Mikkel Bratt Silset spielt einen Jugendlichen, der zu seinem 16. Geburtstag von seiner Mutter einen Stapel Briefe überreicht bekommt, die sein Vater kurz vor seinem Ableben vor elf Jahren verfasst hat. In den Briefen dreht es sich um das geheimnisvolle Orangenmädchen, dass sein Vater während seines Studiums in einer Straßenbahn kennen lernte, in das sich dieser schlagartig verliebte.
Feel-Good-Filme haben es oftmals nicht leicht. In aller Regel befinden sich die betreffenden Filme auf einem schmalen Grat hin zu aufdringlichem und belanglosem Kitsch, kommen aber auch nicht ohne eine gefühlvolle Atmosphäre und einen relativ glatten Verlauf mit Happy Ende aus, weil die Klientel sonst vernachlässigt wird. Um gelungene Unterhaltung sichern zu können, wird daher oftmals auf ein wenig Humor zurückgegriffen, wobei die Meisterwerke des Genres, wie etwa zuletzt "Slumdog Millionär", oftmals auch ohne auskommen. Und auch die deutsch-norwegisch-spanische Gemeinschaftsproduktion "Das Orangenmädchen" ist wohltuend zurückhalten umgesetzt und verzichtet auf überzogenen Kitsch oder deplatzierten Humor. Schade, dass das ambitionierte Projekt im Endeffekt dennoch scheitert und nicht übers graue Mittelmaß hinauskommt.
Zunächst einmal hätte "Das Orangenmädchen" wohl mehr als ein reines Feel-Good-Movie werden sollen. Im Mittelpunkt steht nämlich der Vater des Protagonisten, der seinem Sohn kurz vor seinem Ableben die Briefe rund um ihn und seine große Liebe mit auf den Weg gab, in der Hoffnung, dass die aufgeführten Erfahrungen und Lebensweisheiten ihn weiterbringen würden. Allerdings wirken die besagten Weisheiten eher pseudo-philosophisch und nichts sagend, sodass "Das Orangenmädchen" in dieser Beziehung keinen allzu hohen Anspruch erreicht, bzw. ein stückweit am eigenen scheitert.
Dass die Briefe der Hauptfigur, die scheinbar nach wie vor unter dem Tod des Vaters, an den sie sich kaum noch erinnern kann, zu leiden hat, zumal sie das Trauma nicht einmal im Ansatz verarbeitet und überwunden zu haben scheint, weiterhelfen, ihm bei der Selbstfindung hilfreich sind und ihn fast schon in ein neues Leben verhelfen, geht klar aus dem Film hervor und ist durchaus solide konzipiert, auch wenn der schnelle Wandel dann doch ein wenig unglaubwürdig daherkommt. Unterm Strich mangelt es aber auch dem Hauptcharakter an einer gewissen Tiefe und so kann sich "Das Orangenmädchen" des Eindrucks kaum erwehren, dass das Geschehen relativ substanzlos ist und dies gilt auch für den relativ minimalistischen Plot, der zwar auf zwei verschiedenen Zeitebenen vorangetrieben wird, aber doch mit Leichtigkeit auf einem Bierdeckel zusammenzufassen wäre.
Alles Weitere ist jedoch nicht schlecht gelungen, so können unter anderem die Darsteller punkten. Mikkel Bratt Silset bringt die Hauptrolle solide auf die Leinwand und ist in der Rolle des relativ reservierten Jugendlichen nicht schlecht besetzt, während Annie Dahr Nygaard in der Rolle des Orangenmädchens mit ihrem bezaubernd/geheimnisvollen Charme kaum besser besetzt sein könnte. Dazu gesellen sich weitere, ordentliche Darsteller, an deren Leistungen es wenig auszusetzen gibt, so ist Harald Rosenstrom als Hals über Kopf verliebter Student darstellerisch überzeugend und überaus sympathisch, was auch für Emily K. Beck gilt.
Auch inszenatorisch wird keine schlechte Arbeit geleistet. So werden die beiden Plots solide verknüpft, dazu dann schnell und glatt erzählt, sodass "Das Orangenmädchen" durchaus unterhaltsam verläuft, was angesichts der kurzen Laufzeit im Grunde auch selbstverständlich sein sollte. Visuell machen besonders die norwegischen Skanden und Sevilla sehr viel her, hinzu kommt der seltene Einsatz von Filmmusik, der den Film sehr ruhig wirken lässt, aber das, was zu hören ist, ist stimmig gewählt und unterstreicht die emotionale Atmosphäre gelungen, ohne wirklich aufdringlich zu wirken. Einzig und allein die mitunter recht unbeholfenen Dialoge trüben den Gesamteindruck deutlich.
Fazit:
"Das Orangenmädchen" ist einfach zu substanzlos, als dass es über das Mittelmaß hinauskommen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen könnte, funktioniert jedoch als ruhiges, getragenes Feel-Good-Movie mit seinen sympathischen Darstellern und seiner versierten Inszenierung durchaus. Kann man sich ansehen, muss man aber nicht.
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