Gesamtbesprechung
Diese Serie ist vielleicht eine der besten Serien dieser Art. Sie beinhaltet so viel Sex und Gewalt, wie ich es in keiner anderen Serie erlebt habe. Kein geringerer als Sam Raimi hat hier bei dieser Serie mitgearbeitet. und allein das zeugt schon von Qualität. Hierbei sind insgesamt mehrerer Charaktere wichtig. Da wären an vorderster Front zu nennen Spartacus, der König der Thraker, der von den Römern gefangen genommen wurde. Ohne ihn würde die Serie nicht funktionieren, denn er ist natürlich die Hauptperson. Die Darstellung gelingt beiden Darstellern gut, wobei mir Andy Whtifield besser gefallen hat. Dies aber vielleicht auch nur, weil er die Rolle begonnen hatte. Leider war der Darsteller während der Dreharbeiten an Krebs erkrankt, so dass er nicht weiter drehen konnte und an den Folgen der Erkrankung verstorben ist. Sein Nachfolger, Liam McIntyre, steht der Leistung des 1. Spartacus zwar in nichts nach, dennoch ist es in einer Serie immer schwierig einen Charakter austauschen zu müssen und die absolute Hauptperson selbst kann man ja schlecht relativ nah am Anfang bereits in den Serientod schicken.
Mit Spartacus verknüpft ist zum einen Sura, seine Frau, die entführt wurde, sowie in späteren Folgen auch Mira. Daneben gibt es einige weitere wichtige Leute. Für die komplette Dauer der Serie sind dies Gannicus, ein treuer Gefährte in der Gladiatorenschule, der seinen Ruhm in der Arena erlangt hatte und als einziger wirklich frei ist. Manchmal wirkt der Charakter ein wenig undurchsichtig, da nicht immer ganz klar ist, ob Gannicus wirklich auf der Seite der Sklaven zu stehen scheint.
Außerdem wichtig ist Agron, ein Cherusker, der mit zu der Gladiatorenschule gehört und dort ausgebildet wird und später in die Gefolgschaft Spartacus einberufen wird. Auch Ashur, der Syrer, ist wichtig für den Serienfortgang, da er nur seinen eigenen Vorteil sucht und sowohl auf die Seite der Sklaven als auch auf die Seite der Römer gezählt werden kann. Er ist eine Figur, die mir in der Serie darstellerisch mit am besten gefällt, obwohl durch die Art und Weise des Charakters einfach keine Sympathien aufkommen können. Man wünscht ihm in allen erdenklichen Situationen eigentlich den Tod, aber er ist durch sein Verhaltensmuster und das Schmieden der Intrigen als Bindeglied zwischen den Römern und den Sklaven extrem wichtig. Auf Seiten der Sklaven wäre als nächstes Crixus zu nennen, der unbesiegbare Gallier und praktisch die rechte Hand von Spartacus,
Zwischen Crixus und Spartacus gibt es immer wieder Konflikte, die für den Fortgang der Serie von Bedeutung sind. Es dauert dabei sehr sehr lange bis beide überhaupt Vertrauen zueinander gewinnen. Am Beginn der Serie hat man manchmal den Eindruck, dass sich beide demnächst umbringen werden. Und das macht auch ein gewisses Maß an Misstrauen und Spannungskomponente in dieser Serie aus.
Für den Fortbestand von Crixus ist wiederum Naevia wichtig, die mit ihrer liebreizenden Art als Sklavin im Hause Batiatus den Gallier für sich gewinnen kann und ihn dadurch lernt zu lieben.
Auf römischer Seite steht dem direkt Lucretia, die Frau des Batiatus, gegenüber, da sie selbst ein Auge auf Crixus geworfen hat und dadurch der nächste Konflikt, dieses Mal unter den Frauen besteht. Sie betreibt mit ihrem Mann Batiatus den Ludus und beide streben nach politischer Macht, und es gelingt der Serie exzellent diese teilweise haarsträubenden Hinterlistigkeiten darzustellen und/oder aufzudecken. Noch wichtiger dabei sind der Römer Glaber, der Konsul werden will, und das um jeden Preis, und seine Frau Ilithya, und beide drücken der Serie so dermaßen stark ihren Stempel auf, dass wahrscheinlich ohne diese beiden, bösartigen Charaktere die Serie nicht so gut funktionieren würde.
An Römern sind weiter wichtig Crassus, seine Lieblingssklavin Cora und sein Sohn Tiberius, denn ohne die funktioniert wiederum der andere Konflikt in der römischen Welt nicht und ohne dieses Charaktere würde die "Spinnereien" nicht funktionieren.
Es gibt noch viele weitere Charaktere, doch ohne genauer ins Detail zu gehen und damit einfach zu viel zu verraten, kann ich keine weiteren hervorheben.Vielleicht kann Drago noch erwähnt werden, der schwarze Kontrapunkt im Ludus und Ausbilder der Gladiatoren. die Figur selbst wird ausführlich in mehreren Episoden abgehandelt, und die Art und Weise der Darstellung kann sich sehen lassen. Auch er steht zwischen Römern und Gladiatoren/Sklaven, und auch er weiß lange Zeit nicht, wohin er gehört.
