Es ist einer der letzten Filme mit Brittany Murphy, die im Dezember 2009 verstarb und von ihrer Muter bereits bewusstlos in der Dusche aufgefunden wurde.
Klar, dass der Verleih das Cover zu diesem Streifen zurückzog, welches Murphy in eindeutiger Pose an einem Wannenrand zeigt, woraufhin allerdings erst recht das allgemeine Interesse anstieg.
Der Streifen selbst kann diesbezüglich allerdings keine Offenbarung leisten, denn über einen soliden Mindfuck mit Spukhaus-Anleihen kommt man im Schnitt nicht hinaus.
Murphy verkörpert die Rolle der schwer traumatisierten Autorin Alice, die sich nach den schweren Übergriffen ihres Ex in ein abgelegenes Herrenhaus zurückzieht und auf Inspiration hofft, um ihre Schreibblockade zu überwinden.
Bei Erkundungen im Haus entdeckt sie eine Kiste mit Videobändern und sichtet diese am Notebook: Vor ihr hat das Paar David und Lucy hier gewohnt, deren Beziehung sich im Verlauf dramatisch zugespitzt hat…
Vielleicht werden einige Zuschauer mit der Erwartung herangehen, über die Rolle Murphys auch etwas über den Menschen dahinter zu erfahren, denn so abwegig ist das nicht unbedingt bei einer Figur, die fast völlig einsam ins freiwillige Exil wandert, um zu sich selbst zu finden.
Und zumindest bietet der Streifen einige Ansätze, die recht freie Interpretationen zulassen könnten, auch wenn es sich natürlich nach wie vor um fiktiven Stoff und eine Filmfigur handelt.
Schließlich muss Murphy fast die komplette Handlung im Alleingang bestreiten und bei einem so starken Fokus kommen abwegige Gedanken von ganz allein.
Leider bleibt die Figur der Alice ein wenig auf der Strecke, da man erst spät ein wenig über ihre Vergangenheit erfährt und auch nur Bruchstücke preisgegeben werden, die das schwere Trauma nachvollziehbar werden lassen.
Vielmehr lebt die Stimmung zunächst vom Herrenhaus und der Art, in der es phasenweise recht eindrucksvoll düster eingefangen wird.
So erscheint das Interieur stets voller Schatten zu sein, besonders eine Szene während des Schreibens fällt auf, als Alice vor ihrem Schreibtisch am Fenster sitzt, während der komplette Raum dunkel erscheint.
Ähnlich stilvolle Momente finden sich einige, die auf Dauer ein wenig von der nicht so originellen Handlung kaschieren können.
Diese bietet im Grunde zwei Geschichten, da zwischenzeitlich immer wieder die Beziehung zwischen Lucy und David eingebettet wird. Dabei wird der Doku-Charakter der gefundenen Tapes schnell abgelegt, indem man jene Interaktionen eher im Format eines Flashbacks einbindet und auf die Sicht der Handkamera verzichtet, - also zwei Geschichten erzählt, die sich optisch nicht sonderlich voneinander unterscheiden.
Bei David und Lucy geht es um Eifersucht. Lucy ist schwanger, doch David ist krankhaft eifersüchtig, wobei schon recht früh Parallelen zu Alice erkennbar sind, die ein ähnliches Schicksal erlitten hat.
Alice sichtet derweil alle Tapes, doch das entscheidende Band fehlt.
Bildet sich Alice jenes Paar nur ein oder ist der Voyeur in Alice (sie besitzt auch eine Handkamera) soweit in ihr zweites Ich eingedrungen, dass womöglich der Charakter Davids oder Lucy von ihr Besitz ergriffen hat, während sie ihr neues Buch verfasst?
Es gibt einige Ansätze, die für eine eher übersinnliche Lösung sprechen. Denn im großräumigen Haus vernimmt man leichtes Wehklagen, ein Stuhl bewegt sich von selbst, Beethovens Mondscheinsonate wird am Flügel angestimmt, der kurz darauf völlig verlassen da steht, - vielleicht ist Alice auch nicht allein im Herrenhaus…
Natürlich treten im Verlauf einige Logiklücken zum Vorschein, denn kaum jemand würde eine Kiste mit privaten Aufzeichnungen in einem Haus hinterlassen und auch nicht unbedingt in jeder Sekunde seine Frau filmen, obgleich man sich inmitten eines Konflikts befindet.
Doch andererseits, die Auflösung eines solchen Mindfucks rechtfertigt zuweilen einige Unzulänglichkeiten, und der Twist weiß diese durchaus geschickt zu integrieren.
Insofern hat man es schwer, wenn man auf reine Spukhausfilme steht, denn in diesem Kontext wird dem Zuschauer sehr wenig geboten. Brittany Murphy leistet zwar recht solide Arbeit und die Atmosphäre im Herrenhaus ist auch durchweg stimmig, doch ereignisreich gestaltet sich die an sich recht kurze Chose von rund 81 Minuten nicht.
Zumal einige überdeutliche Fährten recht früh gelegt werden, die vom eigentlichen Plot Twist ablenken sollen, auf den der Streifen im Kern hinarbeitet.
Der Gesamteindruck ist nicht übel, stimmungsmäßig ist man bei der Sache, doch für mehr mangelt es dem Aufbau deutlich an Finesse.
6 von 10