Review

"Am Ende kann man ja doch nichts mitnehmen, nicht wahr?"

Ebenezer Scrooge (Jim Carrey) ist ein hartherziger Geizkragen, der weder für seine Mitmenschen noch für die Weihnachtszeit etwas übrig hat. Der stets miesgelaunte Geschäftsmann lässt nicht einmal seinem treuen, jedoch unterbezahlten, Buchhalter Bob Cratchit (Gary Oldmann) die Möglichkeit die bitterkalten Arbeitsräumlichkeiten etwas aufzuheizen.
Zu Heiligabend wird Scrooge von seinem verstorbenen Geschäftspartner Joseph Marley (Gary Oldmann) besucht. Der als Geist Wandelnde versucht Scrooge vor einem schrecklichen Schicksal zu warnen, das ihn ereilt falls er seine Hartherzigkeit und Gier nicht ablege. Direkt am nächsten Morgen erscheinen drei weitere Geister um ihn zu läutern.

Regisseur Robert Zemeckis ("Forrest Gump") hatte sich im Jahre 2004 bereits durch "Der Polarexpress" mit einem weihnachtlichem Film befasst. Für diesen verwendete er erstmalig das Performance-Capture-Verfahren, bei dem Gestik und Mimik der Schauspieler auf animierte Figuren übertragen werden. Während der Produktion äußerte er sich erfreut, nicht mit der bereits häufig erzählten Geschichte von Charles Dickens beschäftigt zu sein, sondern etwas frisches bieten zu können. Scheinbar hat er sich nun aber doch zu einer Neuverfilmung für diesen Klassiker entschieden oder wurde von Disney dazu gedrängt.

"Eine Weihnachtsgeschichte" hält sich recht eng an die zeitlose Geschichte um die Läuterung eines hartherzigen Geschäftsmannes und dem Aufruf zur Nächstenliebe. Zemeckis' Variante ist zunächst sehr düster und hält einige gruselige Momente bereit. Diese stehen dem Film ausgesprochen gut, denn Scrooge's Läuterung soll sich nicht durch simple Dialoge vollziehen, sondern durch die Überzeugungskraft der mal mehr, mal weniger einschüchternden Geister.
Das genaue Gegenteil ist der Schluss, der durch übertriebene Komik und den üblichen Disney-Kitsch fast die gesamte Moral runiert. Auch schafft es "Eine Weihnachtsgeschichte" nicht inhaltliche Tiefe und Glaubwürdigkeit mitbringen. Der Lebenswandel der Haupfigur vom kaltherzigen Griesgram zum warmherzigen Menschen wird einfach zu schnell vollzogen, als dass der Zuschauer die Möglichkeit hätte, diesen nachzuvollziehen und sich emotional damit zu verbinden.

Im Gegensatz zur eher mäßigen Inhaltsebene kann der Animationsfilm visuell und akustisch umso mehr überzeugen. Nahezu fotorealistisch wirkt das präsentierte viktorianische Setting, dass durch eine Vielzahl von Details sehr lebendig wirkt. Feuer-, Licht-, Spiegel-, Partikeleffekte sowie Gesichtsanimationen befinden sich auf hohem technischen Stand und verschmelzen mit den sauberen Hochglanzbildern.
Für ordentlich Atmosphäre sorgt der weihnachtliche Soundtrack des bekannten Komponisten Alan Silvestri, den Zemeckis wohl aufgrund seiner bislangen Leistungen erneut hinzugezogen hat.

Durch das Performance-Capture-Verfahren kommen auch Darsteller zum Zuge, die ihren Figuren Pate stehen. Tatsächlich erkennt man die Gesichter von Jim Carrey ("Die Truman Show"), Bob Hoskins ("Doomsday - Tag der Rache", "Falsches Spiel mit Roger Rabbit") sowie Gary Oldman ("The Book of Eli", "Harry Potter"-Reihe) in ihren Abbildern wieder. Dabei sind es weniger die Leistungen der Schauspieler, sondern eher deren Minenspiel, die ihre Anwesenheit im Film rechtfertigen.

"Eine Weihnachtsgeschichte" überzeugt vor allem durch seine intensive und durchdachte Bildsprache, sowie seiner zeitlosen Geschichte. Ein wenig überhastet scheint jedoch die Erzählweise, die eine Bindung zu den Figuren teils untersagt. Störend ist auch der sehr kitschige und comichafte Schluss des Animationsfilms. Trotzdem kann man auch diese Variante der schon häufig auf der Leinwand erzählten Geschichte von Charles Dickens als gelungen und beeindruckend bezeichnen.

8 / 10

Details
Ähnliche Filme