Roger Corman produzierte Anfang der 70er Jahre einige so genannte Woman in Prison – Filme die heute zu den Höhepunkten dieses Genres gezählt werden dürfen. Pam Grier hatte hier ihre letzte Rolle in einem Lagerfilm, leider ist "Frauen in Ketten" auch der schwächste Beitrag, bevor das ganze Genre ohnehin bis zum Exzess ausgeschlachtet wurde.
Das erste Drittel ist ein konventioneller Frauenlager-Streifen mit viel nackter Haut und sämtlichen Genreklischees die in kurzer Zeit alle abgehakt werden. Folterungen oder rüde Gewalt gibt es nicht zu sehen, man beschränkt sich auf obligatorische Duschszenen und Catfights als Schauwerte. Die Wendung mit den Frauen die angekettet flüchten ist natürlich eine lockere Adaption von Stanley Kramers Meisterwerk „Flucht in Ketten“; nur eben als Exploitation-Movie ohne irgendeine Aussage. Nach einem Mittelteil der merklich beeinflusst wurde durch ähnliche asiatische Exploiter wendet sich der Film am Ende in einen drögen Actionfilm.
Überraschenderweise wird Rassismus überhaupt nicht thematisiert, wodurch viele Chancen verloren gehen. Trotz des heftig frauenfeindlichen Untertones gibt sich „Frauen in Ketten“ viel zu politisch korrekt. Das sieht man schon an der lieblos mit einmontierten Söldnergeschichte, die nicht mal annähernd so gut funktioniert wie noch in „The Big Bird Cage“. Sämtliche actionlastigen Sequenzen sind stümperhaft gefilmt und können trotz einiger Brutalitäten kaum unterhalten, ein Grund hierfür ist unter anderem aber auch das geringe Budget.
Schauspielerisch werden natürlich keine Bäume ausgerissen, gerade die zahlreichen philippinischen Nebendarsteller könnten gar nicht unbedarfter sein, die Präsenz der Kultstars Sid Haig und Pam Grier entschädigt aber für einiges. Beide haben zwar schon weitaus bessere Leistungen erbracht, ihr Einsatz alleine aber wertet „Frauen in Ketten“ durchaus etwas auf.
Auch wenn die Story das Potenzial zum absoluten Sleaze-Knaller hat scheitert der Film an mangelndem Tempo und einem nervigen, eintönigen Score. Der Unterhaltungswert ist schlichtweg zu niedrig für eine solche Produktion, das liegt vielleicht an den Tempowechseln und der Handlungsentwicklung.
Für unfreiwilligen Humor sorgen die Dialoge, insbesondere die debile deutsche Synchronisation. Die Story lieferte Jonathan Demme, der einige Zeit später mit „Caged Heat – Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen“ mit seinem eigenen WIP-Film sein Regiedebüt inszenierte. Später drehte er bekanntlich u.a. die modernen Hollywood-Klassiker „Philadelphia“ und „Das Schweigen der Lämmer“. Jeder hat nun mal klein angefangen…
Fazit: Für Fans der W.I.P.-Filme oder auch Blaxploitation absolut geeignet um halbwegs unterhalten zu werden, aufgrund der sexistischen Darstellungsweise eher nichts für Frauenrechtler und Emanzen… Immer noch besser als diverse Nachzieher, denn hier wird wenigstens versucht so etwas wie frischen Wind in das Genre zu bringen.
5,5 / 10