Review

Jack war hurtig, Jack war schnell, zieht allen übers Ohr das Fell,
die Schädel gehn kaputt mit Stein, doch Eisen nur zertrümmert Bein,
so daß versteckt sie keiner find, weil doch so klein die Leichen sind.


Jack Frost (Scott MacDonald, Jarhead), ein gefürchteter Serienkiller, der die USA jahrelang in Atem gehalten hat, wurde durch Zufall vom Dorfpolizisten Sam Tiler (Christopher Allport, To Live and Die in L.A.) dingfest gemacht. Um das gefällte Todesurteil zu vollstrecken, soll ihn ein Gefangenentransporter zur Hinrichtungsstätte bringen. Doch das Winterwetter macht dieser Absicht einen dicken, fetten Strich durch die Rechnung, und es kommt auf eisiger Fahrbahn zu einem folgenschweren Unfall. Der Gefangenentransporter kollidiert mit einem Lieferwagen, der ein geheimes biologisches Experiment geladen hat. Als Jack die Gunst der Stunde nützen und sich aus dem Staub machen will, wird er von der gefährlichen Flüssigkeit überschüttet, woraufhin er erst einmal spontan und im Schnelldurchlauf den "Incredible Melting Man" nachahmt. Sein Körper schmilzt dahin, doch seine Gene verbinden sich mit dem Schnee, und Jack "lebt" in ungewöhnlicher Form weiter. Da er nun die elementare Molekülstruktur nach Belieben verändern kann, gibt es kaum ein Hindernis, das er nicht zu überwinden imstande ist. Und so stattet Jack dem kleinen, idyllischen Dörfchen Snowmonton einen Besuch ab, um mit Sam abzurechnen. Der ahnt noch nicht, welcher Schrecken in die Ortschaft eingezogen ist, steht doch der große, alljährliche Schneemannwettbewerb vor der Tür. Währenddessen trifft auch FBI-Agent Manners (Stephen Mendel, Scanner Cop II) im Dorf ein, und er hat den verrückten Wissenschaftler Stone (Rob LaBelle, Watchmen), dessen Experiment Jack Frost mutieren ließ, im Schlepptau.

Richtig erkannt! Hierbei handelt es sich nicht um die gleichnamige, ein Jahr später entstandene Fantasydramedy mit Michael Keaton und Kelly Preston, sondern um eine preisgünstig produzierte Slasherkomödie, deren Antagonist ein mordlüsterner Schneemann ist. Na, das kann ja heiter werden, oder? Ehrlich gesagt, so richtig heiter wird Jack Frost leider viel zu selten. Für meinen Geschmack schielt Regisseur/Autor Michael Cooney zu sehr Richtung Kult und setzt die bescheuerte Grundidee zu bemüht auf "lustig" getrimmt um, weshalb das Ergebnis nicht so recht zünden will. Der bewußt trashig gehaltene Streifen macht auf mich einen etwas verkrampften Eindruck. Zum Beispiel ist es schmerzlich offensichtlich, daß man dem Killerschneemann auf Teufel komm raus fiese Sprüche und coole One-Liner à la Freddy Krueger in den Mund legen wollte, was aber meist in die Hose geht, da vieles davon schrecklich unlustig ist und zum Fremdschämen einlädt. Daß der Film mit einigen zähen Durchhängern zu kämpfen hat, ist dem Unterhaltungswert ebenfalls nicht gerade förderlich. Leider geben auch die grob skizzierten Figuren nicht viel her. Die sind alle nicht die hellsten Kerzen am Weihnachtsbaum, dürfen aber zumindest hin und wieder launige Sachen von sich geben. Was mir jedoch ziemlich sauer aufstößt, ist das spürbare Fehlen von Energie, von Leidenschaft, von Herzblut. Wenn man mit B-Movies wie Chris LaMartinas Call Girl of Cthulhu, Dustin Mills' Skinless oder Richard Griffins Nun of That verwöhnt wurde, dann springt einem die Abwesenheit dieser Tugenden sofort ins Gesicht. Womit ich aber nicht behaupten will, Cooney hätte den Streifen lustlos runtergekurbelt. Vielleicht hat er es einfach nur nicht geschafft, seine Begeisterung spürbar werden zu lassen.

Kommen wir nun aber zu den positive(re)n Aspekten des Filmes. Der Killerschneemann ist eine Puppe! Nix CGI, sondern eine gute, alte, aus Schaumstoff oder was-auch-immer gebastelte Puppe. Die Puppe steht dann rum, guckt fies, grinst böse und macht - obwohl äußerst unbeweglich - schlimme Sachen. Zum Beispiel rammt sie einem Typen eine Axt Stiel voraus in den Rachen. Oder sie poliert einer Frau mit Weihnachtsschmuck die Fresse. Oder sie penetriert einen Teenager mit Eiszapfen. Penetriert wird auch - in der wohl berüchtigtsten Sequenz des Streifens - die arme Jill (Shannon Elizabeth (American Pie) in einer ihrer ersten Auftritte vor der Kamera) in der Badewanne. Nicht mit einem Eiszapfen, sondern mit einer Karotte, die Jack Frost hier ausnahmsweise nicht als Nase dient, sondern an anderer Stelle zweckentfremdend zum Einsatz kommt (das wird natürlich nur impliziert und nicht gezeigt). Die durchaus vorhandene Brutalität dieser Gewaltszenen wird durch den comichaften Touch beträchtlich abgemildert, wobei hinzukommt, daß man einen mordenden Schneemann sowieso nicht ernst nehmen kann. Wenn man also seine Ansprüche ordentlich nach unten schraubt, wird man mit dieser trashigen Child's Play-Variante trotz aller Defizite recht gut bedient. Gegen Chucky zieht Jack Frost allerdings klar den Kürzeren. Im Jahr 2000 gab es mit Jack Frost 2: Revenge of the Mutant Killer Snowman (Jack Frost 2 - Die Rache des Killerschneemanns) ein bescheidenes Sequel. Neben den beiden Jack Frost-Filmen inszenierte der 1967 in London geborene Michael Cooney noch die TV-Doku-Reihe CenterStage. Ansonsten trat er hin und wieder als Drehbuchautor in Erscheinung, unter anderem bei James Mangolds Identity (2003) mit John Cusack.

Details
Ähnliche Filme