Es ist einer der wenigen amerikanischen Western die ich bisher geschaut habe, welcher mir ansatzweise so gut gefallen hat wie die dreckigen Italowestern der 60er und 70er Jahre und das hat zwei gewichtige Gründe: Eine starke und selbstsichere Frau in einer Hauptrolle und vorkommende filmische Wendungen die zum Teil äußerst düster daherkommen und dadurch so gar nicht in das Bild des nordamerikanischen Western passen will, der eigentlich meistens bemüht war eine klare Linie zwischen gut und böse bzw. schwarz und weiß zu ziehen. Grautöne bei den Charakteren gab es eher seltener - das ist hier definitiv anders. Regisseur Nicholas Ray, der kurze Zeit später mit James Dean ...denn sie wissen nicht, was sie tun drehen sollte, vermeidet in dem 1954 erschienen Film bewusst gängige Klischees dieser Zeit und hebt sich dadurch wohltuend aus der Masse der anderen US-Western ab.
Der Cast ist richtig gut besetzt und weiß durchgehend zu überzeugen, wobei Mercedes McCambridge in der Rolle der Emma für mich das schauspielerische Highlight dieses Films ist. Ich habe schon länger keine weibliche Haupt-/ oder Nebenrolle gesehen, die derart hassenswert auftritt. Sie gesellt sich damit zu Louise Fletscher ( Einer flog über das Kuckucksnest ), Kathy Bates ( Misery ) oder auch Marcia Gay Harden ( Der Nebel ), um nur einige Beispiele zu nennen. Von Bosheit durchtrieben spielt sie meiner Ansicht nach sogar die eigentlichen Hauptdarsteller an die Wand. Ganz große klasse. Daneben haben wir noch Joan Crawford, welche als Vienna, die viel aufgeben und erleiden musste um an ihr Ziel - einen eigenen Saloon - zu gelangen, kühl und zielorientiert auftritt. Sterling Hayden als Gitarre spielender Cowboy, bei dem niemand so recht weiß woran man bei ihm ist, rundet das Trio um das sich alles dreht ab. In weiteren Rollen kann man noch David Carradines Vater, John Carradine und auch Ernest Borgnine bewundern.
Die Musik ist nie aufdringlich oder deplatziert und auch die angesprochenen Wendungen sind überraschend und nicht vorhersehbar. So gut der Film ist, so anstregend und nervenaufreibend muss laut Berichten wohl der Dreh gewesen sein. Denn anscheinend war der Konflikt der beiden Charaktere Vienna und Emma, gespielt von Crawford und McCambridge nicht nur vor der Kamera ein Thema.^^ Die beiden Frauen konnten sich überhaupt nicht ausstehen, was sogar darin gipfelte, dass Crawford einmal in einem Anfall von Eifersucht sämtliche Kostüme für McCambridge zerstörte. Vielleicht lässt sich auf diese Weise das beeindruckende "Schauspiel" von McCambridge vor der Kamera erklären. :D Auch der Co-Star Hayden und Regisseur Ray gerieten wohl öfter mit Crawford aneinander, was zumindest Sterling Hayden zu der Aussage hinreißen lies, dass er nie wieder mit ihr in einem Film zusammenarbeiten möchte. Mir fallen da spontan mit Edward Norton und Marlon Brando auch noch zwei solcher Personen ein, welche bei Dreharbeiten als wenig umgänglich gelten/galten.
Jedem der ein generelles Interesse an Western hat und auch einmal älteren, eher unbekannteren Vertretern des Genres Chancen einräumt, kann ich diesen Film nur empfehlen.
08/10