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Fabian Hinrichs spielt einen Bankangestellten, der finanziell gut abgesichert ist und darüber hinaus relativ gute Karrierechancen hat. Dies bedeutet ihm jedoch nichts mehr, da sich ein Bankkunde, dem er einen Kredit kündigen muss, vor seinen Augen erschießt. Von nun an gerät er mit einem alten Schulfreund, gespielt von Jürgen Vogel, in einen Strudel aus Gewalt und Kriminalität und versucht seine Ex, gespielt von Nora von Waldstätten, wieder für sich zu gewinnen.

Auch wenn "Schwerkraft" teilweise einer deutschen Antwort auf "Fight Club" gleichkommt, erhebt er doch keinesfalls den Anspruch darauf, eine solche zu sein. "Schwerkraft" ist bei weitem nicht so radikal wie David Finchers Kultfilm, hält die Ausschweifungen seines Protagonisten, der die Faszination der Gewalt, des Verbrechens, der Anarchie immer deutlicher erlebt, weswegen sie für ihn nach und nach zur Droge wird, im Bereich des Realistischen und bleibt so in den Grenzen des Bodenständigen, des Denkbaren, des Nachvollziehbaren. Aber gerade deswegen fragt sich, weswegen Maximilian Erlenwein seinen Film derart kalt und unnahbar umsetzt.

Dabei ist die Charakterkonstruktion durchaus gut gelungen. Der Protagonist, der wohl mangels Alternativen, oder, weil er nie so recht wusste, was er eigentlich vom Leben will, eine Laufbahn bei der Bank gestartet hat, wird wach gerüttelt, als sich der Familienvater vor ihm erschießt. Zwar ist es auch die Reue, die es ihm unmöglich macht, seinen Job weiterhin mit der Motivation auszuüben, die er zuvor hatte, aber sein Ausbruch aus seinem bisherigen Leben hat wesentlich vielschichtigere Ursachen. Er will sich nicht weiter gängigen Konventionen unterordnen, er sucht nun Adrenalin, Gewalt und Selbstzerstörung.

Allerdings mangelt es dann, wie bereits erwähnt, bei der Umsetzung des Stoffs. So ist "Schwerkraft" sehr träge erzählt, sodass er nie so recht an Fahrt aufnimmt und mitunter recht zäh verläuft. Dabei ist die düstere, triste Inszenierung mit ihren dunklen Bildern zwar durchaus stimmig gewählt und bietet der Entfremdung des Protagonisten einen passenden visuellen Grundeindruck, sorgt aber auch dafür, dass "Schwerkraft" enorm distanziert erscheint und damit auf dramaturgischer Ebene recht unglücklich gerät und es dem Zuschauer sehr schwer macht, sich in Handlung, Geschichte, kurz: den Film einzufinden. Selbiges gilt für die Musik, die den unzugänglichen Grundtenor ebenfalls verstärkt.

So bleibt der Unterhaltungswert leider auf der Strecke. Außerdem setzt sich der Film in der zweiten Hälfte mit der Kombination aus dem selbstzerstörerischen Anarchie-Trip und der langsam erzählten Liebesgeschichte etwas zwischen die Stühle und erscheint so noch etwas holprig erzählt, zumal auch die Beziehung zwischen der Hauptfigur und seinem Einbrecher-Kollegen nicht richtig deutlich wird. Damit scheitert der Film, der bei den Gewaltszenen ruhig ein klein wenig radikaler hätte sein können, zumindest an den eigenen Ansprüchen, wenn auch nicht auf ganzer Linie.

Da die Inszenierung nicht so recht an Fahrt aufnimmt, liegt es über weite Strecken an Fabian Hinrichs, den Film zu tragen und dies gelingt ihm nach besten Möglichkeiten. Als Bankangestellter und Karrierist wirkt er durchaus glaubhaft und leistet sich keinerlei Fehler, während er seinen Charakter auf dessen Raubzügen und bei seinen Gewaltexzessen beängstigend gut, suspekt und undurchsichtig spielt, dabei aber auch zu jedem Zeitpunkt authentisch bleibt und damit nach "66/67" und "Sophie Scholl" erneut internationale Klasse zeigt. Daneben überzeugt auch Jürgen Vogel mit seiner gewohnt charismatischen Art und löst seine Aufgabe routiniert, während es auch am restlichen Cast rein gar nichts auszusetzen gibt, wobei besonders Nora von Waldstätten als Jugendliebe des Protagonisten und Thorsten Merten als Chef der Bank positiv hervorzuheben sind.

Fazit:
"Schwerkraft" ist ein ordentlich konstruiertes Portrait eines Bankangestellten, der die Faszination an einem Leben jenseits der Konventionen, in Gewalt und einem bisschen Anarchie entdeckt und daher aus seinem bisherigen ausbricht. Leider ist der Film, der durch die hervorragende Vorstellung von Fabian Hinrichs über weite Strecken getragen wird, sehr unterkühlt und distanziert inszeniert und recht zäh erzählt, sodass er unnahbar und nicht allzu unterhaltsam gerät. Ein ganz netter Versuch, mehr aber nicht.

50%

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