Review

Staffel 3 - 9/10

Staffel 3


Der Spion, der sich liebte

Die ersten beiden Staffeln von „Archer“ waren Kracher - konsistent zum Lachen, wunderschön politisch unkorrekt, mit ein paar der fantastischsten animierten Charaktere, die man in den letzten Jahren sehen konnte. Vor allem für zwischendurch als kurze, knackige, fast immer abgeschlossene Abenteuer eine echte Wohltat. Vor allem mit Whisky in der Hand. Daran ändert sich auch im dritten Jahr grundsätzlich nichts - doch dieses Mal gibt es einige wesentlich zusammenhängendere Storylines, vor allem zu Beginn und im Finale, sodass Season 3 für mich das bisher beste Jahr der ISIS-Agententruppe darstellt. In drei zusammenhängenden Episoden verarbeitet Archer zu Beginn den Mord an seiner sexy Ehefrau Katja durch den Cyborg-Agenten (!) Barry nur um dann gegen Ende in zwei genialen, „Moonraker“-parodierenden Folgen mit seinem gesamten Team auf eine gekaperte Space Station zu fliegen, um diese von Aufständischen zu befreien, die planen den Mars zu besiedeln. Wow. Und zwischendurch gibt es den üblichen Wahnsinn des Agentenlebens - inklusive Burt Reynolds (!), perversen Sexspielchen, wilden Affären (Pam!!!) und einer absolut herausragenden Zugepisode mit der kanadischen Kavallerie...

Neben den mehr involvierenden, zusammenhängenden Geschichten und Insidern, gefällt mir an Staffel 3 von „Archer“ vor allem, dass Nebenfiguren mehr Rückgrat und Backstory gegeben wird. So fahren wir z.B. in einer Folge mit Ray zu seiner Redneck-Verwandtschaft in die Südstaaten oder auch mein Liebling Pam bekommt wesentlich mehr zu tun, mehr Tiefe und Gewicht (nein, nicht körperlich!). Und damit meine ich nicht nur Archer zu befriedigen und ihre gnadenlos guten, auf der Farm gekernten Bettskills auszupacken. Wow. Einen Megastar wie Burt Reynolds (RIP!) zu bekommen und sich selbst sprechen und auf die Schippe nehmen zu lassen, spricht ebenfalls Bände, wie weit die locker-flockige Agentenparodie gekommen ist. Staffel 3 ist hart aber herzlich, witzig aber wichtig, bescheuert aber intelligent. Messerschärfer kann man Dialoge kaum schreiben. Hier greift einfach ein Rädchen ins nächste und alles wirkt unheimlich unterhaltsam, wie aus einem Guss. Ausfälle oder schwächere Episoden findet man kaum. Oder sogar gar nicht. Denn es gibt in den ausnahmslos wahnsinnig schnell verfliegenden 20 Minuten immer drei bis vierzig Highlights und Momente, bei denen man am liebsten zurückspulen würde. Wäre die nächste Szene nicht schon dran und ebenfalls wieder kostbar, lustig, krachend. „Archer“ hat sich jetzt schon zu einer meiner liebsten animierten Serien aller Zeiten entwickelt und besitzt einen enormen Replay Value. Trotz (noch) klar abgesteckten Genregrenzen und Satireaufgaben bleibt die Serie unberechenbar, frisch und hysterisch witzig. Lässig und cool obendrauf. Und umso besser man die Figuren kennt, desto mehr mag man sie und versteht ihre Spleens, Mechanismen und Interaktionen untereinander. Cheryl ist einfach sensationell. Und Lana umwerfend. Und Krieger genial. Und und und. 

Fazit: keine Müdigkeit, keine Pause, kein Stück korrekter, reifer, langsamer geworden. Ganz im Gegenteil. „Archer“ Staffel 3 ist in Topform und die beste Agentenparodie. Punkt. Egal ob auf der großen Leinwand oder dem kleinen Fernseher. Dieses Mal, durch durchgehendere Geschichten, sogar noch packender und unterhaltsamer. Fantastisch! (9/10)

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