Lang ist die Schlange an potentiellen Anwärtern auf den Sexploitation-Thron. Franco, D´Amato, Meyer, Sarno, Metzger und wie sie alle heißen... Meines Erachtens nach geht die Krone jedoch an den französischen Regisseur Jean Rollin, denn keiner versteht es so gut, stilvolle Erotik, Poesie, Kunst und Trash miteinander zu verknüpfen wie er. Ein Tipp für alle Fans wie Einsteiger: "Fascination", sein wohl bekanntestes wie bestes Werk.
Die Geschichte handelt von einem Dieb, der sich mit seiner Bande überwirft und auf der Flucht in einem alten Schloss absteigt, in dem zwei liebreizende Damen wohnen. Während draußen die Häscher das Anwesen belagern, beginnt drinnen ein frivoler Liebestriangel. Gemeinsam schafft man es, die Bande loszuwerden, doch noch ahnt der Dieb nicht, dass er zu Mitternacht einem bizarren Kult geopfert werden soll...
"Fascination" ist wohl einer der schönsten und erotischsten Vampirfilme überhaupt. Durch seine poetische Fotographie schafft es Rollin, eine fast traumgleiche Atmosphäre zu erschaffen, die einen sofort in seinen Bann zieht. Blutig ist der Film hingegen nur an wenigen Stellen (z. B. der Sensenmord), dafür haben Brigitte Lahaie und Franka Mai eine der sinnlichsten Lesbenszenen überhaupt. Für die Lahaie, in Frankreich bekanntermaßen früher ein absoluter Pornostar, war "Fascination" übrigens die erste Rolle abseits des XXX-Business. Ansonsten platziert Rollin seine Erotik eher sporadisch, um auf die Kraft der Bilder bzw. der beeindruckenden Atmosphäre zu setzen.
Manche mögen "Fascination" vielleicht uninteressant und langweilig finden, ich hingegen halte den Film für ein kleines Meisterwerk des erotischen Horrors. Wer nur oberflächliche Schauwerte sucht, ist hier fehl am Platze. Wer sich jedoch in die künstlersiche Intention eines Streifens bzw. der seines Machers hineinversetzen kann, sollte sich diese Perle nicht entgehen lassen. Starke 9 von 10 Punkten.