Die 80er waren vorbei, mit Teeniefilmen hatte man in diesem Jahrzehnt viel Knete gemacht, Bond zog immer – da lag es nicht fern beide Themen zu verbinden.
Ganz im Stile des Agenten mit der Doppelnull gestaltet sich die auch die internationale Krise, die sich anbahnt, denn ein Superbösewicht killt ganz nonchalant die europäischen Finanzminister weg. Dabei ist er, Augustus Steranko (Roger Rees), selbst einer von ihnen, doch die Kollegen stehen ihm bei der Unterschlagung von Europas Goldreserven im Weg, ebenso ein US-Top-Agent, der nach einer Gefecht mit Beinahe-Bondqualität ebenfalls dran glauben muss.
Wesentlich bodenständiger sind die Nöte des Teenagers Michael Corben (Richard Grieco), der am Highschoolabschluss vorbeischrammt, weil die Französischnote nicht stimmt. Ein Trip mit dem Schulkurs nach Frankreich soll die Note bringen, doch Michael hat nicht viel mit den einfühlsam erdachten Charakteren eines John Hughes wenig gemein: Ein cooler, leicht prolliger Typ, eine einfache, aber flache Identifikationsfigur, über die man nach kurzer Einführung nichts mehr erfährt.
Mit dem gleichen Flug soll ein Geheimagent gleichen Namens den ermordeten Spion ersetzen, doch auch der segnet das Zeitliche und man gibt Michael den Platz des anderen Michael. Aufgrund der Verwechslung muss sich der Teenager in Europa bald mit Agenten und Schurken herumschlagen…
An sich ist die von Fred Dekker erdachte Prämisse durchaus amüsant, doch die Vorlage kann der Film leider nicht verwandeln – unter anderem weil man hier mit einer Atemlosigkeit durch die kurze Laufzeit des Films hetzt, die keinen Moment, mag er nun spannend, actionreich oder witzig sein, so wirklich nachwirken lässt. Dabei ist die Verschwörung nicht mehr oder minder routiniert erdacht als so mancher Bondfilm, allerdings fehlt deren Komplexität, da man sich lieber für eine Spielfilmdauer von unter 90 Minuten und gegen großartige Plottwists entschied, was dem Film nicht gerade gut tut. Selten wird wirklich Spannung aufgebaut, Bösewichte und Helden stehen von Anfang an fest.
Richard Grieco ist auch nur mäßig glaubwürdig als Schüler, zumal der Film seine Muckis gerne zeigt, die eben mehr nach Fitnessstudio denn nach Schulsport aussehen, und mimisch war er eh nie der größte (die Karriere schmierte dementsprechend schnell ab). Schon besser ist Gabrielle Anwar als toughes Agentengirl, Veredelung für dieses B-Movie im A-Gewand bietet Linda Hunt als Schurkin in der Tradition Lotte Lenyas.
Der Originaltitel „If Looks Could Kill“ erinnert ein wenig an wenige Jahre zuvor erschienenen Bondfilm „A View to a Kill“, eine Gimmickbastlerwerkstatt Marke Q taucht auf und selbst im Teenalter stellt man den Agenten ein Wunderauto zur Verfügung. Irgendwo zwischen Parodie, Hommage und Rip-Off kommt „Teen Agent“ dann daher, gelegentlich sogar mit tollem Comedytiming (z.B. die verschiedenen Agenten, die sich als Busfahrer abwechseln), gelegentlich dann mit recht plattem Teeniehumor (z.B. wenn eine Killerin ihren Skorpion unterm eigenen Nachtgewand fühlt). Jedoch: Ein Brüller oder eine durchdachte Parodie ist „Teen Agent“ nicht, dafür folgt er Bondformel oft selbst zu genau und ironiearm.
Handwerklich gibt es eigentlich nichts zu motzen, sonderlich inspiriert ist William Dears Regie aber auch nicht, was vor allem bei den oft eher handzahmen Actionszenen auffällt, in den unser Schülerfrischling absurderweise besser schießt (aus der Hüfte) als trainierte Wachleute. Jedoch: „Teen Agent“ hat auch hier seine Momente, z.B. bei der Autojagd und dem etwas kurz geratenen Finale, alles vergleichsweise jugendfrei, aber doch ordentlich gemacht.
Oft scheinen Fred Dekkers Ideen auf dem Papier besser zu sein als in der Umsetzung (man denke an dem von ihm und seinem früheren WG-Kollegen geschriebenen „Monster Busters“): „Teen Agent“ könnte eine schicke Parodie oder flotte Teenaction sein, doch leider hetzt das Script nur durch Standardsituationen des Bondfilms, kopiert manche, parodiert andere, aber so richtig rund wirkt die Sache nie. Dank einiger gelungener Comedyeinlagen oder der einen oder anderen brauchbaren Actionszene rettet sich „Teen Agent“ gerade noch so ins Mittelfeld, aber so wirklich stolz kann hier keiner der Beteiligten auf seine Arbeit sein.