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„Um den Erhalt der menschlichen Rasse nach einem globalen Holocaust zu sichern, habe ich eine Säure entwickelt, die eine Verbindung der menschlichen chromosomalen Struktur mit träger Masse eingeht, so dass wir in Zukunft wieder auferstehen könnten. Bei dem Unfall ist irgendetwas schiefgegangen...“

...denn „die Seele ist eine Chemikalie!“ Soweit zur wissenschaftlichen Grundlage. „Jack Frost“, das Mittneunziger-Regiedebüt von US-Regisseur Michael Cooney, der seitdem lediglich mit einer direkten Fortsetzung in Erscheinung getreten ist, zählt zur Gattung des freiwilligen Horror-Trashs, vermied aber interessanterweise das sonst oft übliche permanente Overacting seiner Darsteller, die einem pausenlos entgegenschreien: „Das hier ist Trash! Bitte nicht ernstnehmen!“ Auch der Humor ist eher trockenen Charakters und so könnte diese Slasherparodie um einen zum Schneemann (!) mutierten menschlichen Serienkiller von den Darsteller-Leistungen her im Prinzip auch durchaus ein ernstgemeinter Beitrag zum Genre sein – wäre da nicht eben jener putzige Schneemann, der sich zudem nach Belieben verflüssigen und neu zusammensetzen kann und dem gerne mal spitze Eiszapfen als Zahnersatz aus dem, ähm… Maul ragen. Auf der Suche nach dem Polizisten, der ihn überführt und dadurch seiner (missglückten) Hinrichtung bzw. (geglückten) chemischen Reaktion ausgeliefert hat, meuchelt er sich „eiskalt“ durch – natürlich – eine amerikanische Kleinstadt und geht dabei angenehm kreativ zu Werke. Hierbei ließ man dem Ideenreichtum der Drehbuchautoren offensichtlich freien Lauf, denn immer wieder wird man von abgedrehten Einfällen und Effekten überrascht, die zudem sehr liebevoll und häufig handgemacht, aber natürlich höchst trashig umgesetzt wurden und ebenso wie die ergriffenen Gegenmaßnahmen der Bewohner für abseitigen Spaß der Sonderklasse sorgen. Ein fieses Splatterfeuerwerk wird zwar nicht gezündet, brutal und blutig gestaltet es sich aber trotzdem. So wird der Zuschauer trotz der vollkommen idiotischen Geschichte gut bei der Stange gehalten, größere Längen werden gekonnt umschifft. Die Hauptdarsteller haben wohl in erster Linie in TV-Serien Erfahrungen gesammelt und schaffen es tatsächlich, in den entscheidenden Momenten keine Miene zu verziehen und die ganze Chose mit ernstem Gesichtsausdruck über sich ergehen zu lassen bzw. selbst zu handeln, indem sie entschlossen zum Fön greifen, um Jack auf Abstand zu halten. Apropos Fön: Außerdem hat Shannon Elizabeth („American Pie“) einen ihrer ersten Filmauftritte und darf sich ausgiebig die Haare fönen, bevor sie in die Badewanne steigt… wo Jack Frost nur darauf wartet, die Frisur wieder durcheinander zu bringen. Im letzten Drittel gewinnt der Film stark an Tempo, ein Quasi-Finale reiht sich an das nächste und es wird immer abstruser, doch rechtzeitig, bevor etwaige Ermüdungserscheinungen eintreten könnten, zieht man das letzte As aus dem Ärmel und damit einen Schlussstrich. Ein Besuch in Jack Frosts grausigem Winter Wonderland ist für Trash- und Die-Hard-Slasher-Fans klar zu empfehlen, ansonsten aber sicherlich auch als fieses Weihnachtsgeschenk geeignet. In diesem Sinne: „Iss nie gelben Schnee!“

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