Review

Komplette 1.Staffel

"Hung", eine neue Serie des Bezahlsenders HBO (demnächst läuft die 2. Staffel an), erzählt vom Highschool-Sportlehrer Ray Drecker (Thomas Jane), den die Rezession im krisengeplagten Detroit doppelt trifft: sein Job ist von radikalen Kürzungen im öffentlichen Bereich bedroht, seine Frau (Anne Heche) trennt sich von ihm für einen unsympathischen Investment-Banker und durch einen Kurzschluss brennt sein unterversichertes Haus ab und er ist gezwungen, im heimischen Garten zu zelten.
Zufällig trifft er seine Ex-Affäre Tanya wieder, die ihm nach einer gemeinsamen Liebesnacht (selbst von dramatischen Geldsorgen geplagt) vorschlägt, sich doch als Callboy für Damen der gehobenen Schicht anzubieten. Schließlich ist er gut "ausgestattet" und sie könnte als sein Zuhälter agieren. Erst sträubt sich Ray, doch irgendwann ist es soweit: Ray hat sein 1. bezahltes Date mit anschließenden Liebesdiensten.

"Hung" ist neben "Breaking Bad" (in der ein Chemielehrer aus Geldnot anfängt, Chrystal Meth zu kochen) ein weiteres Beispiel dafür, wie die aktuelle Wirtschaftskrise Hintergrund einer ungewöhnlichen Story sein kann. Schauplatz ist hier Detroit, jene Stadt, die unter dem Niedergang der US-Autoindustrie zu leiden hat. Und ebenso wie diese ihren goldenen Zeiten hinterher zu trauern scheint, so trauert Ray seinen glorreichen Zeiten als Sportstar der Schule hinterher und so wirklich verstehen tut er die Realität nicht wirklich. Zu seinem neuen Zusatzjob als Callboy stolpert er eher, als das er sich bewusst entscheidet und vieles befremdet ihn dann auch sichtlich.
Seine beiden Kinder nehmen ihn nicht wirklich Ernst. Sie möchten aber lieber bei ihm wohnen als bei der exaltierten Mutter mit ihrem neuen schmierigen Freund, den am Ende der 1.Staffel auch Geldsorgen plagen.
"Hung" wurde produziert von Alex Payne, dem Regisseur von "Sideways" und ist sozusagen eine Rezessionskomödie.
Insgesamt haben mir die ersten 10 Folgen (= komplette 1.Staffel) sehr gut gefallen. Der Humor ist böse, aber nicht denunzierend, Rays "Liebesabenteuer" sind z. T. zum Schreien komisch, die Schauspieler wunderbar und für US-Verhältnisse ist die Serie auch recht freizügig und durchaus sexy mit einem ganzen Aufgebot an wirklich attraktiven Schauspielerinnen (Natalie Zea, Rebecca Creskoff).
Gleichzeitiger Plus- wie Minuspunkt der Serie ist jedoch Ray, die Hauptfigur, von Thomas Jane adäquat taumelnd und zugleich pseudo-selbstbewusst dargestellt. Einerseits passt seine Unfähigkeit, für seine Familie wirklich zu sorgen, zu seiner manchmal aufblitzenden Selbstverliebtheit (wenn er z. B. einige Kundinnen wirklich "verwöhnt" hat) und seine gewisse Dumpfheit zusammen, anderseits verhindert seine mangelnde Tiefe auch einige dramatische Entwicklungen und Abgründe, die seine Figur vielleicht noch interessanter gemacht hätten. Er hat nicht die Komplexität einer Figur wie Walter White aus "Breaking Bad" oder eines Hank Moodys aus "Californication" und dies fällt dann umso mehr auf, wenn er mit anderen Figuren der Serie interagiert, wie seine Zuhälterin Tanya, die unendlich viele Päckchen aus ihrer Vergangenheit mit sich herumschleppt oder seine attraktive Klientin Jemma, die so abstruse Rollenspiele braucht, um "auf Touren" zu kommen, dass man schreien möchte.
Aber vielleicht entwickelt Rays Figur ja noch mehr Abgründe im Lauf der nächsten Staffel. Wie dem auch sei: "Hung" macht viel Spaß, ist perfekte, z. T. sehr schräge Unterhaltung und vielleicht muss man ja so einfältig wie Ray sein, um diesen Job durchhalten zu können. Gute Sache!!

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