Review
von Leimbacher-Mario
Gruselig - aus verschiedenen Gründen
Kaum eine Geschichte war zeitloser und doch zu jeder Zeit passender, wurde öfters verfilmt als Charles Dickens „A Christmas Carol“. Vor nun schon über zehn Jahren machte sich mal wieder Disney auf die Spuren dieses legendären Weihnachtsmuffels. Noch auf dem Höhepunkt der 3D-Welle kurz nach „Avatar“. Mit einem Spezialisten auf dem Regiestuhl für technische Innovationen. Der neuesten Tricktechnik. Und Jim Carrey in mehreren Rollen. Entstanden ist dabei irgendetwas Dunkles zwischen Missgeburt und Meisterwerk, das man unbedingt in 3D sehen sollte. Und diese Empfehlung gebe ich nicht oft… Erzählt wird kurz und auf den Punkt gebracht vom Xmas-Hasser Ebenezer Scrooge, der nach seinem Tod passiv zusehen muss, wie die Leute auf sein Ableben reagieren - und dass er in seinem Leben wohl einiges falsch gemacht hat und es unglaublich gerne ändern würde…
„Disneys Eine Weihnachtsgeschichte“ ist vor allem eines: eine erweiterte Tech Demo für die 3D-Technik. Egal ob im Kino oder daheim. Wäre die dritte Dimension technisch und filmisch immer derart exzellent und durchdacht umgesetzt worden, wäre das Format heute nicht auf dem Friedhof. Audiovisuell hat diese Dickens-Verfilmung also einige Trümpfe in der Hand. Selbst wenn die Figuren und deren Mimik genauso wie der Detailgrad der gesamten Welt aus heutiger Sicht etwas grobschlächtig wirken können. Die seelenlosen Gesichter der Figuren sogar straight up gruselig. Doch insgesamt mag ich diese alptraumhafte Version und den dunklen Stil dieses Updates. Für kleinere Kinder ist das (trotz natürlich in Stein gemeißeltem Happy End) nichts. Und dann wäre da noch der immer famose und hier ebenfalls erstaunlich grimmige Jim Carrey, der für solche Motion Capture-Arbeit und Viel-Rollen-Situationen wie gemacht ist. All das verleiht der eigentlich eher ausgeleierten Story einen guten Schuss Adrenalin, Schatten und Frische.
Fazit: erstaunlich düster, erstaunlich dreidimensional, erstaunlich un-Disney, un-Dickens, undenkbar noch ein paar Jahre zuvor. „A Christmas Carol“ ist sowohl für das Fest der Liebe als auch für das mittlerweile nahezu beerdigte 3D-Format ein Paradetitel!