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Johann Rettenberger (Andreas Lust) führt ein Doppelleben: einerseits ein skrupelloser Bankräber, der in Wien und Umgebung Banken überfällt, andererseits ist er ein sehr erfolgreicher Marathonläufer, der mit den Besten in Europa konkurriert.
"Der Räuber" nach dem Roman von Martin Prinz beginnt im Knast, als Johann stoisch in der Pause seine Runden läuft. Er wird entlassen (er war wegen früherer Banküberfälle im Gefängnis), trifft seine Ex Erika (Franziska Weisz), die im Arbeitsamt arbeitet, zufällig wieder und bewirbt sich für neue Jobs. Doch seine Adrenalinsucht gewinnt bald die Oberhand und er überfällt wieder Banken. Und trotz der neu aufgeflammten Beziehung zu Erika und seiner Erfolge als Marathonläufer, führt sein Weg ins Desaster.
Adrenalin als Existenzvergewisserung, als Beweis dafür, noch am Leben zu sein . Banküberfälle aus Langeweile mit einem Maßband zur Pulsfrequenzmessung um die Brust geschnallt und der zufriedene Blick danach auf die Leistungskurve, die besonders beim Überfall ausschlägt. Sein Versuch, einmal einen Tag ohne Adrenalin (=Überfall) auszuhalten, scheitert nach kurzer Zeit an einer von ihm als erdrückend empfundenen Leere und Langeweile.
Johanns Leben, wenn man es so nennen kann, ist wirklich auf der Überholspur und für den einzigen Menschen, den er an sich heranlässt, eben Erika, nicht ansatzweise verständlich ist. Genausowenig für den Zuschauer und dennoch entwickelt Benjamin Heisenbergs Film von 2009 eine geradezu hypnotischen Sog. V.a. das letzte Drittel ist so energiegeladen, so rein kynetisch, wie ich es noch nie bei einem deutschen Film gesehen habe. Da nimmt "Der Räuber" den Zuschauer geradezu auf eine gleichnishafte Reise aus puren Bewegung mit.
Zugegebenermaßen macht die Figur, sehr glaubhaft von Andreas Lust verkörpert, es einem nicht leicht, sie zu mögen, zu verstehen und sich gar mit ihr zu identifizieren. Stellvertretend für uns ist es Erika, die die Unfasslichkeit seines Lebens mitbekommt und nicht begreift. Dadurch wirkt Franziska Weisz, die ich sehr hübsch und talentiert finde (und die später diese Rolle der verständnisvollen Frau eines Psychos in dem Film "Distanz" nahezu wiederholte), bzw.ihre Rolle etwas schal, ein geringer Minuspunkt an einem sonst sehr gelungenem Film.
Er beruht auf einer wahren Geschichte, die sich in Österreich in den 80ern abspielte.
Insgesamt dennoch eine insgesamt sehr sehenswerte Beschreibung eines Lebens abseits der "Normalität", die Geschichte eines Unangepassten, der sich nicht einfügen wollte und konnte und die lange im Kopf nachhallt. Haben die Ösis gut gemacht (mit deutschen Koproduktionsgeldern! Und neben Haderer und Seidl gibts da noch mehr zu sehen!). Angucken!

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