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Ein Mann erwacht morgens auf dem Fußboden seines Badezimmers. Mit Schrecken stellt er fest, daß er Blut an seiner Kleidung hat, was er hektisch wegzuwischen versucht. Doch die Arbeit ruft, und schon bald ist er aus dem Haus.
Krister (Olle Sarri) ist Fahrlehrer und telefoniert auf dem Weg zur Arbeit mehrmals, die Sekretärin dort sagt ihm noch, er solle doch mal pünktlich zur Arbeit kommen, dann fährt er mit einer jungen Fahrschülerin los. Als diese einen Fehler macht, brüllt Krister sie an. Kurz danach entschuldigt er sich zwar, läßt die konsternierte Frau jedoch aussteigen. Irgendetwas beschäftigt den kurzhaarigen Mittdreißiger, lastet schwer auf ihm, doch was es ist, wird durch keine der belanglosen Kurzformeln, die bisher im Film gefallen sind, erkennbar.
Krister geht dann in ein Fitness-Center, wo er ein paar Runden Tennis spielt, später fährt er in einen Baumarkt und läßt sich Gartensägen zeigen, bevor es dann irgendwann nach Hause geht. Dort verfällt er zunehmend in Hektik, die in Verzweiflung gipfelt, bis ihn das Rufen seines Sohnes aus seinem Gemütszustand herausholt. Denn dem etwa 10-Jährigen geht es nicht gut: er hat Schmerzen. Krister trägt seinen Sohn mitsamt Bettzeug kurzerhand ins Auto und fährt ihn ins Krankenhaus, wo dieser sogleich verarztet wird. Der Vater allerdings ist nicht dabei, denn der besucht erstmal seine Mutter...

Einen rätselhaften bis düsteren Stoff präsentiert Regisseur Jesper Ganslandt 2009 mit seinem Apan (zu deutsch: der Affe) betitelten Streifen dem geneigten Publikum, das bewußt ohne die geringsten Hintergrundinformationen einen Tag im Leben eines Durchschnittsbürgers miterleben darf. Die stets dem Protagonisten folgende Kamera fängt Szenen aus dessen Alltag ein, verzichtet dabei aber weitgehend auf Dialoge, sodaß das bißchen Smalltalk des stets mit einem klobigen (zur Entstehungszeit des Films allerdings hochmodernen) Bluetooth-Empfänger im Ohr herumlaufenden Krister keinerlei Hinweise auf eine Vorgeschichte liefert. Was aber immer klarer wird, ist, daß gewisse Vorkommnisse in jüngster Zeit schwer am seelischen Gleichgewicht des Allerweltsmenschen nagen.

Wer sich auf den Film einläßt (und das werden nicht allzu viele sein), wird sich über kurz oder lang in die Figur des Krister hineindenken müssen und dann feststellen, daß einem dessen Verhaltensweisen duchaus bekannt vorkommen - auch wenn man sie selbst vielleicht (noch) nicht durchlebt hat, vermeint man, sie zumindest bei anderen Personen schon öfters beobachtet zu haben. Allerdings führt diese Erkenntnis nicht zur Lösung des Falles, der, soviel sei verraten, auch am Ende nichts offenbart. So muß man sich schließlich auf die eigene Interpretation verlassen und sollte dafür bei einer von mehreren Schlüsselszenen (und zwar jener nach etwa 27 Minuten Laufzeit) genau hinsehen.

Fazit: ein ungewöhnlicher Film aus Skandinavien, der sich vorwiegend mit dem Gemütszustand eines Durchschnittsmenschen befasst, der nach einem einschneidenden Erlebnis mit sich selbst kämpft. Apan, dessen Null-Budget für die Handlung keinerlei Rolle spielt, wird dabei von einem äußerst authentisch agierenden Hauptdarsteller getragen, der seine 81 Minuten dauernde Performance ohne vorherige Kenntnis des Drehbuchs liefern mußte. Die Präsentation des Plots wird zwar nur ein Nischenpublikum erreichen, vermag auf seine ganz spezielle Weise aber durchaus zu überzeugen: 6 Punkte.

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