Um nicht zu spoilern halte ich mich recht wage mit Andeutungen, aber die Anzahl an Charakteren ist sehr sehr hoch, und auch diejenigen, die für die Serie wichtig sind und dann auch noch fast allumfassend beleuchtet werden, ist fast genauso hoch, so dass das komplette Charakter-Geflecht extrem komplex geraten ist und somit gar keine einfache Besprechung möglich ist. Man erlebt nicht nur wegen der Grausamkeiten ziemlich oft einen Überraschungsmoment, und das in einer so hohen Anzahl, wie es keine andere Serie bisher bei mir fertig gebracht hat.
Es fällt bei dieser Serie auch extrem die Drehweise auf. Es gibt häufig einen Green Screen, vor welchem die Handlung angelegt wurde. Im Film merkt man lediglich, dass der Hintergrund etwas verändert ist. Das sorgt aber eher dafür, dass man sich an den Film mit dem Titel "300" zurückerinnert fühlt, der auch viel vor dem Green Screen entstanden war. Es wäre wahrscheinlich sogar ein leichtes gewesen hier noch einen 3D-Effekt mit zu integrieren.
Diese Serie ist triefend vor Blut, stärker als jede andere mir bekannte Serien, und das schließt z. B. auch "The Walking Dead" mit ein. Auch die Brutalität ist hier bei "Spartacus" deutlich realistischer, so dass das Gefühl beim Ansehen auch ein anderes ist, als wenn irgendwelche Untoten vernichtet werden. Da werden Gliedmaßen abgetrennt, Köpfe abgeschlagen und Schwerter in die Brust gerammt. Es scheint keinerlei Grenzen, selbst vor Gedärmen wird nicht Halt gemacht. Und dies liegt wahrscheinlich nicht zuletzt an Sam Raimi, der oben bereits von mir erwähnt wurde.
Die Vielen Schauplätze geben ein gewissen Bild der damaligen Antike wider. Gerade die Arena, der Ludus oder die Höhlen im Untergrund und verschiedene Zufluchten sind extrem gut gemacht. Daneben sind auch die Wettereffekte gut hervorgehoben, z. B. was den Schnee angeht. Ebenso gefallen mir die Blut- und Kameraeffekte mit Bildverzögerungen hervorragend. Man muss sich erst an diese gewöhnen und denkt anfangs noch, dass es im weiteren Verlauf der Serie als störend empfunden werden könnte, aber die Effekte fügen sich im Verlauf problemlos in das Geschehen ein.
Als negativ kann man auffassen, dass die Serie schon fast als präpornographisch zu bezeichnen ist. Da wird selbst vor Geschlechtsteilen nicht kapituliert. Es wird nicht immer bis ins letzte Detail gezeigt, aber ab und an kommt man sich schon fast wie in einem Pornofilm vor. Ob das wirklich dazugehören muss, sei mal dahingestellt. Für das eher männliche Publikum ist das aber teilweise schon sehr ansehnlich.
Die Geschichte ist an die realen Vorkommnisse angelehnt, wobei nicht bis ins letzte Detail geklärt ist, was letzten Endes wirklich dort passiert war. Besonders gut gelungen finde ich auch den Eingang Julius Caesars in diese Serie, wenn er auch keine tragende Rolle gespielt hat, da er zu diesem Zeitpunkt auch noch kein Imperator war.
Staffel 1 und 2 sind insgesamt wesentlich besser als Staffel 3. Der Abfall besteht aus folgendem Grund: Die Charaktere, die für die Serie ziemlich wichtig und manchmal auch absolut liebenswürdig sind, erleiden einer nach dem anderen den Serientod. Man sollte nicht so viele tragende Charaktere auf einmal töten. Das mag der akuten Unterhaltung zwar einen extremen Überraschungsmoment bringen (und davon gab es bei dieser Serie sehr sehr viele) sorgt aber für den Einbruch des Serienfortgangs.
Insgesamt kann ich die Serie für alle männlichen Film- und Serienfreaks, die ein gewisses Maß an Kampfszenen in einer Arena vor dem Setting einer antiken Geschichte vertragen, durchaus empfehlen. Ob sich Frauen auch mit der Serie anfreunden können, will ich gar nicht ausschließen, aber insgesamt glaube ich schon, dass eher das männliche Publikum angesprochen wird. Wer mit Kämpfen in einer Arena und altertümlich wirkender Handlung nichts anfangen kann, der braucht sich diese Serie nicht anzusehen, da dies nun mal ein essentieller Bestandteil ist.
Leider gibt es aufgrund des Abfalls in der 3. Staffel nur 09/10 Punkte. Erst gegen Ende der 3. Staffel nimmt "Spartacus" wieder an Fahrt auf, was die Intrigen als auch die Kampfszenen angeht. Leider reicht es dann aber nicht mehr für die Höchstwertung. Insgesamt gibt es von mir aber eine ganz klare Sichtungsempfehlung.