"Heat" bildet nach "Flesh" (1968) und "Trash" (1970) den letzten Teil der "Kommerz-Underground"-Trilogie von Andy Warhol und Paul Morrissey, mit der die beiden Künstler auf zynische Weise Tabus brachen. Obwohl "Heat" ausgearbeiteter als seine Vorgänger ist, ließ Morrissey den Darstellern großen Improvisationsspielraum, was mitunter zu unbeabsichtigt komischen Dialogen führte. Innerhalb von zwei Wochen abgedreht, brachte der Low Budget Film allein in den USA zwei Millionen Dollar ein und avancierte zum Kultfilm. Andy Warhol war der Motor der New Yorker Kunstszene der Sixties. Zwischen 1964 und 1968 war die "Factory", sein Büro und Lebensmittelpunkt, Brennpunkt der New Yorker Avantgarde. Andy Warhol produzierte die Band "The Velvet Underground", drehte Untergrundfilme wie "Sleep", "Eat" und "Kiss" (alle 1963) und verdiente ein Vermögen mit seinen Siebdruck-Bildern. In seiner "Factory" gaben sich Stars aus allen Kunstsparten die Klinke in die Hand: der Schriftsteller Truman Capote, das Surrealismus-Malergenie Salvador Dalí, der Musiker Bob Dylan und die Fotografin Nan Goldin gingen bei Andy Warhol ein und aus. Als die britische Independent-Band "The Smiths" 1984 ihr musikalisches Debüt gab, wählte sie als Bild für das Cover ihres Albums den nackten Oberkörper jenes Stars der 60er- und 70er Jahre, der noch heute die Augen von Kultfilm-Kennern zum Glänzen bringt: Joe Dallesandro, der durchtrainierte, sonnengebräunte Beau aus "Heat". Der Mann, der nur selten lächelte, dessen Schauspielkunst im Grunde gar nicht als solche zu bezeichnen ist, avancierte mit den Warhol-Filmen zum avantgardistischen Superstar des Underground-Films und männlichen Sexsymbol.
(Text: arte)