrachter Kassandra. Für 4 Jahre sollen sie und die Crew den Flug zur Station 42 überwachen, immer einzeln für eine Dauer von 8 Monaten während sich die anderen in einer Tiefschlafphase befinden. Da sich terroristische Übergriffe vermehrt haben ist zusätzlich zur gewöhnlichen Mannschaft der Sicherheitsoffizier Samuel Decker (Martin Rapold) mit an Board.
Während Lauras Schicht hört sie öfters ungewohnte Geräusche aus dem Frachtraum und fühlt sich beobachtet. Sie weckt ihre Kollegen und stellt mit ihnen fest, dass sie weder zur Station 42 fliegen noch das erwartete Material mit sich führen.
Neun Jahre hat es gedauert bis "Cargo" das Licht der Welt erblickte, der erste Science-Fiction-Film produziert in der Schweiz. Mit einem recht übersichtlichen Budget von fünf Millionen Schweizer Franken präsentiert Ivan Engler eine hollywoodreife Bilderflut, lässt im Storytelling und Spannungsaufbau allerdings Mängel durchscheinen.
Die Optik ist wirklich bemerkenswert. Bei manchen Aufnahmen des Raumfrachters ist die Illusion zwar nicht völligst perfekt, die stets düsteren Bilder erwecken aber den Eindruck aus einem Guss zu sein. Bei der Inneneinrichtung des Raumfrachters zieht "Cargo" ordentlich Parallelen zu "Alien". Die spärlich beleuchteten Gänge voller dunkler Nischen, blinkender Lichter und einem labyrinthartigem Gewirr von Schächten unterstreichen dabei die Atmosphäre der Dystopie. Ebenso die realistischen Details, wie das nichtvorhandensein von Rauschgeräuschen der Antriebsdüsen im All.
"Cargo" ist ein gemächlicher Film, der eher selten auf vordergründige Schockeffekte setzt. Er scheut sich nicht längere Sequenzen aus dem täglichen Leben der Hauptperson zu zeigen. Zu Beginn funktioniert diese personenbezogene Nähe noch gut, mit der Zeit wird sie aber langweilig. Zu verschulden ist dies der oberflächlichen Figurenzeichnung. "Cargo" bedient sich vieler Klischees und bereits abgehangener Science-Fiction-Elemente. Spätestens die aufgesetzten Dialoge zerstören den anfänglichen Bezug zu den Figuren.
Neben den seelenlose Charakteren kann auch die Handlung nur selten mitreißen. Massig Handlungs- sowie Logiklöcher fallen direkt beim ersten sehen auf. Davon abgesehen verpufft jeder Versuch Tempo aufzubauen, denn der Ausgang von den meisten Ereignissen ist bereits wenige Minuten zuvor absehbar oder durch erwähnte Lücken nicht nachvollziehbar. Erinnerungen an den ähnlich schleppenden Science-Fiction-Film "Solaris" kommen hoch, auch wenn "Cargo" mit einer überaschenden, gleichzeitig aber unglaubwürdigen Auflösung zu punkten versucht.
Dazu gesellen sich dann auch noch handwerkliche Fehler, wie etwa der fehlende Atemdampf im kühlen Frachtraum sowie ein unbefriedigender Schluss mit offenen Handlungssträngen.
Schauspielerisch bietet "Cargo" absolutes TV-Serien-Niveau. Anna-Katharina Schwabroh hat sichtbar Schwierigkeiten in ihrem Debüt ihre Rolle zu verkörpern. Martin Rapold ("Tatort") kommt über erwähntes TV-Serien-Niveau nicht hinaus während der wohl erfahrenste Darsteller des Science-Fiction-Film Claude-Oliver Rudolph ("Die Welt ist nicht genug") nur wenige Momente zu verzeichnen hat.
"Cargo" ist visuell gelungen und kann seine klaustrophobische Atmosphäre zumindest ansatzweise vermitteln. Die Handlung hängt aber an sämtlichen Ecken und Enden, wirkt unfertig, geradezu lückenhaft. Spannung will da nicht aufkommen, gerade durch das durchgehend gemächliche Tempo. Spätestens das laienhafte auftreten der Darsteller und deren undurchdachte Dialoge zerstören die zu Beginn noch gut aufgebaute Stimmung des Films.
3 / 10